Bitcoin: Warten auf Impulse
Bitcoin startet verhalten in den zweiten Handelsteil der Woche. Nach einem starken Jahresauftakt ist die Dynamik erst einmal raus – ausgerechnet kurz bevor zwei wichtige Makrodaten und ein großer Optionsverfall frische Bewegung bringen könnten. Im Hintergrund verschieben sich gleichzeitig ETF-Ströme, On-Chain-Signale und institutionelle Aktivitäten.
Seitwärtsphase nach frühem Jahreshoch
Nach neuen Jahreshochs zu Wochenbeginn hat Bitcoin einen Teil der Gewinne wieder abgegeben und pendelt aktuell knapp über 90.000 US‑Dollar. Damit liegt der Kurs rund ein Viertel unter dem 52‑Wochen-Hoch, bleibt aber klar über dem jüngsten Tief. Technische Indikatoren wie der RSI um 38 Punkte deuten eher auf eine abgekühlte, aber nicht überverkaufte Marktphase hin.
Der kurzfristige Rücksetzer folgt auf einen deutlichen Anstieg in den ersten Handelstagen 2026. Am Montag wurden noch Kurse deutlich über 94.000 US‑Dollar erreicht, bevor ein breiter „Risk‑off“-Modus an Aktien‑ und Kryptomärkten einsetzte. Die Volatilität ist zuletzt zurückgegangen, der 50‑Tage-Durchschnitt verläuft nur leicht unter dem aktuellen Niveau – ein Zeichen für eine abwartende Marktphase.
Spot-ETFs: Von Zuflüssen zu Abflüssen
Ein wichtiger Dämpfer kommt von den US‑Spot-Bitcoin-ETFs. Nach mehr als 1 Milliarde US‑Dollar Zuflüssen in den ersten beiden Handelstagen des Jahres haben die elf Vehikel in den vergangenen drei Tagen per Saldo rund 1,13 Milliarden US‑Dollar verloren. Die Jahresbilanz der ETF-Ströme ist damit praktisch wieder neutral.
Giottus-CEO Vikram Subburaj spricht von „Rotation statt Überzeugungskäufen“. Anleger scheinen Gewinne mitzunehmen oder Kapital zwischen Produkten umzuschichten, statt langfristig neues Geld in die ETFs zu lenken. Verstärkt wird dieser Effekt durch das eingetrübte Makroumfeld, das die Risikobereitschaft an Aktien‑ und Kryptomärkten gleichermaßen bremst.
Optionsverfall bei 90.000 US‑Dollar
2,2 Milliarden US‑Dollar laufen aus
Ein weiterer Bremsklotz für große Kursbewegungen ist der heutige große Verfall an der Terminbörse Deribit. Insgesamt laufen Optionen auf Bitcoin und Ethereum im Gesamtwert von mehr als 2,2 Milliarden US‑Dollar aus, davon entfallen rund 1,89 Milliarden US‑Dollar auf Bitcoin.
Bemerkenswert: Der Spotpreis liegt nahezu exakt am sogenannten „Max‑Pain“-Niveau von 90.000 US‑Dollar. Das ist der Preisbereich, bei dem die meisten Optionskontrakte wertlos verfallen und damit aus Sicht der Optionsverkäufer optimal sind.
Das Orderbuch ist dabei erstaunlich ausgewogen: 10.105 Call‑Kontrakte stehen 10.633 Puts gegenüber, das Put‑Call‑Verhältnis liegt bei 1,05. Diese Symmetrie fördert ein enges Hedging der Market Maker und trägt dazu bei, den Kurs in der Nähe der Schmerzgrenze zu „fixieren“ – mit entsprechend gedämpfter Volatilität vor dem Verfall.
On-Chain-Daten: Druck lässt nach
Hashrate bleibt auf hohem Niveau
Auf Netzwerkebene bleibt Bitcoin robust. Die Hashrate erreichte am 7. Januar mit 1,083 Milliarden TH/s ein neues Hoch und liegt damit gut 48 % über dem Wert vor einem Jahr. Zwar ging der Monatsdurchschnitt im Dezember laut JPMorgan gegenüber November um rund 3 % auf 1.045 EH/s zurück, insgesamt bewegen sich die Werte aber weiter auf historisch hohen Niveaus. Das signalisiert, dass Miner trotz der Konsolidierung im Kurs breit im Markt engagiert bleiben.
Gewinnmitnahmen deutlich abgeflaut
On‑Chain-Daten von Glassnode zeigen, dass der Verkaufsdruck durch Gewinnmitnahmen zum Jahreswechsel klar nachgelassen hat. Die realisierten Gewinne (7‑Tage‑Schnitt) fielen Ende Dezember auf rund 183,8 Millionen US‑Dollar pro Tag – nach Phasen mit über 1 Milliarde US‑Dollar täglich im vierten Quartal 2025. Diese Abkühlung deutet darauf hin, dass viele kurzfristige Verkäufer bereits aus dem Markt sind und der „Verteilungsdruck“ von Profiteuren nachgelassen hat.
Wale treten zurück, Retail kauft zu
Auch bei der Wallet-Struktur gibt es leichte Entspannungssignale. Analysen von Coin Metrics zufolge nimmt die Verteilung aus großen Adressen mit 1.000 bis 10.000 BTC seit Jahresbeginn ab. Der Verkaufsdruck durch große Halter („Wale“) dürfte damit geringer geworden sein.
Parallel dazu beschleunigt sich seit Mitte November die Akkumulation kleinerer Adressen mit weniger als 1 BTC. Privatanleger nutzen die Konsolidierungsphase offenbar verstärkt zum Aufbau oder Ausbau ihrer Positionen. Das stützt den Markt zwar eher langsam, verbreitert aber die Halterbasis.
Makrotreiber: Jobsdaten und Supreme Court
US-Arbeitsmarktbericht im Fokus
Der wichtigste kurzfristige Impulsgeber dürfte heute der US‑Arbeitsmarktbericht für Dezember werden. Laut FactSet erwarten Ökonomen rund 55.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft – weniger als die 64.000 aus dem Vormonat und unter dem Zwölfmonatsdurchschnitt von 77.800. Die Arbeitslosenquote soll leicht von 4,6 % auf 4,5 % sinken.
Nexo‑Analyst Iliya Kalchev sieht darin einen zweischneidigen Faktor: Ein etwas schwächerer Arbeitsmarkt könnte Risikoanlagen wie Aktien und Krypto stützen, weil er Spielraum für eine lockerere Geldpolitik schafft. Fallen die Daten dagegen robuster als erwartet aus, könnte das die Fantasie für schnelle Zinssenkungen dämpfen und Bitcoin eher in einer Seitwärtsrange festhalten.
Supreme-Court-Entscheidung zu Zöllen
Parallel blickt der Markt auf eine Entscheidung des US‑Supreme Courts zur Rechtmäßigkeit von Zöllen, die unter den Notstandsbefugnissen des Präsidenten verhängt wurden. Auf der Wettplattform Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Gerichtshof die Nutzung dieser Notstandsbefugnisse unter dem International Emergency Economic Powers Act explizit bestätigt, bei nur 24 %.
Unabhängig vom Ausgang warnt José Torres, Ökonom bei Interactive Brokers, vor anhaltender fiskalischer Unsicherheit. Sollte der Supreme Court die Zölle blockieren, dürfte die Regierung nach alternativen Wegen suchen, um ähnliche Maßnahmen umzusetzen. Solche Unklarheiten bei Handelspolitik und Staatsausgaben können Risikoassets phasenweise belasten oder zu erratischen Bewegungen führen.
Institutionelle Signale und Corporate-Bitcoin
Bank of America stuft Coinbase hoch
Auf der Infrastrukturseite gab es ein positives Signal für den gesamten Kryptosektor: Die Bank of America hat Coinbase auf „Kaufen“ hochgestuft. Begründet wird der Schritt mit der breiteren Aufstellung der Plattform – neben Kryptowährungen bietet Coinbase zunehmend Aktienhandel und Prognosemärkte an. Für den Markt ist das ein Hinweis darauf, dass etablierte Finanzhäuser die Rolle von Krypto-Börsen als Infrastruktur-Anbieter ernster nehmen.
Unternehmensbestände wachsen weiter
Auch Unternehmen setzen weiter auf digitale Reserven. Strategy (vormals MicroStrategy) hat seine Bestände um 1.287 BTC auf insgesamt 673.783 BTC ausgebaut. Solche Zukäufe wirken wie eine Art „weiche Untergrenze“ unter dem Markt, auch wenn die Käufe eher in Schüben als kontinuierlich erfolgen. Sie zeigen, dass Corporate-Treasuries Bitcoin weiterhin als strategische Position in Betracht ziehen.
Marktausblick: Bereinigter Markt, sensible Lage
Strukturell wirkt der Markt nach dem Jahreswechsel aufgeräumter. Der große Optionsverfall am 26. Dezember hat mehr als 45 % der offenen Positionen bereinigt und damit jene Zwänge reduziert, die den Kurs zuvor in engen Bahnen gehalten hatten.
Derivatedaten deuten aktuell auf einen vorsichtig positiven Grundton hin: Viele Call-Optionen auf Bitcoin sind bis Ende Januar rund um die Marke von 100.000 US‑Dollar konzentriert. Gleichzeitig liegt der Short‑Term Holder MVRV‑Wert mit 0,95 knapp unter 1 – kurzfristige Anleger sitzen im Schnitt auf etwa 5 % Buchverlust. Ohne eine klare und anhaltende Rückkehr in die Profitabilität steigt laut Glassnode die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Korrekturphase erneut verlängert.
Mit einer Gesamtmarktkapitalisierung des Kryptomarkts von rund 3,3 Billionen US‑Dollar und einem dominanten Bitcoin-Anteil hängt die nächste größere Bewegung nun maßgeblich von den heutigen Makrodaten und dem Optionsverfall ab: Fallen die Jobszahlen und die Supreme‑Court-Entscheidung für Risikoanlagen günstig aus, dürfte Bitcoin vom derzeit bereinigten Marktumfeld profitieren, während robuste Arbeitsmarktdaten oder negative Handelssignale die aktuelle Seitwärtsphase verlängern oder einen erneuten Rücksetzer anstoßen könnten.
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