Trumps Waffenpause drückt Ölpreise — Gold und Kupfer suchen Halt
Ein einziger Post auf Truth Social genügte, um den Rohstoffmarkt auf den Kopf zu stellen. US-Präsident Trumps überraschende Ankündigung, Militärschläge gegen iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen, löste am Montag eine Kettenreaktion aus: Brent und WTI brachen zweistellig ein, während Gold und Silber weiter unter dem Druck steigender Zinserwartungen leiden. Kupfer wiederum sendet ein ganz eigenes Warnsignal — das des konjunkturellen Abschwungs.
Die Straße von Hormuz bleibt der gemeinsame Nenner. Rund 20 Millionen Barrel Öl flossen dort täglich, bevor der Konflikt den Tankerverkehr nahezu zum Erliegen brachte. Jetzt pendelt der Markt zwischen zwei Extremszenarien: diplomatische Lösung oder weitere Eskalation. Und jedes Asset reagiert anders auf dieses Spannungsfeld.
Gold: Stabilisierung nach 21-Prozent-Korrektur
Der Goldpreis notiert heute bei rund 4.410 USD pro Feinunze — ein bescheidenes Tagesplus von 0,23 Prozent. Die Erholung täuscht über das Ausmaß der vorangegangenen Verwerfung hinweg. Seit dem Allzeithoch bei 5.595 USD Ende Januar hat Gold mehr als 21 Prozent verloren. Allein seit Ausbruch der Iran-Krise beträgt das Minus über 18 Prozent, obwohl der Preis zwischenzeitlich auf über 5.400 USD geschossen war.
Treiber des Ausverkaufs ist weniger die Geopolitik selbst als vielmehr deren Sekundäreffekt auf die Geldpolitik. Die Märkte preisen mittlerweile eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung bis Oktober ein. Steigende Anleiherenditen und ein erstarkender Dollar machen das zinslose Edelmetall unattraktiver — drei Verlustwochen in Folge sind die Konsequenz.
Goldexperte Robert Vitye sieht in dem Rückgang keine grundsätzliche Schwäche der Safe-Haven-Funktion. Analyst Ed Yardeni hält sogar an seiner Prognose von 6.000 USD bis Jahresende fest und nennt langfristig Kurse von bis zu 10.000 USD für möglich. Kurzfristig entscheidet allerdings der Dollar-Index: Setzt dessen Stärke sich fort, rückt die Marke von 4.300 USD als nächste Unterstützung in den Fokus.
Silber Preis: Doppelter Gegenwind, strukturelles Defizit
Silber trifft es härter als Gold. Bei rund 69,55 USD pro Unze steht auf Sieben-Tages-Sicht ein Minus von 24 Prozent, auf Monatsbasis sogar knapp 30 Prozent. Der Kontrast zum Jahreshoch von 121 USD könnte kaum drastischer ausfallen.
Der Doppelschlag aus Zinsangst und Konjunktursorgen belastet besonders stark. Die Gold-Silber-Ratio über 80 signalisiert ein typisches Muster risikoscheuer Phasen: Investoren meiden das industrienähere Edelmetall. Die Märkte haben Zinssenkungshoffnungen auf 2027 verschoben und rechnen in diesem Jahr mit Zinserhöhungen von EZB und Bank of England.
Das strukturelle Bild erzählt allerdings eine andere Geschichte:
- Fünftes Defizitjahr in Folge mit einem kumulierten Fehlbetrag von 820 Millionen Unzen seit 2021
- Die Photovoltaikindustrie verbraucht jährlich über 230 Millionen Unzen — Tendenz steigend
- Die Green-Deal-Nachfrage wirkt als langfristiger Preistreiber
Kurzfristig dominiert die Fed-Erwartung. Mittelfristig spricht das Angebotsdefizit für eine Erholung — vorausgesetzt, die Zentralbanken schwenken irgendwann um.
Brent Crude: Vom Kriegshoch in den Diplomatie-Abverkauf
Selten hat ein einzelnes politisches Signal den Ölmarkt so abrupt gedreht. Brent Crude stürzte um knapp 11 Prozent auf 99,94 USD pro Barrel — nachdem es am Freitag noch über 112 USD notiert hatte. Am Montagmorgen lag der Kurs bei 101,44 USD, rund 10,64 Dollar unter dem Vortag, aber immer noch 29 Dollar über dem Vorjahresniveau.
Die Preisentwicklung der vergangenen Wochen liest sich wie ein Lehrbuch für geopolitische Risikoprämien. Seit Beginn der Feindseligkeiten am 28. Februar waren die Preise um 20 USD auf 92 USD gestiegen. Am 19. März erreichte Brent mit 113,71 USD den Höhepunkt. Die Golfstaaten hatten ihre Produktion um mindestens 10 Millionen Barrel täglich gesenkt — die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts.
Die EIA prognostiziert, dass Brent in den nächsten zwei Monaten über 95 USD bleibt, bevor der Preis im dritten Quartal unter 80 USD fällt und zum Jahresende auf rund 70 USD sinkt. Goldman Sachs warnt hingegen: Sollten die Hormuz-Flüsse zehn Wochen lang bei nur 5 Prozent verharren, könnten die Tagespreise das Rekordhoch von 2008 überschreiten. Zwischen diesen Szenarien liegt ein Preisband von über 40 Dollar.
Rohöl WTI: Kriegsprämie schmilzt in Stunden
WTI vollzieht die gleiche Bewegung wie Brent, nur noch volatiler. Die Futures brachen um mehr als 10 Prozent auf 88,13 USD pro Barrel ein. Die Tagesspanne zwischen 84,59 und 101,66 USD zeigt das Ausmaß der Unsicherheit. Im laufenden Monat reicht das Spektrum von 63,60 bis 113,41 USD — eine Amplitude von fast 50 Dollar.
Der gebrochene Trendlinien-Widerstand signalisiert technisch eine Neuorientierung. Nachlassende geopolitische Spannungen und vorsichtiger Optimismus für eine diplomatische Lösung lösen Gewinnmitnahmen bei früheren Long-Positionen aus. Noch im Februar hatte WTI bei 94 USD geschlossen — rund 50 Prozent über Jahresbeginn und das höchste Niveau seit September 2023.
Die entscheidende Variable bleibt identisch wie bei Brent: Öffnet sich die Straße von Hormuz schrittweise, dürften die Preise weiter nachgeben. Scheitern die Gespräche, ist ein erneuter Sprung über 100 USD wahrscheinlich.
Kupfermarkt: Dr. Copper warnt vor der Rezession
Kupfer fiel am Sonntag auf 5,27 USD pro Pfund — ein Monatsminus von 8,78 Prozent. Am 20. März hat der Preis die 100-Tage-Linie nach unten durchbrochen. Die Lagerbestände an der London Metal Exchange erreichten sechsjährige Höchststände, an der Shanghai Futures Exchange sogar Rekordniveaus.
Als klassischer Konjunkturindikator sendet Kupfer ein Signal, das Edelmetalle und Öl noch nicht vollständig eingepreist haben: steigende Energiepreise könnten die globale Fertigung und wirtschaftliche Aktivität abwürgen. Schwächerer chinesischer Verbrauch und durch Zölle verlangsamte US-Lieferungen verschärfen das Bild.
Die Analystenspanne ist bemerkenswert breit:
- Goldman Sachs erwartet 2026 LME-Preise zwischen 10.000 und 11.000 USD pro Tonne, gestützt durch Nachfrage aus Stromnetzen, KI-Infrastruktur und Verteidigung
- JP Morgan ist deutlich bullischer und prognostiziert 12.500 USD pro Tonne im zweiten Quartal bei einem globalen Defizit von 330.000 Tonnen raffiniertem Kupfer
Niedrigere Preise haben bereits chinesische Hersteller zu Käufen animiert — eine moderate Stütze. Strukturell bleiben sinkende Erzgehalte, leere Projektpipelines und lange Vorlaufzeiten bei der Minenentwicklung als Argumente für höhere Preise bestehen. Die Makroangst regiert allerdings den kurzen Horizont.
Hormuz als Schicksalsfrage für den gesamten Sektor
Der Rohstoffmarkt zeigt eine seltene Konstellation: Fünf zentrale Assets reagieren auf denselben geopolitischen Schock in völlig unterschiedliche Richtungen. Öl verliert seine Kriegsprämie bei ersten Diplomatie-Signalen. Gold und Silber funktionieren nicht als sichere Häfen, weil die geldpolitischen Konsequenzen der Krise schwerer wiegen als der Fluchtreflex. Kupfer leidet unter einem Effekt dritter Ordnung — der Angst vor einer energiepreisgetriebenen Rezession.
Goldman Sachs skizziert im besten Fall eine schrittweise Erholung der Ölflüsse ab April, was Brent bis zum vierten Quartal in die 70er-Dollar-Zone drücken würde. Für Gold entscheidet der Dollar, für Silber die Fed, für Kupfer die chinesische Konjunktur. Gemeinsam ist allen fünf Rohstoffen nur eines: Die nächsten Tage hängen davon ab, ob auf Trumps Fünf-Tage-Pause tatsächlich Verhandlungen folgen — oder eine neue Eskalationsstufe.
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