Trumps arktischer Zoll-Schock, das Davos-Pulverfass und die deutsche PDF-Illusion
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern noch wähnten wir uns nach dem pragmatischen Öl-Deal mit Venezuela in einer geopolitischen Atempause, doch der heutige Sonntag belehrt uns eines Besseren. Als die Nachrichtenticker am Mittag die Eilmeldungen aus Washington ausspuckten, dürfte so manchem Diplomaten in Brüssel der Sonntagsbraten im Hals stecken geblieben sein.
Es ist eine Szene, die sinnbildlich für den Start in dieses Börsenjahr steht: Während wir uns auf das Weltwirtschaftsforum in Davos vorbereiten, das unter dem harmonischen Motto „A Spirit of Dialogue" steht, schafft die Realpolitik Tatsachen, die eher nach Monolog als nach Dialog klingen. Die Ruhe des Wochenendes ist trügerisch. An den Märkten braut sich eine Mischung aus geopolitischer Eiszeit und fundamentaler Neubewertung zusammen. Lassen Sie uns sortieren, was für Ihr Depot in der kommenden Woche wichtig wird.
Eiseskälte: Der Zoll-Schock aus dem Norden
Es ist selten, dass ein Sonntag derart politisch aufgeladen ist. US-Präsident Donald Trump hat den Handelskonflikt mit Europa heute auf eine neue Ebene gehoben. Die Ankündigung, ab dem 1. Februar 2026 Zölle in Höhe von 10 Prozent auf Exporte aus acht europäischen Ländern – darunter explizit Deutschland, Frankreich und Dänemark – zu erheben, ist mehr als nur eine Drohung. Es ist ein wirtschaftlicher Fehdehandschuh.
Die Begründung lässt tief blicken und verknüpft US-Sicherheitsinteressen in Grönland und der Arktis direkt mit der Handelspolitik. Die Reaktionen ließen heute nicht lange auf sich warten: Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von „Erpressung" spricht und Schwedens Premier Kristersson betont, man lasse sich nicht einschüchtern, tagten am Nachmittag bereits die EU-Botschafter in einer Krisensitzung.
Die ökonomische Einordnung: Für die deutsche Exportwirtschaft ist das ein Nackenschlag zur Unzeit. Die Grünen fordern bereits Gegenzölle – eine Spirale, vor der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen heute warnte. Doch die Realität vor Ort ist bereits militärisch greifbar: Ein Erkundungsteam der Bundeswehr ist am Freitag in Nuuk gelandet. Was als Prüfung für gemeinsame Übungen deklariert ist, wirkt im Kontext der Trump-Rhetorik wie ein geopolitisches Schachspiel auf dem Eis. Für Anleger bedeutet das: Die Volatilität kehrt zurück, insbesondere für europäische Industriewerte mit hohem US-Engagement.
Davos: Der Elefant im Raum trägt Rot
Morgen beginnt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in den Schweizer Alpen. Über 3.000 Führungskräfte, darunter die CEOs von Microsoft (Satya Nadella), Nvidia (Jensen Huang) und JPMorgan (Jamie Dimon), werden erwartet. Doch alle Augen richten sich auf den Mittwoch. Dann wird Donald Trump das Podium betreten.
Erwartet wird eine Rede zu Wohnungsmarktreformen – ironischerweise plant er wohl Einschränkungen für institutionelle Investoren beim Häuserkauf. Doch nach den heutigen Zoll-Ankündigungen wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden. Gleichzeitig präsentiert sich die „Gegenwelt": Die BRICS-Staaten, deren militärisches Gewicht mit über 5 Millionen aktiven Soldaten und einem nuklearen Arsenal von über 6.350 Sprengköpfen die NATO in reinen Zahlen teils übertrifft, fordern die westliche Hegemonie heraus. Investoren sollten in Davos vor allem auf die leisen Töne achten: Wie positionieren sich Tech-Giganten wie Intel und Microsoft in diesem fragmentierten Umfeld?
Die Woche der Wahrheit: Zahlen gegen Zölle
Während die Politik poltert, müssen die Unternehmen liefern. Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. Da die US-Märkte morgen wegen des Martin Luther King Jr. Day geschlossen bleiben, konzentriert sich alles auf den Rest der Woche.
Besonders spannend wird es am Dienstag bei Netflix und am Donnerstag bei Intel sowie GE Aerospace. Letztere sind ein interessanter Indikator: General Electric (GE) wird derzeit mit einem KGV von über 43 gehandelt – ein Zeichen für enorm hohe Wachstumserwartungen der Anleger. Jede Enttäuschung könnte hier abgestraft werden.
Die aktuelle Marktvolatilität und die anstehende Berichtssaison schaffen genau jene Kursbewegungen, die sich systematisch für kurzfristige Gewinne nutzen lassen. Ein spezielles Trading-System kombiniert technische Ausbruchssignale mit Volumenanalyse und fundamentalen Katalysatoren, um explosive Kursbewegungen frühzeitig zu identifizieren. Das Prinzip: Zweimal wöchentlich werden konkrete Trade-Signale generiert – egal ob bei Aktien wie Rheinmetall (+136% in einem Trade), Siemens Energy (+97%) oder internationalen Werten. Die Strategie funktioniert über alle Sektoren hinweg und nutzt gezielt Marktbewegungen aus, die durch Quartalszahlen, politische Entscheidungen oder Branchennews ausgelöst werden. In einer kostenlosen Analyse erfahren Sie, wie dieses System aufgebaut ist und welche vier Sektoren aktuell die größten Gewinnchancen bieten. Details zum systematischen Trading-Ansatz
Einen Lichtblick aus deutscher Sicht liefert Nordex. Der Windkraftanlagenbauer prognostiziert für 2026 einen Gewinnsprung auf knapp 320 Millionen Euro (+29 Prozent zum Vorjahr). Nach den Verlustjahren bis 2023 scheint der Turnaround im Sektor der Erneuerbaren Energien – trotz politischem Gegenwind – fundamental zu greifen.
Deutschland intern: Zwischen Viren und Verwaltung
Blicken wir kurz vor die eigene Haustür, wo eine Debatte entbrannt ist, die direkt auf die Produktivität unserer Volkswirtschaft zielt. Kanzler Friedrich Merz hat den „international sehr hohen Krankenstand" in Deutschland kritisiert – und bekommt heute Rückendeckung von unerwarteter Seite: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stimmt ihm zu und sieht in der telefonischen Krankschreibung eine Einladung zum Missbrauch. Es ist ein schmaler Grat zwischen Arbeitnehmerrechten und Wettbewerbsfähigkeit, wobei die CSU nun flexiblere Arbeitszeiten fordert, während die Gewerkschaften warnen. Für Unternehmen ist die hohe Ausfallquote ein realer Kostenfaktor, der in den Bilanzen 2025 Spuren hinterlassen hat.
Und dann ist da noch die „Digitalisierung": Die Bundesregierung plant stolz, das Führungszeugnis künftig als PDF zu verschicken, statt per Post. Ein kleiner Schritt für die Verwaltung, aber ob das reicht, um den Standort Deutschland wieder auf „Buy" zu setzen? Immerhin rät das BSI zum Jahresstart dringend zu Backups und 2-Faktor-Authentifizierung. Digitale Sicherheit wird 2026 zur Bürgerpflicht – und zum Investitionsthema.
Das Krypto-Rätsel und der Blick nach Teheran
Abschließend ein Blick auf die Risiken am Rande: Trump fordert offen einen Regierungswechsel im Iran. Die geopolitische Risikoprämie im Ölpreis könnte dadurch schnell wieder steigen. Interessant ist eine Randnotiz aus der Krypto-Welt: Historische Daten legen nahe, dass ein „Silver Squeeze" positive Übertragungseffekte auf Kryptowährungen haben kann. In einer Zeit, in der Fiat-Währungen durch Handelskriege unter Druck geraten, suchen Anleger nach Alternativen – sei es das physische Metall oder das digitale Gold.
Fazit
Wir starten in eine Woche, in der Politik und Wirtschaft so eng verflochten sind wie selten. Die Zoll-Drohungen sind real, die Reaktion Europas wird den Ton für das ganze Jahr setzen. Mein Rat: Lassen Sie sich von den Schlagzeilen aus Davos nicht blenden, sondern schauen Sie auf die harten Zahlen von Intel und Nordex. Dort entscheidet sich, ob die Bewertungen der Substanz standhalten.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Sonntags und starke Nerven für die Handelswoche.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








