Liebe Leserinnen und Leser,

als in der Nacht die ersten Preisticker aus dem asiatischen Handel über die Bildschirme flimmerten, wussten die Händler in Frankfurt und London sofort: Diese Woche wird ungemütlich. Die 100-Dollar-Marke beim Rohöl? Durchbrochen und zeitweise pulverisiert. Ein historischer Preissprung hat die globalen Finanzmärkte in den Krisenmodus versetzt – und die Stagflationsangst, vor der ich Sie am Wochenende warnte, ist mit voller Wucht auf dem Parkett angekommen.

Wir erleben derzeit eine toxische Mischung aus geopolitischer Eskalation und handfesten wirtschaftlichen Bremsspuren. Während im Nahen Osten die Straße von Hormus – das Nadelöhr für 20 Prozent des globalen Ölflusses – zum Epizentrum eines neuen Schocks wird, sortiert sich in Deutschland nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg die politische Landschaft neu. Und als wäre das nicht genug, lieferte das Statistische Bundesamt am Morgen Zahlen, die den Ernst der Lage für den Standort Deutschland schonungslos offenlegen.

Der 120-Dollar-Schock

Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat das bewirkt, wovor Analysten seit Monaten warnten: einen veritablen Ölpreisschock. Im asiatischen Handel schoss der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent um fast 30 Prozent auf knapp 120 US-Dollar – der größte Intraday-Sprung seit 2020. Zwar beruhigten sich die Notierungen im europäischen Vormittagshandel bei rund 104 bis 107 US-Dollar, nicht zuletzt wegen aufkommender Debatten über die Freigabe strategischer Ölreserven. Doch der Schaden ist angerichtet.

Die Reaktionen fielen entsprechend heftig aus. In Tokio brach der Nikkei um 5 Prozent ein, in Seoul verlor der Kospi sogar 6 Prozent. Der DAX rutschte auf ein Zehnmonatstief und fiel zeitweise deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 23.000 Punkten. Der renommierte US-Stratege Ed Yardeni hat die Wahrscheinlichkeit für einen handfesten Markt-Crash unter der Trump-Administration mittlerweile auf 35 Prozent erhöht.

Deutschlands industrieller Sinkflug

Wie anfällig die deutsche Wirtschaft für diesen externen Schock ist, zeigten die neuesten Daten aus Wiesbaden. Der Auftragseingang in der deutschen Industrie brach im Januar um dramatische 11,1 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von gut 4 Prozent gerechnet. Auch die Produktion schrumpfte unerwartet um 0,5 Prozent.

Für den Verbraucher übersetzt sich die globale Krise direkt an der Zapfsäule. Der bundesweite Tagesdurchschnitt für Super E10 kletterte zuletzt auf 1,839 Euro, Diesel auf 1,816 Euro. Kein Wunder, dass der Tanktourismus in Richtung Polen (1,38 Euro) und Tschechien (1,37 Euro) derzeit floriert. Hohe Energiekosten treffen auf eine ohnehin schwächelnde industrielle Basis – ein denkbar schlechtes Timing.

Das grüne Paradoxon von Stuttgart

Inmitten dieser makroökonomischen Stürme hat Baden-Württemberg gestern einen neuen Landtag gewählt. Das Ergebnis: ein politisches Patt mit historischer Dimension. Die Grünen sicherten sich mit 30,2 Prozent (56 Sitze) einen hauchdünnen Vorsprung vor der CDU mit 29,7 Prozent (ebenfalls 56 Sitze). Cem Özdemir dürfte damit gute Karten haben, der nächste Ministerpräsident zu werden.

Doch die politische Peripherie erodiert: Die AfD etabliert sich mit 18,8 Prozent als drittstärkste Kraft, während die einstige Volkspartei SPD mit 5,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis einfährt. Die Konsequenzen folgten prompt – SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch und FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke (die FDP scheiterte an der 5-Prozent-Hürfe) kündigten ihren Rückzug an. Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Sven Schulze sieht im Stuttgarter Ergebnis bereits eine Blaupause für die dortigen Wahlen im September: eine zunehmende Zuspitzung auf zwei dominierende Parteien.

Rüstung boomt, Bitcoin enttäuscht

Wer in diesen Tagen nach sicheren Häfen sucht, erlebt Überraschungen. Das oft als „digitales Gold" gepriesene Bitcoin fiel im Zuge der Nahost-Eskalation um über 2 Prozent auf unter 66.000 US-Dollar. Der „Crypto Fear & Greed Index" notiert bei einem Wert von 12 – was „Extreme Fear" signalisiert. In echten geopolitischen Krisen, so die bittere Lektion für Krypto-Enthusiasten, greifen Investoren am Ende doch lieber zu echten Staatsanleihen oder liquidieren riskante Assets.

Ganz anders das Bild in der Rüstungsindustrie: Ein heute veröffentlichter SIPRI-Bericht zeigt, dass Deutschland – auch durch Lieferungen an die Ukraine – mittlerweile China überholt hat und zum viertgrößten Rüstungsexporteur der Welt aufgestiegen ist. An der Börse zeigten sich Rheinmetall (zeitweise +1,41 % auf 1.615 Euro) und Hensoldt (+4,88 % auf 77,30 Euro) als einer der wenigen Lichtblicke in einem ansonsten tiefroten Markt.

Anzeige

Die Kurssprünge bei Rheinmetall und Hensoldt zeigen, wie schnell sich in volatilen Märkten Gewinnchancen ergeben – doch wie nutzt man solche Bewegungen systematisch? Der erfahrene Trader Jörg Mahnert hat dazu eine strukturierte Methode entwickelt, die auf der bewährten Point & Figure Technik basiert. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er konkret, wie er mit dieser Methode bei Rheinmetall +108 % in 60 Tagen oder bei Renk +68 % in 62 Tagen erzielte – mit klar definierten Ein- und Ausstiegspunkten. Mahnert erklärt, wie Sie solche Marktbewegungen mit einem strukturierten Plan nutzen können, bei dem Sie bereits vor dem Einstieg wissen, welches Kursziel realistisch ist. Sie erhalten am Ende des Webinars einen konkreten Trade mit klarer Einstiegsebene und Gewinnziel. Details zur Point & Figure Methode

Quintessenz

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen brachte es am Vormittag in Brüssel auf den Punkt: Europa kann nicht länger der Hüter einer alten Weltordnung sein, die längst vergangen ist. Die Kombination aus explodierenden Energiepreisen, einer stotternden heimischen Industrie und einer zersplitternden politischen Landschaft erfordert mehr denn je ein aktives Risikomanagement – sowohl in der Politik als auch in Ihrem Depot.

Behalten Sie in den kommenden Tagen vor allem die Reaktionen der Notenbanken im Blick. Ein dauerhafter Ölpreis über 90 oder gar 100 US-Dollar könnte die erhofften Zinssenkungen der Fed und der EZB abrupt beenden.

Kommen Sie trotz der stürmischen Nachrichtenlage gut durch diesen Montag.

Herzlichst, Ihr

Eduard Altmann