Tilray treibt seine Expansion im europäischen Medizinalcannabis-Markt voran und meldet zugleich Rekordumsätze im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Im Zentrum steht der Einstieg in Italien mit einer eigenen medizinischen Plattform. Wie gut passt diese Strategie zur aktuellen Ertragslage und zur skeptischen Haltung vieler Analysten?

Rekordumsatz, aber weiter Verlust

Tilray Brands erzielte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Rekordumsatz von 217,5 Millionen US‑Dollar und lag damit über den Analystenerwartungen von 211,15 Millionen US‑Dollar. Der Erlös stieg im Jahresvergleich um 3 %, getrieben vor allem vom internationalen Geschäft.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Internationale Cannabis-Umsätze: +36 % gegenüber dem Vorjahr
  • Kanadischer Freizeitmarkt: +6 % gegenüber dem Vorjahr
  • Nettoverlust: 43,5 Millionen US‑Dollar (Vorjahr: 85,3 Millionen US‑Dollar Verlust)
  • Bruttomarge: 26 % (Vorjahr: 29 %)
  • Adjusted-EBITDA-Prognose für 2026: bestätigt bei 62–72 Millionen US‑Dollar

Finanziell hat sich die Bilanzstruktur deutlich verbessert. Das Unternehmen weist nun eine Netto-Cash-Position von rund 30 Millionen US‑Dollar aus. Die liquiden Mittel inklusive handelbarer Wertpapiere liegen bei 292 Millionen US‑Dollar. Noch vor zwei Jahren stand hier ein Netto-Schuldenstand von 434 Millionen US‑Dollar.

Tilray Medical Italia als neuer Baustein

Mit der Umbenennung der FL Group in Tilray Medical Italia bündelt der Konzern seine Aktivitäten im italienischen Markt unter einer einheitlichen Marke. Ziel ist der Aufbau einer integrierten europäischen Plattform für medizinisches Cannabis.

Das Angebot in Italien umfasst derzeit:

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  • Medizinalcannabis-Blüten (THC 25 %, THC 18 %, THC 9 %/CBD 9 %)
  • Mehrere Ölformulierungen mit unterschiedlichen THC/CBD-Verhältnissen
  • Vertrieb über Krankenhäuser und Apotheken

Ein zentraler Hebel ist die Kooperation mit Molteni Farmaceutici, einem etablierten italienischen Pharmaunternehmen. Diese Partnerschaft verschafft Tilray Zugang zu bestehenden Distributionsstrukturen und zu ärztlichen Fortbildungsangeboten im ganzen Land. Die Produkte sind EU-GMP-zertifiziert und vom italienischen Gesundheitsministerium zugelassen.

Analysten zwischen Skepsis und Abwarten

An der Wall Street zeigt sich ein gemischtes Bild. Roth MKM hat das Kursziel für die Tilray-Aktie von 20,00 auf 10,00 US‑Dollar reduziert und bleibt bei einer „Neutral“-Einstufung. Zacks Research stufte den Titel Mitte Januar auf „Strong Sell“ herab.

Im Mittelpunkt der Sorgen stehen mehrere Faktoren:

  • Anhaltende Unsicherheit über die künftige Gesetzgebung in den USA
  • Regulatorische Risiken im Zusammenhang mit berauschenden Hanfprodukten
  • Rückgang im Getränkesegment um 20,6 % gegenüber dem Vorjahr
  • Einbruch im Großhandelsgeschäft um 80 % im Jahresvergleich

Diese Punkte bremsen die Fantasie rund um das Wachstumsnarrativ, auch wenn Umsatz und Bilanzposition kurzfristig besser aussehen.

US-Chance durch neue Einstufung

In den USA eröffnet die jüngste Neubewertung von Cannabis neue Perspektiven. Nach einer präsidialen Anordnung, die Cannabis als Substanz der Kategorie Schedule 3 einstuft, hat Tilray Medical USA den Betrieb aufgenommen.

Diese rechtliche Einstufung erleichtert den Zugang zu Bank- und Finanzdienstleistungen, schafft Spielraum für steuerliche Abzüge und vereinfacht den Weg für erweiterte medizinische Forschung. Tilray beliefert inzwischen mehr als 20 Länder mit etablierten medizinischen Cannabisprogrammen auf fünf Kontinenten.

Bei einer Marktkapitalisierung von rund 1,06 Milliarden US‑Dollar und einer 52‑Wochen-Spanne von 3,50 bis 23,20 US‑Dollar spiegelt der Aktienkurs die hohe Volatilität des Sektors und die starke Abhängigkeit von regulatorischen Entscheidungen wider. Für die nähere Zukunft dürften die operative Entwicklung in Europa, insbesondere in Italien, und die konkrete Umsetzung der neuen US-Regeln entscheidend für die Bewertung der Aktie bleiben.

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