Der US-Bundesstaat Delaware schafft mit einem neuen Gesetzespaket erstmals klare Regeln für Stablecoins und digitale Vermögenswerte. Damit will sich die traditionelle Heimat amerikanischer Konzerne als führender Standort für die Fintech-Branche neu erfinden.

Modernisierung nach über 40 Jahren

Am Montag brachten die Gesetzgeber Delawares ein umfangreiches Paket auf den Weg. Es soll die Finanzgesetze des Staates, die seit 1981 kaum verändert wurden, ins digitale Zeitalter führen. Kern sind der Delaware Payment Stablecoin Act und der Delaware Banking Modernization Act of 2026. Ziel ist ein klares, bankenähnliches Regelwerk, das Fintech-Unternehmen anlocken und gleichzeitig Verbraucherschutz gewährleisten soll.

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Die Initiative kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Zuletzt hatten einige prominente Digital-Asset-Firmen wie die Börse Coinbase Delaware nach Rechtsstreitigkeiten den Rücken gekehrt. Der Staat will nun mit modernen Gesetzen High-Tech-Jobs zurückholen.

Klare Regeln für Stablecoin-Emittenten

Herzstück der Reform ist der Delaware Payment Stablecoin Act (Senatsgesetz 19). Er schafft einen eigenen Lizenzrahmen für Unternehmen, die Zahlungs-Stablecoins ausgeben oder Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte anbieten. Die Regeln orientieren sich eng am bereits 2025 verabschiedeten Bundesgesetz GENIUS Act.

Für Emittenten gelten strenge Auflagen:
* Volle Deckung: Die ausgegebenen Token müssen eins zu eins durch hochliquide Reserven gedeckt sein.
* Transparenz: Lizenzierte Firmen müssen monatlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern bestätigte Berichte veröffentlichen.
* Einlösungsgarantie: Auszahlungen müssen unter normalen Marktbedingungen innerhalb von zwei Werktagen erfolgen. Bei einem massiven Abzug von über 10 Prozent des Gesamtbestands innerhalb von 24 Stunden kann die Frist auf sieben Tage verlängert werden, um Liquiditätskrisen zu verhindern.

Ein entscheidender Punkt: Stablecoin-Emittenten dürfen ihren Nutzern keine Zinsen oder Erträge zahlen. Damit sollen die digitalen Zahlungsmittel klar von Wertpapieren abgegrenzt und der regulatorische Aufwand verringert werden. Die Aufsicht übernimmt der Staatliche Bankenkommissar Delawares.

Banken dürfen künftig Krypto verwalten

Das parallel eingebrachte Delaware Banking Modernization Act of 2026 (Senatsgesetz 16) aktualisiert erstmals seit über vier Jahrzehnten das Bankenrecht. Es schafft die rechtliche Grundlage, damit traditionelle Finanzinstitute mit digitalen Assets arbeiten können.

Die Neuerungen sind grundlegend:
* Klare Definitionen: Begriffe wie digitaler Vermögenswert und Virtuelle Währung werden gesetzlich definiert.
* Eigentumsstatus: Digitale Assets werden ausdrücklich als persönliches Eigentum anerkannt. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für die treuhänderische Verwaltung.
* Neue Geschäftsfelder: Staatlich lizenzierte Banken und Trust-Gesellschaften dürfen digitale Vermögenswerte nun offiziell halten, verwalten und verwahren. Damit können sie institutionelle Verwahrlösungen anbieten, die von Konzernen stark nachgefragt werden.

Delaware reagiert damit auf Konkurrenz aus Staaten wie Wyoming oder Texas, die mit spezialisierten Krypto-Gesetzen punkten. Durch die Integration in das etablierte Bankenrecht will Delaware ein integrierteres und stabiles Umfeld für milliardenschwere Finanzinstitute schaffen.

Anschluss an Bundesrecht und wirtschaftliche Ziele

Ein Schlüsselelement des Pakets ist die enge Abstimmung mit dem US-Bundesrecht. Delaware will kein regulatorisches Vakuum schaffen, sondern übernimmt Definitionen und Standards direkt aus dem GENIUS Act. Experten sehen darin eine Strategie, als erster Bundesstaat eine föderale Zertifizierung für sein Digital-Asset-Regime zu erhalten.

Die Gesetze enthalten zudem bundesweit geltende Pflichten zur Geldwäschebekämpfung (AML) und zur Kundenidentifizierung (KYC). Sie erleichtern es Unternehmen, von einer Bundes- zu einer Staatlizenz zu wechseln.

Gouverneur Matt Meyer betonte das Ziel, ein innovatives Bankenökosystem zu schaffen, das die Hürden für Unternehmen und Bürger senkt. Ein klares Regelwerk soll die rechtliche Unsicherheit verringern, die Investitionen in den Blockchain-Sektor bisher oft gebremst hat. Branchenverbände begrüßen den Vorstoß. Sie halten Delaware aufgrund seiner Expertise im Unternehmensrecht für den idealen Ort für komplexe Digital-Asset-Regulierung.

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Nächste Schritte und Zeitplan

Die Gesetzesvorlagen liegen nun beim zuständigen Senatsausschuss, wo Anhörungen und Detailprüfungen folgen. Ein drittes Gesetz zum Thema Geldtransmission und Verbraucherschutz soll in den kommenden Tagen vorgestellt werden.

Bei einer Verabschiedung muss der Bankenkommissar bis Ende 2026 oder Anfang 2027 detaillierte Durchführungsbestimmungen erlassen. Dieser Zeitrahmen synchronisiert sich mit der erwarteten aktualisierten Bundesrichtlinie zu Stablecoins im Juni 2026.

Delaware setzt mit diesem proaktiven Schritt ein klares Zeichen. Indem der Staat Stablecoins und digitale Assets in sein bewährtes Bankenrecht integriert, wettet er darauf, dass Transparenz und klare Regeln der beste Weg für langfristiges Wachstum im digitalen Finanzzeitalter sind.