BioNTech, DEUTZ & Munich Re: Wenn Pipelines überzeugen, Rüstungsfantasien pausieren und Naturkatastrophen Milliarden kosten
Liebe Leserinnen und Leser,
320 Milliarden Dollar – diese Zahl geisterte gestern durch die Schlagzeilen, als Munich Re seine Naturkatastrophen-Bilanz vorlegte. Doch Vorsicht: Das ist der Schaden von 2024, nicht von 2025. Trotzdem bleibt die aktuelle Botschaft alarmierend genug. Während BioNTech mit seiner Onkologie-Pipeline Analysten begeistert und DEUTZ nach einem Rekordlauf erstmal Luft holt, zeigt der Rückversicherer aus München, wie teuer der Klimawandel wird. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemein haben – und doch dasselbe erzählen: Märkte bewerten heute nicht mehr nur Quartalszahlen, sondern Zukunftsszenarien.
BioNTech: 15 Phase-3-Studien und 17 Milliarden Euro Kriegskasse
Wer gedacht hatte, BioNTech würde nach dem COVID-Boom in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wird gerade eines Besseren belehrt. Auf der JPMorgan Healthcare-Konferenz legte das Mainzer Unternehmen seine Roadmap für 2026 vor – und die hat es in sich: 15 laufende Phase-3-Studien, sieben Datenveröffentlichungen aus fortgeschrittenen Programmen und eine Liquiditätsreserve von 16,7 Milliarden Euro (Stand Q3 2025). Die strategische Botschaft ist klar: BioNTech will sich als diversifiziertes Onkologieunternehmen etablieren, nicht als One-Trick-Pony.
Besonders interessant: Der Wirkstoffkandidat Gotistobart erhielt von der FDA den Orphan-Drug-Status für Plattenepithelkarzinome der Lunge – eine aggressive Krebsform mit begrenzten Therapieoptionen. Dieser Status bringt regulatorische Vorteile und unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Pipeline. Analysten honorieren das: 12 von 15 Experten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 142 US-Dollar – fast 39 Prozent über dem aktuellen Niveau. Die Aktie legte vorbörslich um 1,44 Prozent zu. Für 2026 erwartet BioNTech zwar sinkende COVID-Umsätze, doch die Onkologie-Wette könnte diesen Rückgang mehr als kompensieren.
DEUTZ: Wenn Rüstungsfantasien auf Gewinnmitnahmen treffen
Manchmal ist die schnellste Korrektur die gesündeste. Nach einem Kurssprung auf 10,60 Euro – den höchsten Stand seit 2007 – gab die DEUTZ-Aktie gestern um gut fünf Prozent nach. Der Grund? Klassische Gewinnmitnahmen nach einer Rally, die das Papier 2025 mehr als verdoppelt hatte. Allein 2026 steht ein Plus von 17 Prozent zu Buche.
Der Treiber hinter dem Höhenflug: DEUTZ wandelt sich vom reinen Motorenbauer zum diversifizierten Technologieunternehmen mit Ambitionen im Rüstungssektor. Die im Dezember angekündigte Übernahme des niedersächsischen Unternehmens Frerk und die Fokussierung auf wachstumsstarke Anwendungen rund um Rechenzentren zeigen, wohin die Reise geht. Analysten bleiben optimistisch: Alle drei vorliegenden Einschätzungen lauten auf "Kaufen", das durchschnittliche Kursziel von 10,75 Euro liegt nur knapp über dem aktuellen 52-Wochen-Hoch. Die Botschaft: Der Markt traut DEUTZ weiteres Potenzial zu, auch wenn kurzfristig Konsolidierung angesagt ist. Für deutsche Anleger, die auf die Rüstungswelle setzen, bleibt der Titel spannend – allerdings mit gesundem Respekt vor der bereits gelaufenen Performance.
Anzeige: Die jüngsten Entwicklungen bei DEUTZ und anderen Rüstungswerten zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich Gewinnchancen ergeben – aber auch wieder schließen können. Genau für solche Marktbewegungen haben Felix Baarz und Carsten Müller ein System entwickelt: Den Cash-Alarm, der zweimal pro Woche konkrete Trade-Signale liefert. Das Besondere: Die Strategie funktioniert sektorübergreifend – von Rüstung über Tech bis Energie. Rheinmetall brachte beispielsweise +136,5% Gewinn, Siemens Energy +96,9%. Details zur Cash-Rallye mit 20 Trades in 10 Wochen
Munich Re: 224 Milliarden Dollar Schaden – und der Klimawandel schlägt zurück
Jetzt zu den Zahlen, die wirklich zählen: Munich Re beziffert die weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen 2025 auf 224 Milliarden US-Dollar, davon 108 Milliarden versichert. Das klingt nach einem Rückgang gegenüber 2024 (368 bzw. 147 Milliarden), doch die Erleichterung wäre verfrüht. Denn der Rückversicherer warnt: 2025 hatte die Welt schlicht Glück. Kein einziger Hurrikan traf das US-Festland – ein statistischer Ausreißer, der die Schadensbilanz künstlich drückte.
Die eigentliche Story verbirgt sich in den "Sekundärgefahren": Waldbrände, Hochwasser und Schwergewitter verursachten 166 Milliarden Dollar Schaden – ein neuer Rekord. Allein die Brände in Los Angeles kosteten 40 Milliarden Dollar (versichert) und wurden zur teuersten Waldbrand-Katastrophe aller Zeiten. Chef-Klimawissenschaftler Tobias Grimm bringt es auf den Punkt: "Der Planet hat Fieber. Und ein wärmerer Planet begünstigt zerstörerisches Wetter." Die Aktie verlor gestern 0,57 Prozent – eine moderate Reaktion angesichts der Tragweite.
Für Anleger bedeutet das: Versicherer und Rückversicherer werden künftig mit strukturell höheren Schadenssummen rechnen müssen. Das drückt auf die Margen, könnte aber auch Prämienerhöhungen rechtfertigen. Munich Re selbst steht mit seiner globalen Diversifikation vergleichsweise robust da, doch die Branche insgesamt muss sich auf ein neues Normalzustand einstellen – eines, in dem 100-Milliarden-Dollar-Jahre keine Ausnahme mehr sind.
Rüstungswerte, Volkswagen und Nordex: Die deutschen Nebenschauplätze
Abseits der Hauptthemen bleibt der deutsche Markt in Bewegung. Rheinmetall, HENSOLDT und RENK profitierten weiter von geopolitischen Spannungen und stiegen 2026 bereits um über 20 Prozent – thyssenkrupp Marine Systems sogar um über 40 Prozent. Der Hintergrund: Deutschland und Indien verhandeln über ein U-Boot-Projekt in Mumbai, das TKMS Milliarden einbringen könnte. Gestern legte TKMS um 4,26 Prozent zu, während die anderen Rüstungswerte moderat zulegten.
Volkswagen meldete für 2025 einen Absatzrückgang von 1,4 Prozent auf 4,73 Millionen Fahrzeuge der Kernmarke. Besonders bitter: China brach um 8,4 Prozent ein, Nordamerika um 8,2 Prozent. Europa und Südamerika konnten das nicht ausgleichen. Für 2026 gibt sich VW dennoch zuversichtlich – über zehn neue elektrifizierte Modelle sollen allein in China starten. Die Aktie reagierte kaum.
Nordex wiederum meldete einen Rekordauftragseingang von 10,2 Gigawatt für 2025 – ein Plus von 22,5 Prozent. Die Preise blieben stabil, das Unternehmen profitiert vom Windkraft-Ausbau. Trotzdem verlor die Aktie leicht, wohl weil Analysten die starken Zahlen bereits eingepreist hatten.
Was diese Woche noch wichtig wird
Am Mittwoch dürften die US-Inflationsdaten für Dezember die Märkte bewegen – jede Abweichung von der erwarteten 2,7-Prozent-Marke könnte die Fed-Zinsdebatte neu entfachen. BioNTech wird am 2. Februar seine Q4-Zahlen vorlegen – dann zeigt sich, ob die Pipeline-Story auch operativ überzeugt. Und Munich Re? Die werden wohl weiter daran arbeiten, Anleger davon zu überzeugen, dass auch in einer Welt mit 200-Milliarden-Dollar-Schadensjahren Geld zu verdienen ist.
Bis dahin: Bleiben Sie wachsam, diversifiziert – und vergessen Sie nicht, dass manchmal die ruhigeren Tage die lehrreichsten sind.
Herzliche Grüße aus der Redaktion,
Andreas Sommer








