The Trade Desk steht zum Jahresauftakt gleich von zwei Seiten unter Druck: Zwei große Wall-Street-Häuser haben die Aktie am Freitag herabgestuft, während zugleich ein prominenter Langfristinvestor seinen Bestand leicht reduziert. Im Zentrum der Skepsis stehen nicht die jüngsten Zahlen, sondern strukturelle Fragen: Wie stark setzt Amazon dem Werbetech-Spezialisten zu – und fehlen kurzfristig die Impulse für eine Trendwende?

Doppelte Herabstufung wegen Wettbewerbsdruck

Am Freitag stufte Citizens die Aktie von „Market Outperform“ auf „Market Perform“ zurück und strich zugleich das Kursziel. Begründung: mehrere strukturelle Gegenwinde im Kerngeschäft als Demand-Side-Plattform (DSP).

Im Fokus stehen drei Punkte:

  • Generative KI senkt Wechselhürden: Laut Citizens vereinfacht KI die Benutzeroberflächen im programmatischen Mediaeinkauf. Funktionen, die früher ein Differenzierungsmerkmal von The Trade Desk waren, lassen sich dadurch leichter nachbauen – die historische Stärke bei Usability und Tools verliert an Gewicht.
  • Amazon als wachsender Konkurrent: Amazons DSP profitiert von „dem größten Retail-Media-Datensatz der Branche“. Diese First-Party-Daten verschaffen dem Konzern strukturelle Vorteile bei Zielgruppenansprache und Erfolgsmessung von Kampagnen.
  • Schwäche im offenen Web: Werbebudgets verschieben sich weiter hin zu geschlossenen Ökosystemen („walled gardens“). Auf dem offenen Web – abseits von Connected TV und Digital Audio – verläuft das Wachstum deutlich träger, was direkt auf das Kerngeschäft von The Trade Desk durchschlägt.

Zusätzlich sieht Citizens Druck auf die sogenannte Take Rate. Amazon lockt Werbekunden mit niedrigeren Gebühren an, während The Trade Desk bei einzelnen Kunden verhandelte Gebühren und Anreize gewähren soll. Das kann kurzfristig helfen, Marktanteile zu halten, schmälert aber potenziell die Marge.

Kurz darauf folgte Citigroup und senkte ihr Votum ebenfalls von „Outperform“ auf „Market Perform“. Damit hat sich die Stimmung an der Wall Street gegenüber dem früher stark favorisierten Adtech-Wert spürbar eingetrübt. Bereits Anfang Januar hatte es mehrere Anpassungen gegeben: Exane BNP Paribas erhöhte sein Rating auf „Hold“, Moffett Nathanson hob von „Sell“ auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 39 US-Dollar an. Das Bild: weniger Euphorie, mehr Vorsicht.

Institutionelle Investoren drehen leicht am Rad

Parallel zu den Analystenmeldungen kam am Freitag ein weiteres Signal: Eine SEC-Mitteilung zeigte, dass Baillie Gifford & Co. im dritten Quartal 2025 rund 5,2 % seiner Position abgebaut hat. Konkret wurden 1.587.519 Aktien verkauft.

Trotz des Rückgangs bleibt Baillie Gifford mit 29,1 Millionen Aktien – rund 5,95 % des Unternehmens – ein großer Ankerinvestor. Der Schritt zeigt aber, dass selbst langjährige, institutionelle Adressen ihr Engagement zumindest etwas reduzieren.

Ganz einseitig ist das Bild auf der Großanlegerseite allerdings nicht:

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  • Geode Capital Management stockte im zweiten Quartal seinen Bestand um 52,1 % auf 12,3 Millionen Aktien auf.
  • Norges Bank und Viking Global Investors eröffneten neue Positionen im Volumen von etwa 197 Mio. bzw. 193 Mio. US-Dollar.

Die institutionelle Basis bleibt damit breit, doch das Netto-Signal ist gemischt: Einige Investoren nutzen die Schwäche für Zukäufe, andere nehmen Gewinne mit oder reduzieren das Risiko nach dem Kursverfall der vergangenen zwölf Monate von rund 68 %.

Kursniveau und jüngste Entwicklung

Am Freitag schloss die Aktie bei 36,55 US-Dollar. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein leichtes Plus von gut 3 %, auf Sicht von 30 Tagen steht dagegen ein Rückgang von gut 4 %. Besonders ins Auge sticht die Langfristbilanz: Über zwölf Monate liegt das Minus bei mehr als zwei Dritteln, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 118,90 US-Dollar beträgt knapp 70 %.

Technisch bewegt sich die Aktie leicht über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 35,20 US-Dollar, aber deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 48,53 US-Dollar. Das signalisiert, dass der übergeordnete Abwärtstrend bislang nicht gebrochen ist.

Operativ besser als die Kursentwicklung

Die aktuelle Skepsis kommt nach einem Jahr, das operativ weniger schwach war, als der Aktienchart vermuten lässt. Der Ausgangspunkt der Schwächephase war der Q4-Bericht im Februar 2025: Damals verfehlte The Trade Desk die Umsatzprognosen der Wall Street, was einen anhaltenden Abverkauf auslöste.

Seitdem hat sich die operative Entwicklung stabilisiert:

  • Im Q3 2025 (veröffentlicht am 6. November 2025) übertraf The Trade Desk sowohl Umsatz- als auch Gewinnerwartungen:
  • Ergebnis je Aktie: 0,45 US-Dollar (Konsens: 0,44 US-Dollar)
  • Umsatz: 739,43 Mio. US-Dollar (Konsens: 719,11 Mio. US-Dollar)
  • Der Umsatz wuchs damit um 17,7 % im Jahresvergleich.
  • Der Vorstand genehmigte zudem ein Aktienrückkaufprogramm über 500 Mio. US-Dollar.

Trotz dieser Zahlen wird die Story aktuell vom Wettbewerb überlagert. Amazon DSP gewinnt Marktanteile, und The Trade Desk hat seine lange Zeit feste Gebührenstruktur offenbar flexibilisiert, um attraktiver zu bleiben. Im Dezember 2025 strich das Unternehmen zudem weniger als 1 % seiner rund 3.900 Stellen – ein kleiner, aber dennoch spürbarer Effizienzschritt.

Unterm Strich bleibt somit ein ambivalentes Bild: operativ wachsend und profitabel, aber in einem Umfeld, in dem der Konkurrenzdruck zunimmt und die einst klaren Wettbewerbsvorteile hinterfragt werden.

Ausblick: Quartalszahlen und OpenAds als nächste Wegmarken

Der nächste harte Test steht bereits bevor: Der Q4-2025-Bericht wird Anfang Februar 2026 erwartet und dürfte zum wichtigsten kurzfristigen Kurstreiber werden. Analysten rechnen für das Gesamtjahr 2025 mit einem Ergebnis je Aktie von rund 1,06 US-Dollar. Entscheidend wird sein, ob The Trade Desk neben soliden Zahlen auch eine überzeugende Antwort auf die Wettbewerbssorgen liefern kann.

Bewertungsseitig sieht Citizens die Aktie bei den aktuellen Kursen etwa beim 11,2‑fachen des geschätzten EBITDA für 2027 – in etwa auf Augenhöhe mit vergleichbaren Werten. Aus Sicht des Hauses ist das Chance-Risiko-Profil damit derzeit „ausbalanciert“: weder klar unterbewertet noch offensichtlich überteuert, solange der Konkurrenzdruck von Amazon hoch bleibt und kurzfristige Katalysatoren rar sind.

Ein möglicher Impuls für 2026 ist die OpenAds-Initiative, die das Unternehmen am 6. Januar 2026 vorgestellt hat. Unterstützt von Publishern wie BuzzFeed, dem Guardian und Hearst soll sie dem offenen Web neue Schubkraft geben und Werbekunden attraktivere Alternativen zu geschlossenen Plattformen bieten. Die Einführung ist jedoch über das gesamte Jahr verteilt, sodass der unmittelbare Beitrag zum Umsatz begrenzt bleibt. Für Anleger wird Anfang Februar vor allem zählen, wie stark sich diese strategischen Projekte bereits in Ausblick und Kennzahlen widerspiegeln.

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