Der europäische Bankensektor zeigt sich vor einer entscheidenden Woche erstaunlich stabil – und die Commerzbank profitiert davon mehr als viele Wettbewerber. Rückenwind kommt sowohl von positiven Branchenerwartungen als auch von einer ganzen Serie frischer Analystenstudien. Gleichzeitig sorgt die ungelöste Rolle von Großaktionär UniCredit für einen strategischen Spannungsbogen, der die Story zusätzlich auflädt.

Bankensektor im Aufwind

Während der DAX zu Wochenbeginn an einer wichtigen Marke hängen blieb, präsentierten sich vor allem Finanzwerte robust. Der europäische Bankenindex notiert nahe einem Hoch, das zuletzt 2008 erreicht wurde – ein deutliches Signal, wie stark der Sektor zuletzt aufgeholt hat.

Die Commerzbank sticht in diesem Umfeld heraus. Mit einem aktuellen Kurs von 35,40 Euro liegt die Aktie nur rund 15 Prozent unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von 41,58 Euro und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um gut 94 Prozent verteuert. Damit spiegelt der Kurs die wiederentdeckte Ertragsstärke der Branche wider.

Die Begründung dafür liefern unter anderem die Experten der Citigroup. In ihrem Branchenausblick rechnen sie damit, dass das Geschäft mit:
- Aktien
- festverzinslichen Wertpapieren
- Rohstoffen
- Währungen

in den kommenden Jahren weiter wächst. Die Kapitalmarktaktivität könnte 2026 wieder das Niveau von vor der Finanzkrise 2008/2009 erreichen – ein Szenario, von dem Investmentbanken wie Universalbanken gleichermaßen profitieren würden.

Analysten schrauben Kursziele nach oben

Vor den anstehenden Quartalszahlen richten mehrere Investmentbanken den Blick neu auf die Commerzbank. Die Einschätzungen fallen überwiegend konstruktiv aus, auch wenn nicht alle Häuser beim Kurspotenzial gleich optimistisch sind.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Barclays: Kursziel von 25,50 auf 30,40 Euro angehoben, Einstufung „Equal Weight“
  • Goldman Sachs: Kursziel leicht von 35,50 auf 35,10 Euro reduziert, Rating „Neutral“
  • Deutsche Bank: Kaufempfehlung bestätigt, Kursziel 37 Euro
  • JP Morgan: Einstufung „Neutral“ bekräftigt
  • Kepler Capital: weiterhin mit Kaufempfehlung unterwegs

Barclays-Analyst Krishnendra Dubey erwartet, dass die Commerzbank ihr Ziel für die Zinseinkünfte 2026 auf etwa 8,5 Milliarden Euro anheben wird. Gleichzeitig sieht er in der bereits gestiegenen Bewertung einen begrenzenden Faktor für weiteres Kurspotenzial und favorisiert im deutschen Bankensektor weiterhin die Deutsche Bank.

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Goldman-Analyst Chris Hallam rechnet ebenfalls damit, dass die Commerzbank für 2026 zusätzliches Ertragswachstum in Aussicht stellt – inklusive Zinseinkünften von über 8,5 Milliarden Euro. Die unterschiedlichen Kursziele zeigen: Die Ertragsbasis gilt als solide, über den Spielraum nach oben wird jedoch unterschiedlich geurteilt.

Charttechnisch notiert die Aktie mit 35,40 Euro nur knapp über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 35,27 Euro und rund 11,5 Prozent über der 200‑Tage-Linie bei 31,74 Euro. Der RSI von 45,6 signalisiert ein neutrales Niveau ohne akute Überhitzung.

UniCredit bleibt strategischer Faktor

Parallel zu den operativen Themen bleibt die Beteiligung von UniCredit ein zentrales politisch-strategisches Thema. Die Italiener halten derzeit 26 Prozent an der Commerzbank und stehen vor einer üppigen Dividendenzahlung aus diesem Paket.

Analystenschätzungen zufolge könnte UniCredit auf Basis der aktuellen Beteiligung bis zu 380 Millionen Euro Dividende erhalten. Sollte der Anteil auf die von der EZB und dem Bundeskartellamt bereits genehmigten 29,9 Prozent aufgestockt werden, wären sogar rund 438 Millionen Euro möglich.

Noch wichtiger ist jedoch der Ergebnisbeitrag nach der sogenannten Equity-Methode:
Ausgehend von geschätzten Commerzbank-Gewinnen von 3,3 Milliarden Euro könnte der Anteil 2026 mehr als 850 Millionen Euro zum UniCredit-Ergebnis beisteuern. Kein Wunder, dass das Engagement für die Italiener eine große Rolle spielt.

Die Bundesregierung hat allerdings erst in der vergangenen Woche ihre klare Ablehnung einer Übernahme bekräftigt. Vor einem Treffen in Rom stellte Berlin unmissverständlich klar, dass man einen Kontrollwechsel derzeit nicht unterstützen will. UniCredit-CEO Andrea Orcel hat daraufhin angekündigt, die finale Entscheidung über das weitere Vorgehen bis 2027 zu vertagen.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betont derweil, dass das eigenständige Geschäftsmodell funktioniere – gestützt durch starke Geschäftszahlen und die robuste Entwicklung im Kerngeschäft.

Wichtige Termine im Blick

Kurzfristig rücken mehrere Termine in den Mittelpunkt, die den Takt für die Bankaktien in Europa vorgeben dürften:

  • Mittwoch: Zinsentscheid der US-Notenbank Fed
  • Donnerstag: Quartalszahlen der Deutschen Bank
  • 11. Februar: Quartalsbericht Q4 2025 der Commerzbank

Makroseitig blieb das Ifo-Geschäftsklima im Januar hinter den Erwartungen zurück. Statt des prognostizierten Anstiegs stagnierte der Indikator. CMC-Markets-Analystin Christine Romar sieht den Optimismus über das milliardenschwere Fiskalpaket durch die anhaltende Sorge um die Standortbedingungen in Deutschland ausgebremst.

Für die Commerzbank ergibt sich damit eine klare Konstellation: Ein starkes Branchenumfeld, positive Erwartungen an die Zinseinkünfte und eine grundsätzlich freundliche Analystenlage treffen auf politischen Widerstand gegen eine mögliche Übernahme und eine insgesamt fragile Konjunktur. Wie stark die Bank diese Mischung für sich nutzen kann, dürfte sich mit den Zahlen zum vierten Quartal und dem Ausblick auf 2026 zeigen.

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