The Trade Desk steht vor wichtigen Quartalszahlen – und die Analysten ziehen aktuell in unterschiedliche Richtungen. Während einige Häuser vor zunehmendem Wettbewerbsdruck und kurzfristigen Belastungen warnen, verweisen andere auf strategische Fortschritte und eine attraktivere Bewertung nach dem starken Kursrückgang. Im Kern geht es darum, ob das Geschäftsmodell im digitalen Werbemarkt unter Druck gerät oder nur durch eine Übergangsphase muss.

Konkurrenzsorgen und vorsichtiger Ton

Auslöser der Schwäche am Freitag waren zwei zurückhaltende Analystenkommentare. Citizens JMP stufte die Aktie von „Market Outperform“ auf „Market Perform“ ab und strich zugleich das Kursziel – ein klares Signal, dass man kurzfristig kein nennenswertes Aufwärtspotenzial mehr sieht.

Begründet wurde der Schritt vor allem mit der veränderten Wettbewerbssituation im digitalen Werbemarkt. Amazon baut sein Werbegeschäft weiter aus und nutzt dabei seine Datenvorteile im eigenen „Walled Garden“. Laut Citizens JMP setzt der Konzern zudem auf sehr aggressive Preisgestaltung mit Gebühren ab etwa 1 %, was die bisherige strukturelle Stärke von The Trade Desk untergraben könnte.

Hinzu kommt eine technologische Komponente: Generative KI könnte nach Einschätzung der Analysten die Wechselkosten zwischen verschiedenen Demand-Side-Plattformen (DSPs) senken. Wenn es für Werbekunden einfacher und günstiger wird, Plattformen zu wechseln, geraten Anbieter mit Premium-Ansatz wie The Trade Desk stärker unter Druck, ihre Mehrwerte klar nachzuweisen.

Parallel dazu blieb Stifel zwar bei der Einstufung „Buy“, senkte das Kursziel aber deutlich von 90 auf 74 US‑Dollar. Das Haus bezeichnete The Trade Desk zwar weiterhin als „Top-Pick“ für 2026, dämpfte jedoch die Erwartungen für die nähere Zukunft. Der Ausblick auf das erste Quartal könnte demnach eher verhalten ausfallen – einerseits wegen anspruchsvoller Vorjahresvergleiche, andererseits aufgrund einer internen Umstrukturierung, die den Zeitpunkt der Umsatzrealisierung verschiebt. Stifel rechnet allerdings damit, dass diese Faktoren im weiteren Jahresverlauf an Bedeutung verlieren, unter anderem durch Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft.

In diesem Umfeld rutschte der Kurs am Freitag leicht ab und schloss bei 36,55 US‑Dollar. Nach dem massiven Rückgang der vergangenen zwölf Monate von rund 68 % notiert die Aktie damit weiterhin deutlich unter ihren früheren Höchstständen.

Geteiltes Bild bei den Analysten

Den skeptischen Stimmen vom Freitag stehen positivere Einschätzungen gegenüber, die im Januar für etwas Gegenwind nach oben sorgten. Am 12. Januar stufte MoffettNathanson die Aktie von „Sell“ auf „Neutral“ hoch und setzte ein Kursziel von 39 US‑Dollar. Die Analysten sehen zwar weiterhin strukturelle Risiken, argumentierten aber, dass die Bewertung nach dem deutlichen Kursrückgang wieder ausgewogener sei und das Chance-Risiko-Verhältnis damit weniger einseitig negativ ausfalle.

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Noch optimistischer zeigt sich Cannonball Research. Das Haus bestätigte jüngst seine „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 70 US‑Dollar. Im Fokus steht dabei ein operativer Erfolg: Das Direkt-zu-Verlag-Produkt OpenPath gewinnt sichtbar an Bedeutung. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 steuerte OpenPath bereits rund 10 % zum Konzernumsatz bei.

Für Cannonball ist das ein Beleg dafür, dass die Strategie, Zwischenstufen in der Lieferkette auszuschalten und große Premium-Publisher wie Disney oder Spotify direkter anzubinden, funktioniert. Weniger Reibung in der Ausspielung von Werbung und mehr Kontrolle für die Publisher sollen die Position von The Trade Desk im Ökosystem stärken – gerade in Zeiten, in denen klassische Third-Party-Cookies und alte Strukturen im Adtech-Markt an Bedeutung verlieren.

Damit stehen sich zwei Narrative gegenüber:

  • Bärische Argumente:
  • Wachsende Konkurrenz durch Amazon mit Datenvorteilen und aggressiver Preisstrategie
  • Mögliche sinkende Wechselbarrieren zwischen DSPs durch generative KI
  • Kurzfristig „blasse“ Guidance-Risiken laut Stifel wegen harter Vorjahresvergleiche und Umstrukturierungen

  • Bullische Argumente:

  • Bewertung nach starkem Kursrückgang laut MoffettNathanson wieder näher an einem fairen Risiko-Rendite-Profil
  • OpenPath erreicht rund 10 % Umsatzanteil und stützt die strategische Neuausrichtung
  • Stifel und Cannonball sehen trotz kurzfristiger Wolken ein intaktes Langfristpotenzial

Blick auf Zahlen und Technik

Der nächste große Prüfstein ist der 18. Februar 2026. Dann legt The Trade Desk die Zahlen für das vierte Quartal vor. Entscheidend dürfte sein, wie das Management die Belastungen zu Jahresbeginn einordnet: Insbesondere die angesprochenen „tough comps“ im ersten Quartal 2026 und der Einfluss der Amazon-Konkurrenz auf Kundenabwanderung und Budgets werden im Fokus stehen.

Auf technischer Seite pendelt die Aktie aktuell knapp über einer sensiblen Unterstützungszone im Bereich von grob 34 bis 36 US‑Dollar. Mit dem Schlusskurs von 36,55 US‑Dollar liegt der Titel zwar etwas über seinem 50‑Tage-Durchschnitt von 35,20 US‑Dollar, bleibt aber deutlich unter dem 200‑Tage-Durchschnitt von 48,53 US‑Dollar. Das unterstreicht den mittelfristig angeschlagenen Trend, auch wenn kurzfristig etwas Stabilisierung eingetreten ist.

Spannend wird, ob der Konzern mit seiner neuen KI-Plattform Kokai die Sorgen um Marktanteile entkräften kann. Gelingt es, hohe Kundenbindungsraten von über 95 % zu bestätigen und gleichzeitig Fortschritte bei Produkten wie OpenPath zu zeigen, dürfte dies die Argumentation der eher optimistischen Häuser wie Stifel und Cannonball stützen. Bleiben diese Signale aus und verschärft sich der Preisdruck im Wettbewerb mit Amazon, würden dagegen vor allem die skeptischen Stimmen um Citizens JMP Rückenwind bekommen.

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