Silber Preis: nach oben!
Silber steht zwischen politischem Kurswechsel in Washington, wachsender geopolitischer Unsicherheit und einer bisher beispiellosen ETF-Nachfrage. Nach einem Rekordhoch über 93 US‑Dollar je Feinunze hat das Edelmetall zwar einen Dämpfer hinnehmen müssen, bleibt aber klar im Aufwärtstrend. Entscheidend ist dabei, wie stark Politik und physische Knappheit den Markt weiter treiben.
Am Freitag schloss Silber bei 89,94 US‑Dollar und verlor damit 2,46 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen liegt der Preis jedoch rund 34 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn beträgt das Plus gut 24 Prozent. Der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 93,19 US‑Dollar ist mit rund 3,5 Prozent überschaubar, zum Tief von 46,90 US‑Dollar hat sich der Kurs dagegen fast verdoppelt.
Der „Trump-Dip“ und die Zollpolitik
Den jüngsten Rücksetzer von den Rekordständen löste eine überraschende Entscheidung der US-Regierung aus. Präsident Trump kündigte am 16. Januar an, geplante neue Zölle auf verarbeitete kritische Mineralien – darunter Silber – vorerst auszusetzen.
Viele Marktteilnehmer hatten zuvor mit einer unmittelbaren Verknappung durch Importzölle gerechnet. Entsprechend kam es nach der Ankündigung zu einem schnellen Rückgang von den Hochs um rund 7 Prozent. Beobachter sprechen von einer klassischen „Buy the Rumor, Sell the News“-Reaktion: Nach einer spekulativen Vorwegnahme der Zölle kam es zur Gewinnmitnahme, als die Umsetzung aufgeschoben wurde.
Auffällig ist jedoch, wie rasch Silber sich wieder in Richtung der 90‑Dollar-Zone schob. Das deutet darauf hin, dass der zugrunde liegende Aufwärtstrend trotz kurzfristiger Enttäuschung intakt bleibt. Der RSI auf 14‑Tage-Basis liegt mit 62 Punkten im neutral‑bis‑leicht überkauften Bereich, der Kurs selbst notiert knapp 29 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 69,72 US‑Dollar – ein klares Signal für einen starken, aber reifen Trend.
Geopolitik als zusätzlicher Treiber
Parallel zur Zoll-Entscheidung sorgt eine zweite politische Front für zusätzliche Nachfrage nach „sicheren Häfen“. Trump hat am 17. Januar mit Strafzöllen von 10 Prozent auf Importe aus acht europäischen Ländern – darunter Deutschland, Dänemark und das Vereinigte Königreich – gedroht, falls diese einen Verkauf Grönlands an die USA nicht unterstützen.
Die bereits angedeutete mögliche Anhebung der Strafzölle auf 25 Prozent ab dem 1. Juni 2026 erhöht die Unsicherheit weiter. Ein Handelskonflikt innerhalb der NATO wäre ein Tabubruch und schürt die Sorge um Wachstum, Lieferketten und Währungen. In diesem Umfeld fließen verstärkt Gelder in Edelmetalle.
Gold notiert nahe seinem Rekordstand von über 4.600 US‑Dollar je Feinunze. Silber profitiert davon im Windschatten als „kleiner Bruder“ und Krisenwährung mit zusätzlicher industrieller Komponente. Die Kombination aus Safe-Haven-Käufen und struktureller Nachfrage verleiht dem Markt derzeit eine besondere Dynamik.
Historische ETF-Zuflüsse und „Crowded Trade“
Ein wesentlicher Baustein der aktuellen Stärke ist die Nachfrage aus dem ETF-Segment. Hier zeigt sich eine ungewöhnliche Konzentration von Kapital:
- 169 Tage in Folge Nettozuflüsse im iShares Silver Trust
- 921,8 Mio. US‑Dollar Zuflüsse von Privatanlegern in Silber-ETFs in den letzten 30 Tagen
- Silber wird von Analysten als „Most Crowded Commodity Trade Ever“ bezeichnet
Diese Zahlen deuten auf eine massive Positionierung hin – sowohl von institutionellen als auch von privaten Investoren. Viele Akteure scheinen Silber nicht mehr nur als industriellen Rohstoff zu betrachten, sondern zunehmend als monetäre Reserve und Absicherung gegen Instabilität.
Der Ökonom Jim Rickards warnte am 17. Januar vor einem strukturellen Aufbau im Markt: Konvergierende Faktoren wie steigende industrielle Nachfrage, begrenztes Angebot und monetäre Unsicherheit könnten seiner Einschätzung nach in eine „explosive Neubewertung“ münden. Das macht Silber anfällig für starke Bewegungen in beide Richtungen – verstärkte Käufe treiben den Preis schnell, Positionsabbau kann ebenso rasch für Druck sorgen.
Fundamentale Knappheit im Hintergrund
Neben der politischen Bühne bleibt der fundamentale Rahmen entscheidend. Für 2025 wird das fünfte Angebotsdefizit in Folge erwartet. Die Produktion wächst nur begrenzt, während die industrielle Nachfrage weiter anzieht.
Treiber sind vor allem:
- KI-Rechenzentren: Stark steigender Stromverbrauch und Infrastrukturaufbau
- Elektrofahrzeuge (EVs): Zunehmender Einsatz von Silber in Elektronik und Komponenten
- Solarindustrie: Hoher und weiter wachsender Bedarf für Photovoltaik
Der Stromverbrauch globaler Rechenzentren legte 2024 um 19 Prozent zu und soll auf diesem erhöhten Niveau weiterwachsen. Das zwingt Versorger und Industrie, Kapazitäten und Infrastruktur massiv auszubauen – mit entsprechendem Materialbedarf. In dieser Lage versuchen viele Unternehmen, sich physische Mengen frühzeitig zu sichern, was als Preisboden wirkt und Rücksetzer begrenzt.
Charttechnik: Konsolidierung nach Rally
Technisch betrachtet befindet sich Silber nach der steilen Aufwärtsbewegung in einer Konsolidierungsphase. Der Markt hat sich von einem deutlich überkauften Zustand etwas abgekühlt, bleibt aber klar im positiven Trendkanal.
Wichtige Marken im Überblick:
-
Widerstand:
Die Zone um 93–94 US‑Dollar, nahe dem aktuellen 52‑Wochen-Hoch, ist die zentrale Hürde für eine Fortsetzung der Rally. -
Unterstützung:
Starke Unterstützungen werden im Bereich von 88,50 und 86,00 US‑Dollar gesehen. Ein Bruch dieser Marken könnte eine tiefere Korrektur einleiten und einen Teil der vorangegangenen Gewinne neutralisieren. -
Potenzielle Kursziele:
- Citi-Analysten halten Kurse um 100 US‑Dollar je Feinunze für erreichbar.
- CoinCodex sieht in einem optimistischeren Szenario bis Mitte Februar 2026 sogar Niveaus um 122 US‑Dollar als möglich.
Diese Ziele hängen jedoch maßgeblich davon ab, dass der Trend der ETF-Zuflüsse anhält und es nicht zu einer deutlichen Entspannung auf der geopolitischen Seite kommt.
Fazit: Intakter Trend mit hoher Schlagzahl
Silber bewegt sich aktuell in einem Spannungsfeld aus US-Zollpolitik, wachsendem Konfliktpotenzial mit Europa, historisch starken ETF-Zuflüssen und einer zunehmend engen fundamentalen Lage. Die Aussetzung der US-Zölle auf kritische Mineralien hat kurzfristig Druck gebracht, ohne den Aufwärtstrend zu brechen. Gleichzeitig stützen Drohungen mit neuen Strafzöllen, Safe-Haven-Nachfrage und strukturelle Angebotsdefizite das Preisniveau.
Solange die entscheidende Unterstützungszone um 86 US‑Dollar hält und der Markt oberhalb des 50‑Tage-Durchschnitts notiert, bleibt der mittel- bis langfristige Aufwärtstrend intakt. Die nächsten Wochen dürften vor allem von neuen Signalen aus Washington und Europa geprägt sein – jede Verschärfung oder Entspannung der Handelsrhetorik kann in diesem engen und stark positionierten Markt unmittelbare Kursreaktionen auslösen.
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