UniCredit-Chef Andrea Orcel bremst die Übernahmefantasie rund um die Commerzbank deutlich aus. Die Italiener halten zwar knapp 30 Prozent an der Frankfurter Bank, sehen das aktuelle Bewertungsniveau aber als zu hoch für einen vollständigen Kauf. Die Aktie reagiert mit Verlusten, während sich der Fokus der Anleger spürbar von möglichen M&A-Prämien hin zur operativen Entwicklung verschiebt.

  • UniCredit hält 29,9 % an der Commerzbank und vermeidet bewusst ein Pflichtangebot
  • Orcel kritisiert die Bewertung als „zu ambitioniert“ und verschiebt eine Übernahmeentscheidung
  • Kurs hat sich seit September 2024 fast verdoppelt, technische Lage trübt sich ein
  • Nächste Kurstreiber: Investorenauftritt in New York und vorläufige Jahreszahlen am 11. Februar

Bewertungsniveau bremst Übernahmefantasie

In einer aktuellen Stellungnahme hat Orcel betont, dass das Kursniveau der Commerzbank eine Übernahme derzeit schwer vermittelbar mache. Die Diskrepanz in der Bewertung zwischen beiden Häusern ist deutlich:
- Commerzbank: KGV über 14
- UniCredit: KGV rund 10,6

Seit dem Einstieg von UniCredit im September 2024 ist die Commerzbank-Aktie um etwa 90 Prozent gestiegen, während UniCredit im gleichen Zeitraum rund 40 Prozent zulegte. Mit jedem weiteren Anstieg verteuert sich für die Italiener ein mögliches Angebot.

Der CEO stellt deshalb ausdrücklich Alternativen in den Raum: Die Beteiligung könne auch nur als Finanzinvestment gehalten oder sogar wieder veräußert werden. Eine Übernahmepflicht wird vermieden, indem UniCredit die Grenze von 29,9 Prozent nicht überschreitet. Ab 30 Prozent wäre ein Pflichtangebot an alle Aktionäre fällig.

Politischer Widerstand bleibt bestehen

Gegenwind kommt weiterhin aus Berlin. Der Staat hält rund 12 Prozent der Anteile und ist damit zweitgrößter Einzelaktionär. Die Bundesregierung stuft die Commerzbank als systemrelevant ein und legt Wert auf ihre Eigenständigkeit.

Die politische Skepsis gegenüber einem vollständigen Einstieg von UniCredit bleibt damit ein zusätzlicher Hinderungsgrund für eine Transaktion – auch wenn Orcel betont, dass seine grundsätzliche Position hiervon unberührt bleibt.

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Charttechnik und Kennzahlen

Die kurzfristige technische Lage hat sich zuletzt abgeschwächt. Nach einem Wochenminus von 3,87 Prozent notiert der Kurs heute bei 34,83 Euro und damit nur knapp über wichtigen Unterstützungsmarken.

Zentrale Kennzahlen:

  • Aktueller Kurs: 34,83 Euro
  • Wochenperformance: -3,87 %
  • 52-Wochen-Hoch: 37,70 Euro (21.08.25)
  • Abstand zum Hoch: -7,5 %
  • 50-Tage-Linie: 34,69 Euro

Mit dem Schlusskurs von 34,99 Euro am Freitag lag die Aktie nur geringfügig über der 50-Tage-Linie. Ein nachhaltiger Rutsch darunter könnte technisch orientierte Verkäufe nach sich ziehen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 69 Prozent signalisiert weiterhin große Schwankungsbreiten. Kurzfristige Investoren, die vor allem auf eine Übernahmeprämie gesetzt hatten, ziehen sich zunehmend zurück.

Fokus verschiebt sich auf operative Stärke

Für das Management rückt nun die eigene Strategie in den Vordergrund. Beim „German Investment Seminar“ in New York präsentiert CEO Bettina Orlopp diese Woche die Wachstumsagenda „Momentum“ gegenüber internationalen Investoren – ohne Unterstützung durch frische Übernahmespekulationen.

Operativ hatte die Bank im dritten Quartal 2025 mit einem Rekord-Operativergebnis von 3,4 Milliarden Euro nach neun Monaten und einem angehobenen Zinsüberschuss-Ausblick auf 8,2 Milliarden Euro positive Akzente gesetzt. Auch auf der Kapitalseite zeigt sich die Commerzbank aktiv:
- Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro im Dezember 2025 vorzeitig abgeschlossen
- weiteres Rückkaufprogramm über 600 Millionen Euro für das erste Quartal 2026 geplant, vorbehaltlich der Zustimmung von EZB und Finanzagentur

Der nächste potenzielle Kurstreiber ist die Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen für 2025 am 11. Februar. Dann wird sich zeigen, ob die starke operative Entwicklung anhalten konnte.

Langfristziele rücken in den Mittelpunkt

Ohne akute Übernahmefantasie bildet die fundamentale Ertragskraft den zentralen Anker für die Bewertung. Im Fokus stehen dabei die bis 2028 gesteckten Ziele:
- Cost-Income-Ratio von 50 Prozent
- Eigenkapitalrendite von 15 Prozent
- Ausschüttungsquote von 100 Prozent

UniCredit hat die Entscheidung über einen vollständigen Einstieg vertagt und spielt eindeutig auf Zeit. Für die Commerzbank-Aktie bedeutet das eine schrittweise Neuausrichtung der Wahrnehmung – weg von Spekulationen über Übernahmeprämien hin zur Frage, ob die ehrgeizigen Profitabilitäts- und Ausschüttungsziele aus eigener Kraft erreicht werden können.

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