Bitcoin: Verkaufssignal?
Institutionelle Investoren ziehen sich spürbar aus Bitcoin zurück, während die Blockchain-Daten auf eine Phase realisierter Verluste und nachlassender Netzwerkaktivität hinweisen. Parallel verschiebt sich die Stimmung an den Kryptomärkten deutlich in Richtung Vorsicht. Wie belastbar ist diese Schwäche – und was steckt konkret dahinter?
Druck durch ETF-Abflüsse
Der Bitcoin-Preis liegt aktuell bei rund 89.000 US‑Dollar und damit gut 8 % unter dem Niveau von vor einer Woche. Vom 52‑Wochen-Hoch ist die Kryptowährung inzwischen fast 30 % entfernt – ein klares Zeichen, dass der jüngste Aufwärtstrend ins Stocken geraten ist.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor sind massive Mittelabflüsse aus US‑Spot-Bitcoin-ETFs. Am Mittwoch flossen laut Marktberichten rund 709 Mio. US‑Dollar aus diesen Produkten ab – der größte Tagesabfluss seit November 2025. Besonders betroffen war der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock, der allein etwa 356 Mio. US‑Dollar verlor. Ether-ETFs verzeichneten zeitgleich Nettoabflüsse von knapp 298 Mio. US‑Dollar, davon rund 250 Mio. US‑Dollar beim iShares Ethereum Trust (ETHA).
Parallel transferierte BlackRock nach On-Chain-Daten rund 3.070 BTC (etwa 276 Mio. US‑Dollar) und rund 52.800 ETH (etwa 157 Mio. US‑Dollar) zu Coinbase Prime. Die Bewegungen werden überwiegend als abwicklungs- und ablösungsbedingte Transaktionen im Rahmen von ETF-Rückgaben eingeordnet. Kurzfristig können solche Ströme dennoch zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen und die Schwankungen verstärken.
On-Chain-Daten kippen
Realisierte Verluste nehmen zu
Auf der Blockchain-Seite mehren sich die Warnsignale. Laut CryptoQuant befinden sich Bitcoin-Anleger erstmals seit Oktober 2023 wieder in einer Phase netto realisierter Verluste. Seit dem 23. Dezember 2025 summieren sich die realisierten Minuspositionen auf etwa 69.000 BTC – ein deutlicher Stimmungsumschwung im Vergleich zu den Vormonaten.
Zentrale Beobachtungen:
- Die annualisierten realisierten Gewinne sind von rund 4,4 Mio. BTC im Oktober auf etwa 2,5 Mio. BTC zurückgegangen.
- Seit Anfang 2024 zeigt sich eine Serie niedrigerer Gewinnspitzen – ein Hinweis auf nachlassende Verkaufsgewinne im Aufwärtstrend.
- Die aktuelle Markstruktur ähnelt laut den Daten der Übergangsphase von Hausse zu Baisse in den Jahren 2021–2022.
Damit deuten die On-Chain-Metriken auf einen Markt hin, in dem Gewinne zunehmend abgeschmolzen sind und mehr Anleger bereit sind, Positionen mit Verlust zu schließen.
Schwächere Netzwerkaktivität
Zusätzlich zeigt der „Bitcoin ChainCheck“ von VanEck für Mitte Januar 2026 rückläufige Kennzahlen zur Netzwerkgesundheit über 30 Tage:
- Tagesumsätze im Netzwerk: –15 %
- Aktive Adressen: –6 %
- Neue Adressen: –4 %
- On-Chain-Transfervolumen: –11 %
- Hashrate: –6 %
- Mining-Schwierigkeit: –2 %
Diese Rückgänge signalisieren eine geringere Nachfrage nach Blockspace und weniger Aktivität von neuen wie bestehenden Nutzern. Zusammen mit den realisierten Verlusten passt dieses Bild zu einer fortgeschrittenen Abkühlungsphase nach einem zuvor starken Zyklus.
Regulierung und Makro – der Rahmen
US-Gesetzesinitiative für Kryptomärkte
Auf der politischen Bühne rückt die Strukturierung der Kryptomärkte in den Fokus. Am 27. Januar 2026 steht im US‑Senat (Agriculture Committee) eine sogenannte Markup-Anhörung zu einem umfassenden Marktstruktur-Gesetz für Krypto an. Ziel ist es, die Einordnung von Tokens als Wertpapiere oder Waren klarer zu definieren und damit mehr Rechtssicherheit zu schaffen.
Allerdings gibt es Streitpunkte, insbesondere zu Renditemodellen bei Stablecoins und zum Verbraucherschutz. Coinbase-CEO Brian Armstrong hat sich skeptisch zum aktuellen Entwurf geäußert, was zeigt, dass zentrale Marktteilnehmer mit einigen Vorgaben noch Probleme haben.
Globaler Regulierungsdruck steigt
Ein Bericht von PwC zur globalen Kryptoregulierung sieht 2026 als Schlüsseljahr: In wichtigen Regionen – EU, USA, Großbritannien, Vereinigte Arabische Emirate und Schweiz – sollen zahlreiche Vorhaben den Sprung vom Entwurf ins Gesetz schaffen. Für den Markt bedeutet das mehr Klarheit, aber auch potenziell strengere Auflagen, je nach Ausgestaltung der Regeln.
Stimmung, Vergleich zu Gold und Großinvestoren
Überwiegend vorsichtiger Ausblick
Viele Marktteilnehmer sind kurzfristig skeptisch. Kaledora Fontana, CEO von Ostium, beschreibt den Konsens so: Die Kryptomärkte dürften bis etwa September tendenziell schwach bleiben. Ein wichtiger Grund sind Erwartungen, dass Zinssenkungen der US‑Notenbank erst nach einem Wechsel an der Spitze der Fed kommen. Später einsetzende Lockerungen würden die Liquidität länger knapp halten – ein Gegenwind für risikoreiche Anlagen wie Bitcoin.
Schwache Performance gegenüber Gold
Gleichzeitig verliert Bitcoin gegenüber Gold deutlich an Boden. Das Verhältnis Bitcoin zu Gold liegt bei etwa 18,46 und damit rund 17 % unter seinem 200‑Wochen-Durchschnitt. Seit dem Höchststand im Dezember 2024 hat Bitcoin gegenüber Gold ungefähr 55 % eingebüßt, während das Edelmetall sich Kursständen nahe 4.900 US‑Dollar je Unze nähert. Für Anleger, die Bitcoin als „digitales Gold“ sehen, ist diese Unterperformance ein klares Warnsignal.
Einzelne Akteure kaufen zu
Trotz des trüben Gesamtbilds gibt es institutionelle Adressen, die die aktuellen Kurse nutzen. Strategy (ehemals MicroStrategy) hat innerhalb von nur acht Tagen Bitcoin im Gegenwert von rund 2,13 Mrd. US‑Dollar zugekauft. Executive Chairman Michael Saylor kommentierte den jüngsten Rückgang mit dem Hinweis, er denke darüber nach, noch mehr Bitcoin zu erwerben. Das zeigt: Während breite ETF-Ströme und On-Chain-Daten auf Zurückhaltung hindeuten, halten bestimmte Überzeugungstäter an ihrer langfristigen Akkumulationsstrategie fest.
Fazit und Ausblick
Bitcoin befindet sich derzeit in einem deutlich anspruchsvolleren Umfeld: ETF-Abflüsse, realisierte Verluste und schwächere Netzwerkaktivität drücken auf den Kurs, während die Performance gegenüber Gold klar abfällt. Kurzfristig bleibt das Bild fragil, zumal viele Analysten erst im weiteren Jahresverlauf mit Unterstützung durch mögliche US‑Zinssenkungen rechnen. Ein wichtiger nächster Meilenstein ist die Markup-Anhörung im US‑Senat am 27. Januar 2026, die die Weichen für die künftige Marktstruktur stellen und damit auch die Einschätzung institutioneller Investoren in den kommenden Wochen beeinflussen kann.
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