Rolls-Royce setzt seine Transformation mit Nachdruck fort. Ein entscheidender Schritt im Geschäft mit Small Modular Reactors (SMR) trifft auf wachsenden Optimismus der Analysten – und beides zusammen verändert die Bewertung des Konzerns grundlegend. Im Kern geht es darum, ob Rolls-Royce vom klassischen Triebwerkshersteller zum Energietechnik-Player im Zeitalter von KI und neuer Nukleartechnik aufsteigen kann.

Strategische SMR-Partnerschaft mit Amentum

Am 20. Januar hat Rolls-Royce Amentum als Programm- und Umsetzungspartner für das SMR-Geschäft ausgewählt. Das ist mehr als nur ein weiterer Projektvertrag: Die Vereinbarung markiert den Übergang von der Konzeptphase hin zur konkreten Ausrollung der Technologie.

Amentum soll die Einführung der Rolls-Royce-SMRs in Großbritannien, Tschechien und Schweden koordinieren. Ziel ist eine Kapazität von bis zu 1,5 Gigawatt an CO₂-armen Stromerzeugung, verbunden mit der Schaffung von mehr als 8.000 langfristigen Arbeitsplätzen. Für den Markt ist das ein Signal: Die SMR-Sparte wird nicht mehr nur als theoretische Wachstumsoption gesehen, sondern als Programm mit klarer Umsetzungsagenda.

Damit stärkt Rolls-Royce ein zweites Standbein neben dem klassischen Luftfahrt- und Verteidigungsgeschäft. Das SMR-Projekt soll langfristig stabile, regulierte Cashflows liefern – ein Aspekt, den Investoren bei Infrastruktur-ähnlichen Geschäftsmodellen meist mit höheren Multiples honorieren.

Analysten drehen am Kursziel

Parallel zur SMR-News gab es ein klares positives Signal von der Analystenseite. Drei große Institute haben am 20. Januar ihre Bewertung von Rolls-Royce nach oben angepasst – und damit die laufende Neubewertung des Konzerns weiter untermauert.

  • Royal Bank of Canada (RBC): Kursziel auf 1.400 Pence angehoben, mit Verweis auf „Outperform“-Potenzial
  • Goldman Sachs: Kursziel auf 1.350 Pence erhöht
  • Deutsche Bank: Kursziel auf 1.325 Pence angehoben

Auslöser ist vor allem die Dynamik in der Power-Systems-Sparte. Diese Einheit, die unter anderem Lösungen für Energieerzeugung liefert, verzeichnete im Vorjahr ein Umsatzwachstum von rund 50 %. Analysten sehen den Bereich zunehmend als Schlüsselzulieferer für hochstromhungrige Rechenzentren im Zuge des KI-Booms.

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Damit verschiebt sich die Wahrnehmung des Konzerns: Neben Triebwerken für die Luftfahrt rückt nun das Thema Energieversorgung für digitale Infrastruktur in den Vordergrund. Dies wird von den Banken in ihren Bewertungsmodellen eingepreist und rechtfertigt aus ihrer Sicht höhere Kursziele.

Kursentwicklung und Bewertung im neuen Umfeld

Der Nachrichtenmix aus SMR-Partnerschaft und Kurszielanhebungen hat die Liquidität in der Aktie deutlich erhöht, sowohl in London als auch auf dem US-OTC-Markt (Ticker RYCEY). In Deutschland schloss die Aktie gestern bei 14,44 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Anstieg von rund 107 %, während der Titel seit Jahresbeginn leicht im Minus liegt. Der Kurs liegt zugleich deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt, was den etablierten Aufwärtstrend unterstreicht.

Mit der starken Rally ist Rolls-Royce jedoch in eine neue Bewertungszone vorgestoßen. Für 2026 wird ein Forward-KGV von rund 39- bis 44-fach genannt – weit oberhalb des eigenen 10-Jahres-Schnitts von etwa 15. Dieses Aufgeld basiert zum einen auf der erfolgreichen Restrukturierung der vergangenen Jahre, zum anderen auf der generellen Neubewertung des Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungssektors, der im letzten Jahr um knapp 91 % zugelegt hat.

Hinzu kommt die neue Erzählung: Rolls-Royce wird zunehmend als Profiteur des KI-Trends gesehen, weil die Power-Systems-Sparte kritische Infrastruktur für energieintensive Rechenzentren liefert. Damit unterscheidet sich der Konzern klar von klassischen „reinen“ Luftfahrtwerten wie GE Aerospace, die stärker auf das Fluggeschäft fokussiert sind.

Risiken und Erwartungen bis zu den Zahlen

Trotz der positiven Stimmung bleibt das Chance-Risiko-Profil anspruchsvoll. Marktbeobachter verweisen auf mögliche Engpässe in den Lieferketten, die Zeitpläne und Margen belasten könnten. Zudem drückt ein schwächerer US-Dollar – rund 9 % Rückgang binnen zwölf Monaten – auf die in Dollar erzielten Erlöse, da ein wesentlicher Teil des Umsatzes in dieser Währung anfällt.

Auf der finanziellen Seite steht dem eine Nettocash-Position von 1,08 Milliarden Pfund (Stand Mitte 2025) gegenüber, die für zusätzliche Stabilität sorgt. Gleichzeitig verlangt die hohe Bewertung eine nahezu fehlerfreie Umsetzung: Für die Jahre bis 2028 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum des operativen Ergebnisses von rund 11 % unterstellt – ambitioniert, aber nicht unmöglich.

Der nächste zentrale Prüfstein ist bereits terminiert: Am 26. Februar 2026 legt Rolls-Royce den vollständigen Jahresbericht vor. Dann wird der Markt vor allem zwei Punkte genau prüfen: ob das starke Wachstum in der Power-Systems-Sparte tatsächlich nachhaltig ist und wie konkret der Fahrplan für die SMR-Einführung mit Amentum ausgestaltet wird. Diese beiden Faktoren dürften maßgeblich bestimmen, ob die aktuelle Prämienbewertung Bestand hat oder neu justiert werden muss.

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