Bitcoin tritt zum Start in die neue Woche auf der Stelle, während Gold über die Marke von 5.000 US-Dollar hinausschießt. Die Bewegung zeigt, wie weit sich der Kryptomarkt derzeit von klassischen Makrotreibern entfernt hat. Statt auf Zinsen, Politik oder Gold zu reagieren, dominieren interne Angebots- und On-Chain-Faktoren das Bild. Wie lange kann sich diese Phase der Konsolidierung hinziehen?

Seitwärtsmarkt trotz deutlicher Korrektur

Bitcoin notiert heute bei rund 87.553 US-Dollar und liegt damit zwar nur leicht im Minus gegenüber dem Vortag, aber rund 30 % unter dem Allzeithoch von gut 125.000 US-Dollar aus dem Spätjahr 2025. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,6 %, seit Jahresbeginn ein Minus von 1,32 % zu Buche – der Trend seit Oktober bleibt damit abwärtsgerichtet, auch wenn der Kurs zuletzt knapp über seinem 52‑Wochentief von 84.683 US-Dollar stabil geblieben ist.

Marktbeobachter sprechen von einem „low-conviction market“: Das Interesse ist dünn, die Teilnahme gering, die Hebelung im Futures-Bereich verhalten. Kursbewegungen laufen in vergleichsweise dünner Liquidität, was Gegenbewegungen anfällig für erneute Verkäufe macht. Technisch bremst zusätzlich ein markanter Angebotsblock: On-Chain-Daten von Glassnode verorten starken Widerstand um 98.000 US-Dollar, wo sich die Kostenbasis vieler kurzfristiger Halter bündelt. Oberhalb von 100.000 US-Dollar liegt zudem ein dichter Angebotsüberhang, der derzeit ausreicht, um größere Rallyversuche zu deckeln.

On-Chain-Daten: Konsolidierung statt Beschleunigung

On-Chain-Kennzahlen zeichnen das Bild eines Marktes im Übergang. Der Mid-January 2026 „Bitcoin ChainCheck“-Report von VanEck zeigt:

  • Tägliche Netzwerkumsätze: -15 % in den letzten 30 Tagen
  • Aktive Adressen: -6 %
  • Neue Adressen: -4 %
  • Aktive Supply: +7 % (mehr „Umlauf“ durch Halterwechsel)

Zusammen deutet das auf eine abnehmende Aktivität im Netzwerk bei gleichzeitig höherem „Churn“: Mehr Coins wechseln die Besitzer, aber auf Basis eines insgesamt ruhiger werdenden Netzwerks.

CryptoQuant berichtet zudem, dass Investoren erstmals seit Oktober 2023 wieder vermehrt mit Verlust verkaufen. Ältere Käufer steigen aus, während jüngere Marktteilnehmer einsteigen – ein Muster, das typischerweise mit Konsolidierungsphasen einhergeht und weniger zu einem direkten Übergang in eine neue Aufwärtswelle passt.

Halterstruktur: Verkäuferüberhang dämpft Erholungen

Auch die Detaildaten zu den Strömen auf der Blockchain zeigen ein gemischtes Bild. Das gesamte Transfer-Volumen im Netzwerk ist um 11 % gesunken, die von Minern an Börsen gesendete Menge um 6 %. Weniger Transaktionen bedeuten weniger „Durchsatz“ – es werden schlicht weniger Coins aktiv gehandelt.

Gleichzeitig bringen langfristige Anleger weiterhin ältere Bestände an die Börsen. NYDIG beschreibt dies als einen „seller overhang“: Langfristige Halter nutzen offenbar Kursniveaus im mittleren 80.000er bis knapp 90.000er Bereich, um Teile ihrer Bestände abzugeben. Diese Angebotsseite erschwert es, dass sich unterhalb der bisherigen Rekordstände eine stabile neue Basis bildet.

Mining: Rückgang bei Hashrate und Difficulty

Auf der Angebotsseite rückt der Mining-Sektor stärker in den Fokus. Die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks hat seit dem Hoch im Oktober 2025 die längste anhaltende Schwächephase seit Frühjahr 2024 erlebt und ist um rund 15 % vom Spitzenwert von 1,1 Zettahash pro Sekunde auf aktuell etwa 977 Exahash pro Sekunde gefallen.

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Zentrale Mining-Indikatoren entwickeln sich entsprechend:

  • 30-Tage-Durchschnitt der Difficulty: -2 % (von 646 auf 635)
  • Geschätzter globaler Stromverbrauch der Miner: -2 % (von 206 TWh auf 203 TWh)
  • Hashrate seit Mitte November 2025: -6 %

Die Mining-Difficulty soll am 22. Januar um weitere 4 % fallen – es wäre die siebte negative Anpassung in den letzten acht Perioden. Der Hash-Ribbon-Indikator von Glassnode, der Phasen von Mining-Kapitulation misst, hat sich bereits am 29. November 2025 gedreht, kurz nachdem Bitcoin nahe 80.000 US-Dollar ein Zwischentief markiert hatte.

Die Kombination aus sinkender Difficulty, rückläufigem Stromverbrauch und Hashrate legt nahe, dass Miner Anlagen abschalten. VanEck führt dies zum Teil auf saisonale Effekte im Winter zurück, aber auch auf einen strukturellen Shift: Rechenzentren werden verstärkt in Richtung KI-Datenverarbeitung umgerüstet. Ein Beispiel liefert Riot Platforms: Das Unternehmen erzielte im Dezember 6,2 Millionen US-Dollar an Power Credits – ein Anstieg um 171 % gegenüber 2,3 Millionen US-Dollar im November. Vor allem die Erlöse aus Stromdrosselungen stiegen stark von 1,0 auf 4,9 Millionen US-Dollar an.

Regulierung und Institutionen: USA schärft Rahmen nach

Parallel zur Marktberuhigung schreitet die Regulierung in den USA spürbar voran. Die Bank- und Agrarausschüsse des Senats arbeiten an einem umfassenden Gesetzespaket zur Marktstruktur von Kryptowerten. Geplant sind unter anderem:

  • Klare Abgrenzung, wann Token als Wertpapiere, Rohstoffe oder sonstige Assets gelten
  • Erweiterte Zuständigkeiten der CFTC für den Spotmarkt von Kryptowährungen
  • Präzisere Aufsichtsrahmen für Stablecoins

Der im Juli verabschiedete GENIUS Act bildet bereits den Rechtsrahmen für Stablecoins; konkrete Umsetzungsregeln des US-Finanzministeriums stehen jedoch noch aus. Zugleich versucht World Liberty Financial, ein von Präsident Trump unterstütztes DeFi-Protokoll, mit einem Antrag bei der OCC eine nationale Trust-Banklizenz für Stablecoin-Geschäfte zu erhalten.

Auf institutioneller Seite sind die Signale gemischt: US-Spot-ETFs verzeichnen wieder deutliche Zuflüsse, was auf erneute Akkumulation durch professionelle Investoren hindeutet. Mittlerweile investieren über 2.000 US-Vermögensverwalter in Krypto-ETPs. Gleichzeitig handeln sogenannte Digital Asset Treasury Companies (DATs) mit Abschlägen auf ihren Nettovermögenswert (mNAV), was den Druck zu Zusammenschlüssen und Übernahmen erhöht.

Gold gewinnt, Bitcoin tritt auf der Stelle

Während Bitcoin seit Wochen seitwärts läuft, setzt Gold zu einem regelrechten Sprint an: Der Preis pro Feinunze ist über 5.000 US-Dollar gestiegen. Seit dem 18. Januar, als neue Zollandrohungen im Zusammenhang mit Diskussionen um einen möglichen Grönland-Deal aufkamen, hat Bitcoin rund 6,6 % verloren, während Gold um 8,6 % zulegen konnte.

Die unterschiedliche Reaktion unterstreicht die derzeitige Rolleverteilung: Bitcoin ist dank 24/7-Handel, hoher Liquidität und schneller Abwicklung ein vergleichsweise einfach zu liquidierendes Asset, wenn Investoren kurzfristig Cash brauchen. Gold dagegen wird von Zentralbanken weiterhin in Rekordgrößenordnungen aufgebaut und profitiert in der aktuellen Unsicherheit als traditionelles Reserve- und Sicherheitsasset. Bei Bitcoin dagegen wirken die laufenden Verkäufe langjähriger Halter als Gegengewicht zu frischer Nachfrage.

Ausblick: Erst Angebot verdauen, dann neuer Anlauf

Aus den aktuellen Daten ergibt sich ein klares Bild: Bitcoin steckt in einer Konsolidierungsphase fest, in der interne Angebots- und Halterdynamiken entscheidender sind als externe Impulse. Prognosemärkte wie Polymarket sehen derzeit höhere Wahrscheinlichkeiten dafür, dass Gold seine Niveaus über 5.500 US-Dollar bis zur Jahresmitte hält, während Bitcoin eher weitere Monate der Seitwärtskonsolidierung zugetraut werden, bevor ein nachhaltiger Angriff auf die alten Hochs realistisch erscheint.

Langfristig optimistische Stimmen bleiben dennoch präsent. Ex-Binance-CEO Changpeng Zhao brachte die These auf, Bitcoin könne sich 2026 von seinem historischen Vierjahreszyklus lösen und in eine Art „Supercycle“ eintreten. Kurzfristig spricht die Kombination aus Verkäuferüberhang, gedämpfter On-Chain-Aktivität und rückläufigem Mining-Sektor aber dafür, dass der Markt zunächst vorhandenes Angebot absorbieren muss. Hinzu kommen die erste Zinsentscheidung der US-Notenbank in diesem Jahr und die ungelöste Haushaltssituation mit anhaltendem Shutdown-Risiko – Faktoren, die das Umfeld für riskante Anlagen wie Kryptowährungen vorerst volatil und richtungslos halten können.

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