XRP: Zwischen ETF-Hype und On-Chain-Schwäche
XRP steckt zu Wochenbeginn in einer Phase des Abwartens. Nach einem kräftigen Jahresstart ist ein Teil der Gewinne wieder vom Tisch, während sich der Kurs an einer wichtigen Unterstützungszone stabilisieren muss. Parallel dazu klaffen institutionelles Interesse und tatsächliche Nutzung des Netzwerks deutlich auseinander – ein Spannungsfeld, das 2026 prägen dürfte.
Kurslage und technische Signale
XRP pendelt aktuell in einer engen Spanne um 2,07 US-Dollar. Nach einem schnellen Anstieg um rund ein Drittel in den ersten Januartagen bis auf etwa 2,40 US-Dollar folgte in den vergangenen Tagen eine Korrektur von rund 14 Prozent. Damit liegt der Coin weiterhin solide im Plus seit Jahresbeginn, bleibt aber deutlich unter dem 52‑Wochen‑Hoch von 3,04 US-Dollar.
Technisch betrachtet hat sich der Kurs wieder in die Nachfragezone zwischen etwa 1,86 und 2,22 US-Dollar zurückgezogen, die seit Dezember 2024 mehrfach gehalten hat. Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt mit 28,8 im überverkauften Bereich und signalisiert, dass die Abwärtsbewegung zwar weit fortgeschritten ist, aber noch kein klarer Momentum-Dreh zugunsten der Käufer erfolgt ist.
Entscheidend bleibt die Marke von rund 2,00 US-Dollar: Aus technischer Sicht gilt sie als Schlüsselsupport für die Chance, den Weg in Richtung 3 US-Dollar kurzfristig wieder aufzunehmen. Ein nachhaltiger Rutsch unter die Zone von etwa 1,85 bis 1,90 US-Dollar würde das bullische Szenario deutlich schwächen und weiteren Verkaufsdruck wahrscheinlicher machen.
Netzwerkaktivität: Rückgang trotz Nachfrage
On-Chain-Daten senden Warnsignal
Auf der Blockchain-Seite fällt der starke Rückgang der Aktivität ins Auge. Die Zahl der Transaktionen im XRP Ledger ist am vergangenen Wochenende massiv eingebrochen: Das übertragene Zahlungsvolumen zwischen Konten fiel von mehr als 1,09 Milliarden am Donnerstag auf nur noch rund 137 Millionen am 11. Januar. Auch die Transaktionsanzahl sank von über 2 Millionen am Donnerstag auf 1,8 Millionen am Samstag.
Ein großer Teil dieses Rückgangs dürfte zeitlich bedingt sein – insbesondere durch geringere institutionelle Aktivität an Wochenenden. Gleichzeitig zeigt der Einbruch jedoch, wie stark das Netzwerk von größeren Marktteilnehmern abhängt und wie schnell die Nutzung zurückgehen kann, wenn diese sich zurückhalten.
Geringe DeFi- und DEX-Nutzung
Im DeFi-Bereich bleibt XRPL weiterhin deutlich hinter konkurrierenden Netzwerken zurück. Die im Protokoll gebundene Liquidität (TVL) liegt bei nur rund 72,76 Millionen US-Dollar – ein Bruchteil dessen, was auf den führenden Smart-Contract-Chains gebunden ist. Die Protokollgebühren belaufen sich auf etwa 1.000 US-Dollar pro Tag.
Auch die dezentrale XRPL-Börse (DEX) zeigt schwache Zahlen. Anfang Januar lagen die Tagesvolumina bei lediglich 86.000 US-Dollar, das 7‑Tage-Volumen brach auf etwa 425.000 US-Dollar ein – ein Rückgang von rund 53 Prozent. Die Zahl der aktiven Trader auf dem DEX sank von 27.900 im November auf 16.700 im Dezember, während das Monatsvolumen von 259,3 Millionen auf 166,2 Millionen US-Dollar zurückging. Diese Entwicklung unterstreicht, dass die On-Chain-Nutzung im Finanzsektor aktuell nicht mit dem Marktinteresse an der XRP-Anlageklasse Schritt hält.
Angebot, Börsenbestände und Derivate
Schrumpfende Reserven auf Börsen
Auf der Angebotsseite zeigt sich ein anderes Bild. Bestände auf zentralen Handelsplattformen gehen zurück, was grundsätzlich positiv für den Preis wirkt. Auf Binance sind die XRP-Reserven laut On-Chain-Daten auf etwa 2,6 Milliarden Token gefallen – den niedrigsten Stand seit Januar 2024 und deutlich unter dem Höchstwert von knapp 3,25 Milliarden Ende 2025.
Auch beim südkoreanischen Anbieter Upbit haben die Abflüsse zuletzt angezogen. Ein ähnliches Muster war bereits im November 2024 zu beobachten, als rückläufige Bestände an zentralen Börsen einer Rally von 0,50 auf 3,29 US-Dollar vorausgingen. Gleichzeitig sind die Zuflüsse großer Adressen („Whales“) zu Binance seit Mitte Dezember rückläufig; ihr Anteil an den Gesamtflüssen sank von über 70 auf 60,3 Prozent. Das deutet auf eine breitere Verteilung der Liquidität hin, bei der kurzfristig weniger große, marktbewegende Transaktionen dominieren.
Derivatemarkt dominiert den Handel
Auf dem Derivatemarkt bleibt XRP äußerst aktiv. Das offene Interesse (Open Interest) liegt bei rund 4,5 Milliarden US-Dollar und erreicht damit den höchsten Stand seit Oktober 2025. Das 24‑Stunden‑Volumen in Futures überschritt zuletzt 13 Milliarden US-Dollar, während der Kassahandel nur bei etwa 3 Milliarden US-Dollar lag.
Diese starke Verlagerung in Richtung Derivate erhöht die Anfälligkeit für abrupte Kursbewegungen: Bei Risikoaversion oder plötzlichen Liquidationen können überhebelte Positionen schnelle, tiefe Ausschläge auslösen – nach oben wie nach unten.
Institutionelle Ströme und Ripple-Strategie
ETF-Zuflüsse verlieren an Schwung
Seit dem Start des ersten US‑Spot‑XRP‑ETF im November 2025 sind über die verschiedenen Produkte hinweg rund 1,3 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen verzeichnet worden – und das über 29 aufeinanderfolgende Handelstage bis Ende Dezember. Diese Serie wurde jedoch am 7. Januar unterbrochen, als Nettoabflüsse von 40,8 Millionen US-Dollar registriert wurden.
Damit bleibt der ETF‑Komplex insgesamt ein wichtiger Treiber der institutionellen Nachfrage, zeigt aber zugleich, dass der anfängliche Sogeffekt nach Markteinführung nicht ungebrochen anhält. Für den weiteren Verlauf wird entscheidend sein, ob sich die Zuflüsse nach der ersten Konsolidierungsphase wieder stabilisieren oder ob anhaltende Abflüsse Druck auf den Markt ausüben.
Expansion von Ripple – Fokus auf Infrastruktur
Auf der Unternehmensseite setzt Ripple weiter auf internationale Präsenz und Infrastrukturprojekte. Das Unternehmen hat seine Aktivitäten im Vereinigten Königreich ausgebaut und zielt verstärkt auf eine Verankerung im Londoner Finanzsektor. In Japan wird das Engagement über das Asia Web3 Alliance Japan Programm vertieft, das Start-ups unterstützt, die auf dem XRP Ledger aufbauen.
Zusätzlich hat das von Ripple unterstützte Evernorth Holdings eine strategische Kooperation mit Doppler Finance angekündigt. Ziel ist es, Treasury-Management und institutionelle Liquidität auf dem XRPL zu verbessern – mit klarer Ausrichtung auf traditionelle Finanzinfrastruktur statt auf den Retail-Bereich. Diese Projekte sollen das Ökosystem für professionelle Marktteilnehmer attraktiver machen, schlagen sich bisher aber noch nicht deutlich in den DeFi- oder DEX-Kennzahlen nieder.
XRPL-Ökosystem, Stablecoins und Entwicklung
AMM-Ziele und Tokenvielfalt
Im Automated-Market-Maker-(AMM)-Bereich hat sich die XRPL-Community für 2026 ein Ziel von 11.557.546 XRP gesetzt, die in das AMM-System eingebunden werden sollen. Aktuell existieren 24.643 aktive Liquiditätspools, 21.296 XRP-Handelspaare und 15.733 einzigartige Token. Entwickler planen in den kommenden zwei Quartalen neue Anwendungen, die insbesondere auf Stablecoin-Korridore und eine effizientere Nutzung der vorhandenen Liquidität abzielen.
Diese Pläne zeigen, dass die technische Basis für mehr On-Chain‑Aktivität vorhanden ist. Entscheidend wird jedoch sein, ob es gelingt, konkrete Use Cases zu etablieren, die Nutzer und Kapital dauerhaft binden.
RLUSD: Wachstum vor allem auf Ethereum
Ein Beispiel dafür ist der Ripple-unterstützte Stablecoin RLUSD. Die Marktkapitalisierung der Stablecoins auf XRPL ist innerhalb einer Woche um 33 Prozent auf 406 Millionen US-Dollar gestiegen, wobei RLUSD den größten Beitrag leistet. Insgesamt kommt RLUSD allerdings auf eine Marktkapitalisierung von 1,336 Milliarden US-Dollar.
Damit befindet sich der Großteil des RLUSD-Angebots weiterhin auf Ethereum statt auf dem XRP Ledger. Ripple-Produkte gewinnen also zwar an Bedeutung, allerdings vor allem auf einer konkurrierenden Chain – ein Hinweis darauf, dass institutionelle Nutzung und XRPL-spezifische Nachfrage noch nicht vollständig zusammenlaufen.
Protokoll-Updates und EVM-Sidechain
Auf Protokollebene steht eine Reihe von Updates kurz vor der Aktivierung. Der Entwickler „Vet“ kündigte ein größeres Paket an Fixes und Erweiterungen an, darunter Funktionen wie TokenEscrow, AMMClawback, Multi-Purpose Tokens (MPT) und Price-Oracle-Unterstützung. Diese Anpassungen sollen die Funktionalität des Ledgers ausbauen und neue Anwendungsfälle ermöglichen.
Die EVM-Sidechain des XRP Ledgers, die Mitte 2025 gestartet ist, konnte bislang jedoch kaum Traktion gewinnen. Am 7. Januar belief sich der Chain-Umsatz auf lediglich 38 US-Dollar – ein deutliches Zeichen dafür, dass Entwickler und Nutzer die Sidechain bisher nur sehr zögerlich annehmen. Zwischen technischer Infrastruktur und tatsächlicher Nutzung klafft damit noch eine spürbare Lücke.
Ausblick: Was XRP 2026 prägt
XRP geht mit einem klaren Spannungsfeld in das Jahr 2026: Auf der einen Seite stehen sinkende Börsenbestände, etablierte ETF‑Ströme und eine wachsende Zahl institutioneller Infrastrukturprojekte, die das Angebot verknappen und einen potenziellen Boden im Markt schaffen können. Auf der anderen Seite zeigen die rückläufigen DEX‑Volumina, die niedrigen DeFi-Werte, der schleppende Start der EVM-Sidechain und die Verlagerung von Stablecoin-Liquidität auf Ethereum, dass die Umwandlung finanziellen Interesses in echte On-Chain‑Nutzung noch nicht gelungen ist.
Für eine nachhaltige Rückkehr in Richtung 3 US-Dollar sehen Analysten zwei zentrale Bedingungen: Erstens muss der Gesamtmarkt Rückenwind liefern – konkret wird ein erneuter Anstieg von Bitcoin über 94.500 US-Dollar und ein Durchbruch über die psychologisch wichtige Marke von 100.000 US-Dollar genannt, um frisches Kapital anzuziehen. Zweitens muss XRP die Zone um 2,00 US-Dollar verteidigen. Solange diese Unterstützung hält, bleibt die technische Basis für einen erneuten Aufwärtsversuch intakt; ein Bruch darunter würde das Bild schnell eintrüben und die Blicke wieder auf die tiefer liegende Nachfragezone lenken.
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