VW, Trump & SAP: Wenn Cashflow überrascht, Zolldrohungen zurückgezogen werden und Software-Riesen auf Stimmungswende hoffen
Liebe Leserinnen und Leser,
6 Milliarden Euro Cashflow – statt null. Was Volkswagen gestern Abend nach Börsenschluss verkündete, ließ Anleger aufhorchen: Der Konzern hat seine eigene Prognose um eine Milliarde übertroffen. Gleichzeitig vollzog Donald Trump in Davos eine überraschende Kehrtwende und nahm seine Zolldrohungen gegen acht europäische Staaten zurück. Und während Autowerte daraufhin kräftig zulegten, blieb ausgerechnet SAP von der Markterholung ausgeschlossen – die Aktie rutschte auf den tiefsten Stand seit Sommer 2024. Drei Schlagzeilen, die zeigen: An den Märkten geht es derzeit weniger um langfristige Fundamentaldaten als um kurzfristige Überraschungen und politische Volten.
Volkswagen: Die Cashflow-Überraschung, die niemand kommen sah
Eigentlich hatte VW für 2025 einen Netto-Cashflow von null Euro im Automobilbereich prognostiziert. Gestern Abend dann die Überraschung: Sechs Milliarden Euro flossen dem Konzern zu – eine Milliarde mehr als im Vorjahr und deutlich über den Markterwartungen von knapp einer Milliarde. Verantwortlich dafür sind vor allem niedrigere Investitionen und ein besseres Management des Betriebskapitals, also etwa geringere Lagerbestände. Die Nettoliquidität kletterte dadurch von 31 auf 34 Milliarden Euro.
Analysten zeigen sich beeindruckt. Patrick Hummel von der UBS sieht darin eine „diszipliniertere Investitionspolitik" und glaubt, dass VW sich vorerst positiv von der Konkurrenz abheben kann. Harald Hendrikse von der Citigroup betont, dass die Hoffnung auf ein besseres Betriebskapital-Management schon länger bestand – nun gebe es einen „gewissen Beweis", dass das Schema funktioniert. Die VW-Vorzugsaktie reagierte prompt: Im frühen Xetra-Handel sprang sie um mehr als fünf Prozent nach oben, während die Papiere von BMW, Mercedes-Benz und Porsche ebenfalls bis zu 2,5 Prozent zulegten.
Doch die Cashflow-Überraschung allein erklärt die Kursgewinne nicht vollständig. Denn zeitgleich sorgte eine politische Wende aus Davos für zusätzlichen Rückenwind.
Trump zieht Zolldrohung zurück – Europas Autobauer atmen auf
Was für ein Schwenk: Noch am Wochenende hatte Donald Trump angekündigt, ab dem 1. Februar Strafzölle von zehn Prozent gegen acht europäische Länder zu verhängen – darunter Deutschland, Frankreich, Dänemark und Großbritannien. Der Grund: Widerstand gegen seine Grönland-Ambitionen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ruderte Trump nun zurück. Nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte verkündete er, man habe einen „Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung" über Grönland und die Arktisregion gefunden. Die Zölle würden nicht kommen.
Details zu diesem „Framework" blieben zwar vage, doch die Erleichterung an den Märkten war spürbar. Der europäische Auto-Branchenindex, der zuletzt auf ein Tief seit Mitte Oktober gefallen war, sprang um zweieinhalb Prozent nach oben. Marktbeobachter sprechen erneut vom „TACO-Trade" – Trump Always Chickens Out. Das Muster: Der US-Präsident geht mit harter Kante in Verhandlungen, um dann seine Position aufzuweichen. Für Europas Exportwirtschaft, insbesondere die Autoindustrie, bedeutet das vorerst Entwarnung.
Die ING Bank kommentierte, die Entwicklungen trügen zur Deeskalation geopolitischer Risiken bei. Allerdings bleiben Unsicherheiten: Die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs gehen parallel weiter, und Trump kündigte für Donnerstag ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an. Anleger dürften also weiterhin wachsam bleiben müssen.
SAP: Wenn die Markterholung spurlos vorbeigeht
Während Autowerte und der DAX am Donnerstag kräftig zulegten, blieb SAP außen vor. Die Aktie des Walldorfer Softwarekonzerns rutschte zeitweise auf gut 187 Euro ab – das tiefste Niveau seit Sommer 2024. Zuletzt notierte sie mit 189 Euro noch rund ein Prozent im Minus. Seit dem DAX-Rekordhoch im Frühjahr 2025 haben die SAP-Papiere die Rally nicht mehr mitgemacht.
Balajee Tirupati von der Citigroup sprach tags zuvor von einem „Höhepunkt in der Mollstimmung für die Branche". Die rasante Entwicklung von KI und die Unsicherheit über Wachstumsprofile würden schwer auf den Kursen lasten. Trotzdem erwartet Tirupati eine anhaltend starke Entwicklung bei SAP selbst. Seine Hoffnung: Nach dem Quartalsbericht am 29. Januar könnten Anleger gelassener an die Aktie herangehen. Bis dahin bleibt der Softwareriese unter Druck – auch andere europäische Tech-Werte wie Sage und Amadeus IT gaben am Donnerstag nach.
Die Frage ist, ob SAP mit überzeugenden Zahlen die Stimmung drehen kann. Oder ob die Skepsis gegenüber hohen Bewertungen im Softwaresektor noch länger anhält.
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Rüstungswerte unter Druck – Entspannung als Belastung
Was für Autowerte gut ist, schadet Rüstungsaktien. Die Deeskalation im Grönland-Streit ließ Titel wie Rheinmetall, Hensoldt und RENK am Donnerstag fallen. Rheinmetall büßte zeitweise 2,3 Prozent ein und erreichte den tiefsten Stand seit etwa zwei Wochen. Bis Montag hatten Rüstungswerte noch davon profitiert, dass Trump im Grönland-Konflikt auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen hatte. Nun, da die Spannungen nachlassen, schwindet das Interesse.
Allerdings bleibt die geopolitische Lage fragil. Die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs laufen auf Hochtouren, und der US-Sondergesandte Steve Witkoff wird erneut bei Kremlchef Wladimir Putin erwartet. Sollte es zu einer echten Friedenslösung kommen, dürften Rüstungsaktien weiter unter Druck geraten. Bleibt der Konflikt hingegen ungelöst, könnte die Nachfrage nach Verteidigungsgütern hoch bleiben.
Bitcoin verharrt unter 90.000 Dollar – Krypto-Märkte bleiben verhalten
Während Aktienmärkte von Trumps Kehrtwende profitierten, blieb Bitcoin weitgehend unbewegt. Die weltweit größte Kryptowährung notierte am Donnerstag bei rund 90.000 Dollar und konnte die Marke nicht nachhaltig überwinden. Zwar war Bitcoin am Mittwoch kurzzeitig gestiegen, als Trump seine Zolldrohungen zurücknahm, doch die Gewinne verpufften schnell.
Krypto-Märkte bleiben bei Privatanlegern derzeit unbeliebt. Der Flash-Crash Ende 2025 hat die Stimmung nachhaltig getrübt. Hinzu kommt die Sorge vor Verkaufsdruck durch Krypto-Treasury-Unternehmen, die bei anhaltender Kursschwäche Schwierigkeiten haben könnten, ihre Schulden zu bedienen. Selbst die Ankündigung von Strategy Inc., Bitcoin im Wert von 2,13 Milliarden Dollar gekauft zu haben, konnte die Stimmung nicht aufhellen.
Auch die Verzögerung eines wichtigen US-Regulierungsvorhabens Anfang Januar belastet weiter. Anleger warten auf klarere Rahmenbedingungen, bevor sie wieder verstärkt einsteigen.
Was jetzt wichtig wird
Am 29. Januar legt SAP seine Quartalszahlen vor – ein entscheidender Termin für die Einschätzung des europäischen Softwaresektors. Am 10. März folgt dann der vollständige Jahresbericht von Volkswagen, der zeigen wird, ob die Cashflow-Überraschung nur ein einmaliger Effekt war oder der Beginn einer nachhaltigen Trendwende. Und in der Krypto-Welt bleibt abzuwarten, ob Bitcoin die 90.000-Dollar-Marke nachhaltig überwinden kann – oder ob die Konsolidierung noch länger andauert.
Eines zeigt sich deutlich: An den Märkten dominieren derzeit kurzfristige Impulse. Wer als Anleger Ruhe bewahrt und sich auf Fundamentaldaten konzentriert, könnte langfristig die besseren Karten haben.
Beste Grüße und ein gutes Gespür für die richtigen Momente,
Andreas Sommer








