Apple steht vor einem spannenden Spagat: Einerseits nimmt die Nachfolgefrage von CEO Tim Cook klarere Konturen an, andererseits wächst der regulatorische Druck in einem wichtigen Wachstumsmarkt. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an einem großen Sprung bei Künstlicher Intelligenz. Wie ordnet sich diese Gemengelage ein?

Klarere Nachfolge, aber kein Abschied auf Raten

Am Donnerstag verdichten sich die Hinweise, dass Hardware-Chef John Ternus als designierter Nachfolger von Tim Cook gilt. Laut Medienberichten hat Apple seine Zuständigkeiten Ende 2025 deutlich ausgeweitet.

Ternus (50) wurde demnach zum „Executive Sponsor“ der Design-Teams ernannt – eine Rolle, die zuvor Star-Designer Jony Ive und später Cook selbst innehatten. Formal berichten die Designbereiche weiter an den CEO, doch Ternus koordiniert nun die Verzahnung von Hardware- und Software-Design.

Damit reagiert Apple auf eine immer wieder geäußerte Sorge der vergangenen Jahre: Wer sorgt nach der Ära Ive für eine klare, konsistente Produktlinie? Die Bündelung der Designverantwortung bei Ternus soll genau diese Lücke schließen und gilt als Baustein einer strukturierten Übergabe, auch wenn ein baldiger Abschied Cooks derzeit nicht erwartet wird.

Ternus ist das jüngste Mitglied im Top-Management und wird als Manager gesehen, der Apple in die KI-Ära führen kann. In der internen Nachfolge-Dynamik stärkt das seine Position gegenüber anderen Spitzenkräften wie COO Sabih Khan.

Kartellstreit in Indien mit Milliardenpotenzial

Deutlich unangenehmer ist die Lage in Indien. Dort versucht Apple, die nationale Wettbewerbsbehörde CCI in die Schranken zu weisen.

Am 22. Januar legte das Unternehmen beim Delhi High Court Beschwerde ein, um zu verhindern, dass die CCI Zugriff auf weltweite Finanzdaten erhält. Hintergrund ist eine laufende Untersuchung der App-Store-Praktiken.

Der Kern des Konflikts: Nach Apples Darstellung will die Behörde auf Basis des globalen Umsatzes mögliche Strafen berechnen – nicht nur anhand der indischen Erlöse. Durch neue Strafregeln könnte die theoretische Strafobergrenze so auf bis zu 38 Milliarden US-Dollar anschwellen. Apple argumentiert, dass die CCI mit der Forderung nach sensiblen globalen Zahlen ihre Kompetenzen in einem eigentlich lokalen Verfahren überschreite.

Die Anhörung vor dem High Court ist für den 27. Januar angesetzt. Ein Urteil, das Apple zur Offenlegung weltweiter Finanzdaten zwingt, würde den regulatorischen Druck auf den Konzern deutlich erhöhen und könnte kurzfristig für Schwankungen der Aktie sorgen.

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KI-Offensive mit „Campos“ und neuem Gerät

Parallel treiben die Kalifornier ihre KI-Strategie voran. Interne Leaks deuten auf eine deutlich aggressivere Ausrichtung im Bereich Generative AI hin.

Kernstück ist eine Generalüberholung von Siri. Unter dem Codenamen „Campos“ entwickelt Apple laut Berichten einen vollwertigen KI-Chatbot, der zur WWDC im Juni 2026 vorgestellt werden soll. Geplant ist eine tief in iOS 27 integrierte Lösung, die kontinuierliche Dialoge und die Erstellung von Inhalten ermöglicht.

Technisch soll eine angepasste Version von Googles Gemini-Modell zum Einsatz kommen. Das wäre bemerkenswert, weil Apple sich damit noch stärker auf ein externes KI-Framework stützt, statt ausschließlich auf eigene Modelle.

Zusätzlich kursieren Gerüchte über ein neues Wearable – einen „AI Pin“, der frühestens 2027 auf den Markt kommen könnte. Nach dem Vision Pro wäre das ein weiterer Versuch, neue Geräteklassen rund um KI-basierte Interaktion zu etablieren.

Einordnung: Bewertung, Risiken und Marktumfeld

Der Mix aus Nachfolgethema, Rechtsrisiken und KI-Fantasie trifft Apple in einer Phase, in der der Konzern um seine Bewertungsprämie kämpft. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 3,65 Billionen US-Dollar liegt Apple zwar weiter in der absoluten Spitzengruppe, doch die Konkurrenz zieht vorbei: Alphabet hat zuletzt die Marke von 4 Billionen US-Dollar überschritten – getrieben vor allem durch den starken KI-Fokus.

Strategisch setzt Apple mit der Neuordnung der Designführung ein Signal an den Markt: Die „Post-Jony-Ive“-Frage soll mit einem klaren Verantwortlichen beantwortet werden. Ein geschlossenes Produktdesign war lange ein zentraler Pfeiler der Erfolgsstory – diese Rolle soll Ternus nun sichern.

Gleichzeitig zeigt der indische Kartellstreit, wie anfällig Mega-Caps für regulatorische Eingriffe geworden sind. Die diskutierten 38 Milliarden US-Dollar stellen ein Extrem-Szenario dar, machen aber deutlich, wie hart Behörden inzwischen gegen das App-Store-Modell vorgehen.

Operativ ist Apple weiterhin sehr profitabel. Der Nettogewinn der vergangenen zwölf Monate liegt bei 112,01 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 19,5 Prozent. Trotzdem ist die Aktie im jungen Jahr 2026 schwankungsanfällig: Mit einem Schlusskurs von 246,06 US-Dollar liegt sie rund 10 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber deutlich über dem Tief des vergangenen Jahres. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von gut 14 Prozent zu Buche.

Ausblick: Zwei Termine im Fokus

Für die nächsten Tage rücken zwei Daten in den Vordergrund. Am 27. Januar entscheidet der Delhi High Court über den Umgang mit Apples globalen Finanzdaten im CCI-Verfahren – ein möglicher Katalysator für kurzfristige Kursreaktionen.

Am 29. Januar folgen dann die Zahlen zum ersten Quartal 2026. Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 2,65 US-Dollar, besonders im Blick stehen die Nachfrage nach dem iPhone 17 und das Wachstum im Service-Geschäft. Zusammen mit weiteren Details zur KI-Roadmap werden diese Punkte entscheidend dafür sein, ob Apple seine Bewertungsprämie gegenüber KI-starken Wettbewerbern behaupten kann.

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