Die deutsche Bauwirtschaft erlebt eine spürbare Belebung durch die ersten umfassenden Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag. Neue, stark subventionierte Kredite und ein vereinfachtes Modernisierungsrecht sollen den klimafreundlichen Umbau beschleunigen und Planungssicherheit schaffen. Erste Daten deuten auf eine Stabilisierung des zuletzt schwankenden Marktes hin.

Neues Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt GEG

Ein zentraler Pfeiler der Reform ist das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), das das umstrittene Gebäudeenergiegesetz (GEG) ablöst. Es setzt auf mehr Flexibilität und weniger Bürokratie. Starrer Vorgaben weichen einem technologieoffenen Ansatz. Ein Beispiel: Die Pflichtberatung für den Einbau bestimmter Heizungen entfällt. Dies soll den Austausch fossiler Heizungen beschleunigen. Das Gesetz harmonisiert zudem die Vorgaben mit der EU-Gebäuderichtlinie, die bis Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Das langfristige Ziel bleibt ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2045.

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KfW senkt Zinsen für Effizienzhäuser massiv

Die Finanzierung klimafreundlichen Bauens ist deutlich attraktiver geworden. Die staatliche KfBank hat die Kosten für das Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN) stark verbessert. Seit Anfang März gelten für das Effizienzhaus 55 Zinssätze von nur noch 1,0 Prozent effektiv pro Jahr. Für die noch effizientere Stufe Effizienzhaus 40 sind sogar nur 0,6 Prozent fällig. Diese Zinssenkung ist ein gezielter Schub des Bauministeriums für den Neubaumarkt. Seit der Wiedereröffnung des Programms Ende 2025 wurden bereits rund 17.000 neue Wohneinheiten unter diesen Konditionen bewilligt. Für private und gewerbliche Investoren machen diese Subventionen große Wohnprojekte in der Hochzinsphase überhaupt erst realisierbar.

„Jung kauft Alt“ soll Bestandsmodernisierung vorantreiben

Neben dem Neubau liegt ein Fokus auf der Sanierung des bestehenden Gebäudebestands. Hier setzt das Programm „Jung kauft Alt“ an. Es vergibt günstige Kredite ab 1,12 Prozent für den Kauf älterer Immobilien der Energieklassen F, G oder H. Voraussetzung: Der Käufer muss das Haus innerhalb von viereinhalb Jahren mindestens auf den Effizienzhaus 85 EE-Standard modernisieren. Parallel dazu bleibt die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ein starker Treiber. Der Basiszuschuss für den Tausch einer fossilen Heizung gegen eine Wärmepumpe liegt bei 30 Prozent. Mit „Klimabonus“ und Sozialbonus können bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden. Für Komplettsanierungen bietet das KfW-Programm 261 weiterhin Kredite bis 150.000 Euro pro Wohneinheit mit Tilgungszuschüssen von bis zu 45 Prozent.

Digitaler „Bauturbo“ und smarte Technologien

Die Digitalisierung soll Bauprojekte beschleunigen und die Energieeffizienz steigern. Der „Bauturbo“ und digitale Bauantragsverfahren sind zentrale Werkzeuge, um die Dauer von der Planung bis zur Fertigstellung zu verkürzen. Für Bundesbauprojekte ist die Nutzung digitaler Technologien und von Building Information Modeling (BIM) bereits verpflichtend. Diese Tools dienen nicht nur der Geschwindigkeit, sondern auch der Qualität. Durch digitale Zwillinge und Planungssoftware lässt sich der Energieverbrauch eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus präziser vorhersagen – ein immer wichtigerer Faktor für ESG-Berichte von Unternehmen. Die Aufnahme von Smart-Home-Technologien und Lüftungsanlagen in die BAFA-Förderliste mit Zuschüssen von 15 bis 20 Prozent unterstützt diesen trend.

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Mehr Planungssicherheit für die Branche

Der aktuelle Schub an Förderanträgen und die stabilen Zinsen kommen zum richtigen Zeitpunkt. Nach einer Stagnationsphase zeigt der Fokus der Koalition auf „bezahlbares und klimafreundliches Wohnen“ erste Wirkung in steigenden Baubeginnezahlen. Die Kombination aus niedrigen Kreditzinsen und hohen Bundesmitteln für den sozialen Wohnungsbau schafft ein ausgeglicheneres Marktumfeld. Die Politik betont die Bedeutung von Planungssicherheit. Zwar gibt es keinen Rechtsanspruch auf Förderung, die Budgets für 2026 sollen aber plötzliche Förderstopps wie in der Vergangenheit verhindern. Diese Verlässlichkeit ist ein Schlüsselfaktor für das zurückkehrende Interesse institutioneller Investoren an Stadtentwicklungsprojekten.

Nächste Schritte: Barrierefreiheit und EU-Frist

Das Fördergefüge wird weiter ausgebaut. Im Frühjahr 2026 soll ein neues Programm für „Barrierefreies Bauen“ starten, sobald die technische Infrastruktur für den Antragsweg steht. Es ergänzt die Energieeffizienz-Förderung um den demografischen Bedarf an altersgerechtem Wohnen. Das nächste große Datum ist der 29. Mai 2026. Bis dahin muss die EU-Gebäuderichtlinie endgültig in nationales Recht umgesetzt sein. Dies wird voraussichtlich neue Regeln für Energieausweise bringen, um mehr Transparenz auf dem europäischen Markt zu schaffen. Die Branche erwartet zudem einen stärkeren Fokus auf serielle Sanierungsmethoden, um Kosten zu senken und das Tempo der Gebäudewende zu erhöhen. Die Ziele bleiben ambitioniert, doch die aktuelle Mischung aus finanziellen Anreizen und regulatorischer Reform bietet der Bauwirtschaft die stabilste Grundlage seit über fünf Jahren.