Liebe Leserinnen und Leser,

drei Bilanzen, eine Botschaft: Die deutsche Wirtschaft steckt mitten in einer schmerzhaften Häutung. VW meldet einen Gewinneinbruch um fast die Hälfte, BioNTech verabschiedet seine Gründer – und der DAX dreht trotzdem ins Plus. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Die Märkte handeln nicht die Vergangenheit, sondern die Hoffnung. Trumps überraschende Aussage, der Iran-Krieg könnte „sehr bald" enden, ließ die Ölpreise abstürzen und die Risikobereitschaft zurückkehren. Was das für VW, BioNTech, Rheinmetall und Bitcoin konkret bedeutet – das schauen wir uns heute genau an.


VW: Halber Gewinn, volle Hoffnung – aber die Rechnung stimmt noch nicht

Der Gewinneinbruch war erwartet worden. Dass er so heftig ausfiel, dann doch nicht. Volkswagens Konzernergebnis nach Steuern brach 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ein – von 12,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis schmolz um mehr als die Hälfte auf 8,87 Milliarden Euro. Hinter diesen Zahlen stecken drei Hauptschuldige: das schwache China-Geschäft, US-Zölle und der strategische Schwenk bei Porsche zurück zum Verbrenner, der die einstige Ertragsperle auf ein operatives Ergebnis von nur noch 90 Millionen Euro zusammenschrumpfen ließ.

Und doch: Die Aktie legte heute zeitweise über drei Prozent zu. Warum? Weil der Ausblick nicht so düster ausfiel wie befürchtet. VW erwartet für 2026 eine Erholung der operativen Marge auf 4,0 bis 5,5 Prozent – Analysten hatten mit 5,3 Prozent am oberen Ende gerechnet, liegen also noch in der Spanne. Und die Dividende von 5,26 Euro je Vorzugsaktie, ein Minus von 17 Prozent zum Vorjahr, überraschte positiv: Der Markt hatte mit einem schärferen Schnitt gerechnet.

JPMorgan behält das Kursziel bei 110 Euro und stuft „Neutral" – das klingt nach Schulterzucken, ist aber im aktuellen Umfeld fast schon ein Lob. Denn die eigentliche Frage lautet: Kann VW die Kostensenkungen wirklich durchziehen? Bis 2030 sollen konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen, allein 35.000 bei der Kernmarke. Finanzchef Arno Antlitz formulierte es nüchtern: „Dies können wir nur leisten, wenn wir weiter konsequent unsere Kosten senken." Ein Satz, der keine Fragen beantwortet – aber wenigstens ehrlich ist.

Interessant am Rande: Das Werk Osnabrück könnte künftig schusssichere Fahrerhäuser für Militärlaster bauen. Rheinmetall gilt als möglicher Interessent. Wenn das kein Zeichen der Zeit ist.


BioNTech: Abschied der Gründer – Neustart oder Abgesang?

Die Nachricht hat es in sich. Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Gründer von BioNTech, verlassen das Unternehmen bis Ende 2026 und gründen ein neues Biotechunternehmen für die nächste Generation mRNA-basierter Innovationen. Gleichzeitig meldete BioNTech für 2025 einen Nettoverlust von 1,12 Milliarden Euro – nach 665 Millionen Euro im Vorjahr.

Moment mal: Die Gründer gehen, der Verlust wächst, und trotzdem reagiert Goldman Sachs mit einem Upgrade auf „Buy" und einem Kursziel von 142 Dollar? Das klingt paradox. Ist es aber nicht, wenn man die Struktur des Deals versteht.

BioNTech überträgt bestimmte Rechte und mRNA-Technologien an das neue Unternehmen – erhält dafür aber eine Minderheitsbeteiligung, Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren. Das neue Unternehmen ist also kein Konkurrent, sondern eine Art ausgelagertes Forschungslabor, an dem BioNTech mitpartizipiert. Für BioNTech selbst bedeutet das: schärferer Fokus auf die wachsende spätklinische Pipeline. Bis Ende 2026 sollen 15 laufende Phase-3-Studien in der Onkologie aktiv sein – 2026 wird das erste Jahr mit mehreren Datenauslesungen aus spätklinischen Studien in verschiedenen Krebsindikationen.

Der Umsatz stieg 2025 leicht auf 2,87 Milliarden Euro, getrieben durch die Kooperation mit Bristol Myers Squibb. Für 2026 erwartet das Unternehmen Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro – bei Forschungsausgaben von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro. Das bedeutet: BioNTech verbrennt weiter Geld, hat aber dank seiner soliden Bilanz (mehr Cash als Schulden) genug Puffer, um die Pipeline bis zur Zulassungsreife zu finanzieren.

Ob Sahins Abgang ein Risiko oder eine Befreiung ist? Das dürfte spannend werden. Bisherige Gründergeschichten zeigen: Manchmal ist der Abschied der Gründer der Moment, in dem ein Unternehmen zum echten Konzern reift.


DAX erholt sich: Der TACO-Trade und seine Grenzen

„TACO" – das steht an den Märkten für „Trump Always Chickens Out". Gemeint ist die Beobachtung, dass Trump bei wirtschaftlichem Druck regelmäßig zurückrudert. Genau das passierte gestern Abend: Nachdem Brent-Öl zwischenzeitlich auf fast 120 Dollar geschossen war, erklärte Trump den Iran-Krieg für „so gut wie beendet". Die Folge: Ölpreise fielen, der DAX erholte sich. Heute steht der deutsche Leitindex rund 2,1 Prozent im Plus bei knapp 23.900 Punkten.

Doch Vorsicht vor zu viel Optimismus. Irans Revolutionsgarden reagierten prompt: „Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden." Brent-Öl notiert aktuell noch immer bei rund 92 Dollar – ein Niveau, das vor wenigen Wochen noch als Schockszenario gegolten hätte. Die Volatilität bleibt extrem.

Für deutsche Anleger ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits profitieren Banken und Rohstoffwerte von der Erholung – Deutsche Bank legte heute über vier Prozent zu, Commerzbank über fünf Prozent. Andererseits bleiben die deutschen Exporte unter Druck: Im Januar sanken sie um 2,3 Prozent, die Ausfuhren nach China brachen um 13 Prozent ein. Der Iran-Krieg erhöht die Transportkosten und belastet die Handelsrouten – ein strukturelles Problem, das sich nicht durch Trump-Tweets löst.

Die Lufthansa-Aktie zeigt die Zerrissenheit des Marktes exemplarisch: Plus sieben Prozent heute, weil die Hoffnung auf ein Kriegsende die Kerosinpreise drückt. Gleichzeitig bleiben Flüge nach Tel Aviv bis 2. April, nach Teheran bis 30. April ausgesetzt. Die Erholung ist real – aber fragil.


Evotec: Wenn ein Sparplan die Anleger erschreckt

Während der Gesamtmarkt dreht, geht Evotec in die entgegengesetzte Richtung. Die Hamburger Wirkstoffforschungsgesellschaft kündigte heute ihr „Horizon"-Programm an: Bis Ende 2027 sollen weitere 800 Stellen wegfallen – knapp ein Fünftel der Belegschaft – und die Zahl der Standorte von 14 auf 10 sinken. Einmalkosten: rund 100 Millionen Euro bis 2028.

Das klingt nach einem mutigen Restrukturierungsplan. Der Markt sieht das anders. Die Aktie fiel zeitweise um fast 17 Prozent auf 4,38 Euro – das tiefste Niveau seit September 2016. Was stört die Anleger? Vor allem der Ausblick für 2026: Umsatz von 700 bis 780 Millionen Euro, bereinigtes EBITDA zwischen null und 40 Millionen Euro. Das ist klar unter dem Konsens.

RBC-Analyst Charles Weston brachte es auf den Punkt: Das schwache operative Ergebnisziel für 2026 sei schwer nachvollziehbar. Evotec selbst spricht von einem „Übergangsjahr" – und verspricht operative Verbesserungen ab der zweiten Jahreshälfte. Mittelfristig soll der Umsatz bis 2030 auf über eine Milliarde Euro steigen, die EBITDA-Marge 20 Prozent überschreiten.

Das Problem: Evotec hat in den vergangenen Jahren mehrfach Ziele nach hinten verschoben. Das Vertrauen ist aufgebraucht. Bis zum 8. April, wenn die vollständige Bilanz 2025 vorliegt, dürfte die Aktie unter Beobachtung bleiben.


Rheinmetall: Morgen kommt die Stunde der Wahrheit

Während VW und BioNTech heute die Bühne gehörten, wartet Rheinmetall auf seinen großen Auftritt. Morgen öffnet der Düsseldorfer Rüstungskonzern die Bücher für das vierte Quartal 2025 und das Gesamtjahr.

Die Erwartungen sind hoch – sehr hoch. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von 27,29 Euro für das Gesamtjahr, nach 16,51 Euro im Vorjahr. Das wäre ein Plus von über 65 Prozent. Beim Umsatz werden knapp 11,9 Milliarden Euro erwartet, rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Heute notiert die Aktie bei rund 1.636 Euro – noch weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007 Euro. Interessant: Während VW über die Zukunft des Werks Osnabrück nachdenkt, gilt Rheinmetall als möglicher Abnehmer. Laut „Automobilwoche" sollen dort schusssichere Fahrerhäuser für Militärlaster gefertigt werden. Zwei Welten – Automobil und Rüstung – nähern sich an. Das ist das Bild dieser Zeit.

Anzeige: Genau diese Art von Marktbewegungen – schnell, strukturiert und mit klarem Kursziel – hat Börsenanalyst Jörg Mahnert in den vergangenen Monaten systematisch genutzt. Mit seiner Point-&-Figure-Methode erzielte er bei Rheinmetall nachweislich +108 Prozent in 60 Tagen, bei Renk +68 Prozent in 62 Tagen und bei Aurubis +26 Prozent in 58 Tagen. In seinem „Absahnplan" zeigt Mahnert, wie Anleger mit 1 bis 2 klar definierten Trades pro Woche – mit festem Einstieg, bekanntem Kursziel und gesetztem Stop-Loss – aus 1.000 Euro schrittweise bis zu 25.000 Euro aufbauen können. Die Methode funktioniert dabei unabhängig davon, ob der Markt steigt oder fällt, da sie ausschließlich auf technisch eindeutigen Signalen basiert. Jörg Mahnerts Absahnplan und Kapital-Booster im Detail


Bitcoin & Krypto: Stille Erholung im Schatten der Schlagzeilen

Während die Aktienmarkt-Schlagzeilen von VW und BioNTech dominiert werden, erholt sich Bitcoin leise. Aktuell notiert die Kryptowährung bei rund 70.700 Dollar – ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber gestern. Noch vor wenigen Tagen schien ein Test der 65.000-Dollar-Marke möglich.

Was treibt die Erholung? Zum einen die allgemeine Risikobereitschaft, die durch Trumps Iran-Aussagen zurückgekehrt ist. Zum anderen setzen Unternehmen weiter auf Bitcoin als Reservewährung. Stack BTC Plc, ein britisches Unternehmen, kaufte heute fünf weitere Bitcoin zu rund 69.000 Dollar – und hält nun insgesamt 26 BTC in seiner Schatzkammer. Hyperscale Data aus Las Vegas hält bereits Bitcoin im Wert von rund 40,7 Millionen Dollar.

Das Muster ist bekannt: Während Privatanleger nervös werden, kaufen Unternehmen still und leise. Gold notiert derweil bei über 5.180 Dollar je Unze – ein Plus von knapp einem Prozent. Beide Assets profitieren davon, dass sinkende Ölpreise die Inflationserwartungen dämpfen und damit Zinssenkungshoffnungen nähren.

Für Krypto-affine Anleger noch eine praktische Neuigkeit: Bitget Wallet integriert als erste Plattform Apple Pay nativ – Krypto kaufen per iPhone-Tap, ohne Weiterleitungen. Bis 30. April gibt es zudem null Gebühren auf USDT- und USDC-Käufe bis 200 Euro (außerhalb von USA und UK). Kein Anlagehinweis, aber ein Zeichen dafür, wie konsequent die Branche die Einstiegshürden abbaut.


Was morgen zählt

Drei Termine verdienen morgen besondere Aufmerksamkeit: Rheinmetalls Bilanzpressekonferenz wird zeigen, ob der Rüstungsboom die hohen Erwartungen rechtfertigt. In den USA werden der Verbraucherpreisindex für Februar veröffentlicht – entscheidend für die Zinspolitik der Fed – sowie der PCE-Preisindex am Freitag. Beide Zahlen könnten die aktuelle Markterholung entweder bestätigen oder abrupt beenden.

Das Grundmuster dieser Woche bleibt: Geopolitik überlagert Fundamentaldaten. Solange die Lage rund um den Iran unklar ist, werden Ölpreise und Risikobereitschaft im Takt von Trumps Tweets tanzen. Wer in solchen Phasen investiert, sollte eines beherzigen: Positionen, die nur bei einem schnellen Kriegsende funktionieren, sind Wetten – keine Investments.

Bis morgen,

Andreas Sommer