Liebe Leserinnen und Leser,

„Die Märkte reagieren stärker auf Hoffnung als auf Fakten\" – dieser Satz eines eToro-Analysten trifft den Kern dieser Woche wie kaum etwas anderes. Vier Wochen Iran-Krieg, Öl hartnäckig über 100 Dollar, und der DAX taumelt heute wieder mit über einem Prozent ins Minus. Gleichzeitig dreht sich das große Geld in Richtung Luftverteidigung – und ausgerechnet ein Rüstungselektroniker aus Bayern steht dabei im Rampenlicht. Heute schauen wir auf die Stimmungslage am deutschen Markt, auf die Gewinner und Verlierer unter den Einzelwerten – und auf eine strategische Wette, die Washington gerade mit Milliarden untermauert.

Der Ölpreis als Taktstock – und die Musik gefällt niemandem

Brent-Rohöl notiert heute bei rund 106 Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: Vor Kriegsbeginn lag der Preis fast 40 Prozent tiefer. Das ist kein abstraktes Börsenproblem mehr – es ist ein handfestes Konjunkturproblem. Das GfK-Konsumklima für April ist auf minus 28 Punkte gefallen, deutlich schlechter als erwartet. Die Einkommenserwartungen der Deutschen brechen ein, weil Energie und Sprit das Haushaltsbudget auffressen.

Der Bundestag hat heute reagiert – mit einem Maßnahmenpaket, das Tankstellen künftig auf eine einzige Preiserhöhung pro Tag um 12 Uhr beschränkt. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Das Bundeskartellamt bekommt schärfere Zähne gegen überhöhte Margen. Ob das reicht? Ökonomen sind skeptisch. Der Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Justus Haucap schrieb in einer Stellungnahme, die neue Regel könne Preisvergleiche erleichtern – ob sie die Preise aber nachhaltig senkt, sei „nicht klar\". Bundeswirtschaftsministerin Reiche ließ bereits durchblicken, dass weitere Schritte folgen könnten: eine höhere Pendlerpauschale, eine Senkung der Stromsteuer, möglicherweise sogar ein temporärer Energiesteuerrabatt. Die Koalitions-Taskforce tagt morgen erneut.

Für Anleger bedeutet das: Die Unsicherheit bleibt. Die ifo-Exporterwartungen sind im März ins Minus gerutscht. Viele Unternehmen fürchten sinkende Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten – ein Signal, das sich in den Kursen bereits widerspiegelt.

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Hensoldt: Buy-Signal im Gegenwind

Hier lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen. Hensoldt, der Radarspezialist aus Taufkirchen, hat heute eine Kaufempfehlung der Bank of America erhalten – Kursziel 88,50 Euro, was vom aktuellen Niveau von rund 72 Euro rund 20 Prozent Aufwärtspotenzial bedeutet. Analyst Benjamin Heelan begründet das mit dem iranischen Raketenangriff auf den US-Stützpunkt Diego Garcia: Mittelstreckenraketen gegen einen der wichtigsten Militärstützpunkte im Indischen Ozean – das unterstreiche die Dringlichkeit von Investitionen in Luftverteidigung auch in Europa.

65 bis 70 Prozent des Hensoldt-Umsatzes entfallen auf genau dieses Segment. Und die Auftragslage spricht für sich: Der Auftragseingang ist 2025 um 62 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro gestiegen. Das Orderbuch wächst auf 8,83 Milliarden Euro. Deutschlands Verteidigungsbudget klettert 2026 auf 108 Milliarden Euro – nach 86 Milliarden im Vorjahr.

Der Markt reagiert trotzdem mit einem Minus von rund 2,5 Prozent. Das liegt weniger an Hensoldt selbst als am allgemeinen Stimmungsdruck. Rheinmetall verliert ebenfalls über zwei Prozent, RENK sogar mehr als vier. BofA hat zwar auch für Rheinmetall die Kaufempfehlung bestätigt, das Kursziel aber von 2.220 auf 1.830 Euro gesenkt – wegen eines leicht reduzierten Bewertungsmultiplikators. Der Sektor bleibt strukturell interessant, leidet aber unter kurzfristiger Risikoaversion.

Palantir und das „Golden Dome\" – Milliarden für den Abwehrschild

Während Europa über Luftverteidigung diskutiert, baut Washington bereits daran. Das US-Raketenabwehrprogramm „Golden Dome\" – Budget: 185 Milliarden Dollar – nimmt Gestalt an. Laut Berichten von Wall Street Journal und Reuters sollen Palantir und das Privatunternehmen Anduril bei der Softwareentwicklung für das weltraumgestützte Abwehrsystem dabei sein. Beide arbeiten bereits mit SpaceX zusammen.

Für Palantir wäre das ein strategischer Meilenstein. 54 Prozent des Gesamtumsatzes von 4,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025 stammten aus dem Regierungssegment. Wer die Software für Golden Dome entwickelt, darf langfristig auch mit Wartungsverträgen in Milliardenhöhe rechnen. Die Aktie steht seit Jahresbeginn rund 13 Prozent im Minus – der Markt zweifelt noch. Sollte die Softwarelösung überzeugen, könnte sich das Bild schnell drehen.

DEUTZ und Kontron: Wenn der Ausblick enttäuscht

Nicht alle Zahlen des Tages kamen gut an. DEUTZ, der Kölner Motorenbauer, meldete für 2025 solide Ergebnisse: Umsatz plus 12,7 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro, bereinigter operativer Gewinn plus 46 Prozent auf 112 Millionen Euro. Eigentlich eine Erfolgsstory. Doch der Ausblick für 2026 – Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro, Ebit-Marge von 6,5 bis 8 Prozent – ließ die Anleger kalt. Die Spanne ist breit, was DZ-Bank-Analyst Thorsten Reigber auf „mangelnde Einschätzbarkeit im herausfordernden Umfeld\" zurückführt. Die Aktie verlor zeitweise fast neun Prozent.

Ähnlich erging es Kontron: Der IoT-Spezialist enttäuschte mit seinem Gewinnziel für 2026 und büßte rund 15 Prozent ein. Beide Fälle zeigen dasselbe Muster – in diesem Umfeld werden Prognosen mit engem Korridor belohnt, weite Spannen bestrafen.

BASF in China: Die größte Wette der Unternehmensgeschichte

Mit 8,7 Milliarden Euro ist das neue BASF-Werk in Zhanjiang die größte Einzelinvestition der Konzerngeschichte. Heute wurde es offiziell eröffnet. BASF-Chef Markus Kamieth warb für globale Zusammenarbeit – und räumte gleichzeitig ein, dass die Profitabilität in den ersten Jahren „deutlich unter dem sein wird, was wir uns ursprünglich vorgestellt hatten\". Der Markt in Südchina ist überversorgt, die Margen historisch niedrig.

Die Aktie reagiert mit einem kleinen Plus von 0,24 Prozent – der Markt scheint das Risiko bereits eingepreist zu haben. Langfristig ist die Logik klar: In China liegt mehr als die Hälfte des weltweiten Chemiebedarfs. Wer dort nicht präsent ist, verpasst das Wachstum. Das Risiko – geopolitische Abhängigkeit, Taiwan-Konflikt, Überkapazitäten – bleibt real.

Stimmung: Vorsichtig, aber keine Panik

Das Sentiment-Bild ist aufschlussreich. Der Bullenanteil unter institutionellen Investoren ist laut Deutsche-Börse-Erhebung auf 51 Prozent gefallen, bei Privatanlegern auf 48 Prozent. Sentiment-Analyst Joachim Goldberg sieht die frischen Optimisten vom Montag als fragile Käuferschicht: Oberhalb von 23.600 DAX-Punkten drohen Gewinnmitnahmen, unterhalb von 22.000 Panikverkäufe. Von einer Kapitulation ist man noch entfernt – aber von Überzeugung auch.

Trump soll laut Berichten intern geäußert haben, den Konflikt innerhalb von Wochen beenden zu wollen – noch vor dem geplanten Xi-Treffen Mitte Mai. Das ist ein Datum, das der Markt im Hinterkopf behält. Ob daraus ein echter Katalysator wird, hängt davon ab, ob Teheran mitzieht.

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Was bleibt

Morgen tagt der Bundesrat über das Tankstellen-Paket – das Gesetz könnte noch vor Ostern in Kraft treten. Die Koalitions-Taskforce sucht unterdessen nach weiteren Entlastungsmaßnahmen. Auf Unternehmensseite lohnt es sich, die Entwicklungen rund um Hensoldt und den Rüstungssektor weiter zu beobachten: Die strukturellen Treiber – steigende Verteidigungsbudgets, neue Bedrohungsszenarien – sind real und langfristig. Kurzfristig regiert weiterhin der Ölpreis.

Die eigentliche Frage dieser Wochen lautet nicht, wann der Krieg endet. Sie lautet: Wie viel Unsicherheit ist bereits eingepreist – und was passiert, wenn die Nachrichten plötzlich besser werden?

Bis morgen,
Andreas Sommer