Barrick steht vor einem der spannendsten Strukturprojekte der Minenbranche – doch der Plan für einen Nordamerika‑Spin-off stößt auf einen mächtigen Bremsklotz. Joint-Venture-Partner Newmont besitzt ein Vetorecht, das die Abspaltung im Kern treffen könnte. Parallel sorgt ein Führungswechsel an der Spitze für zusätzliche Unsicherheit, während der Goldpreis neue Rekordmarken testet. Wie stabil ist die Basis für Barricks nächste strategische Phase?

Newmont blockiert den einfachen Spin-off

Im Zentrum der Pläne steht ein Börsengang der nordamerikanischen Vermögenswerte. Genau hier greift die Vereinbarung mit Newmont: Der US-Konzern hält ein Vorkaufsrecht auf Barricks 61,5‑Prozent-Anteil an Nevada Gold Mines (NGM) – dem Herzstück der geplanten Abspaltung.

Laut SEC-Unterlagen dürfen Anteile an NGM nur mit Zustimmung beider Partner übertragen werden. Praktisch bedeutet das: Ohne Newmonts Einverständnis lassen sich die NGM-Anteile nicht einfach in eine neue börsennotierte Einheit ausgliedern. Das verleiht Newmont erheblichen Einfluss auf Struktur, Timing und überhaupt die Machbarkeit des Spin-offs.

Zum geplanten Paket der Nordamerika-IPO würden gehören:

  • Nevada Gold Mines (Flaggschiff-Operationen in Nevada)
  • Die Mine Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik
  • Das noch wenig entwickelte Fourmile-Projekt in Nevada

Marktanalysten taxieren den Wert dieser nordamerikanischen Einheit auf rund 42 Milliarden US‑Dollar – ein wesentlicher Teil von Barricks Unternehmenswert. Entsprechend hoch ist der Druck, eine Lösung mit Newmont zu finden, die das Vetorecht berücksichtigt.

Führungsvakuum und Strategiefragen

Erschwerend kommt hinzu, dass Barrick derzeit ohne dauerhafte Konzernspitze unterwegs ist. Interim-CEO Mark Hill führt das Tagesgeschäft, während die Suche nach einem langfristigen Chef läuft. Für ein komplexes Projekt wie einen Groß-Spin-off ist das alles andere als eine Idealbesetzung.

Immerhin hat der Konzern mit der neuen Finanzchefin Helen Cai frische M&A-Expertise an Bord geholt. Ihre Erfahrung bei Transaktionen dürfte bei der Strukturierung des möglichen IPO und bei Verhandlungen mit Newmont eine wichtige Rolle spielen.

Konkretere Details zum Spin-off will Barrick mit den Zahlen zum vierten Quartal 2025 vorlegen. Der Bericht ist für Februar 2026 angekündigt. Spätestens dann dürfte klarer werden, wie das Management die Hürde des Vetorechts technisch lösen will – etwa über alternative Strukturen oder Kompensationen.

Rückenwind durch Rekord-Goldpreis

Operativ profitiert Barrick vom Umfeld am Goldmarkt. Der Goldpreis hat am 24. Januar 2026 erstmals kurz die Marke von 5.000 US‑Dollar je Feinunze überschritten, der Spotpreis lag zuletzt bei rund 4.988 Dollar. Goldman Sachs reagierte und hob das Kursziel für Ende 2026 von zuvor 4.900 auf 5.400 US‑Dollar je Feinunze an.

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Die Banken begründen den positiven Ausblick vor allem mit drei Faktoren:

  • Zukäufe der Notenbanken: Viele Zentralbanken, vor allem in Schwellenländern, bauen ihre Goldreserven weiter aus.
  • Absicherung im Privatsektor: Unternehmen und Investoren sichern sich wegen geopolitischer Spannungen verstärkt mit Gold gegen Extremrisiken ab.
  • Inflations- und Schuldenangst: Weltweit stark gestiegene Staatsverschuldung nährt Sorgen vor anhaltend höherer Inflation.

Für Barrick bedeutet das: Höhere Goldpreise stützen cashflowstarke Minen wie NGM und Pueblo Viejo und machen Investitionen in Projekte wie Fourmile grundsätzlich attraktiver – zumindest aus Marktsicht.

Barrick Aktie stark gelaufen

An der Börse hat sich die positive Gemengelage aus Goldrally und Gewinnfantasie bereits deutlich niedergeschlagen. Die Aktie legte 2025 um 130 % zu und notiert aktuell mit 43,19 Euro auf Jahressicht auf Rekordniveau; gegenüber dem 52‑Wochentief bei 15,18 Euro ergibt sich ein Plus von gut 184 %. Mit einem 14‑Tage-RSI von 28,4 signalisiert der Markt kurzfristig eher eine abgekühlte Dynamik trotz der starken Trendbewegung der vergangenen zwölf Monate.

Im Bewertungsbild wirkt der Titel gleichzeitig nicht überzogen teuer: Für 2026 erwarten Analysten ein Ergebnis je Aktie von 3,39 US‑Dollar – rund 48,6 % mehr als 2025. Daraus ergibt sich ein Forward-KGV von etwa 13,2, klar unter dem 10‑Jahres-Durchschnitt von 20. Der Markt preist also steigende Gewinne ein, ohne die historische Bewertungsbandbreite voll auszuschöpfen.

Machtverschiebung zwischen Barrick und Newmont

Strategisch bemerkenswert ist die veränderte Rollenverteilung zwischen den beiden Minenriesen. Noch 2019 versuchte Barrick, Newmont zu übernehmen. Nach zähen Gesprächen einigte man sich damals stattdessen auf die Gründung des Nevada-Gold-Mines-Joint-Ventures.

Heute sitzt Newmont am längeren Hebel. Ein früherer Barrick-Manager mit Kenntnis der JV-Struktur bringt es so auf den Punkt: Newmont sei inzwischen in der komfortablen Position, „die Richtung vorzugeben“. Der Konzern bestätigte gegenüber Medien, dass die Joint-Venture-Vereinbarung unverändert gilt und man abseits öffentlicher Informationen keine zusätzlichen Kenntnisse zu Barricks IPO‑Plänen habe.

Diese Ausgangslage macht deutlich: Jeder Schritt in Richtung Spin-off muss so gestaltet werden, dass Newmont keinen Nachteil erkennt – oder ausreichend kompensiert wird. Andernfalls droht das Vetorecht zur echten Blockade.

Viermile: Großes Potenzial, offenes Budget

Ein weiterer Knackpunkt liegt beim Fourmile-Projekt in Nevada. Barrick sieht darin einen potenziellen zukünftigen Kernbaustein des Konzerns und spricht von einer der bedeutendsten Goldentdeckungen dieses Jahrhunderts. Um das Projekt zu entwickeln, ist jedoch zusätzliches Kapital nötig – und hier ist Newmont ebenfalls gefragt.

In einem Analystencall im Oktober 2025 hatte die künftige Newmont-Chefin Natasha Viljoen betont, man warte noch auf weitere Informationen, bevor man sich zur Finanzierung von Fourmile verpflichte. Das zeigt: Auch bei der Projektentwicklung ist Barrick auf Kooperationsbereitschaft angewiesen. Ohne grünes Licht und Kapitalzusagen von Newmont könnten sich Zeitplan und Umfang der Investitionen deutlich verschieben.

Fazit: Viel Fantasie, aber Abhängigkeit von Newmont

Barrick verbindet aktuell mehrere starke Storylines: Ein Rekord-Goldpreis stärkt die Ertragsbasis, die geplante Abspaltung der nordamerikanischen Assets könnte Werte heben, und die Gewinnprognosen für 2026 zeigen ein deutliches Wachstumspotenzial bei gleichzeitig moderater Bewertung. Dem steht jedoch ein zentrales Risiko gegenüber: Newmonts Vetorecht und Kapitalmacht im Nevada‑Joint‑Venture.

Wie weit Barrick seine IPO‑Pläne tatsächlich umsetzen kann, wird sich voraussichtlich rund um die Q4‑Zahlen im Februar 2026 konkretisieren. Entscheidend ist dabei weniger die Stimmung am Goldmarkt als vielmehr, ob das Management eine Struktur findet, die Newmont zustimmt – oder zumindest nicht ablehnen kann.

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