Rheinmetall steckt heute im DAX klar im Minus, obwohl das Management mit einem möglichen Auftragsvolumen in historischer Größenordnung wirbt. Kurzfristig dominieren geopolitische Signale und Gewinnmitnahmen den Handel, während auf der langfristigen Ebene milliardenschwere Projekte im Raum stehen. Wie passt dieser Widerspruch zusammen?

Kurzfristiger Rücksetzer nach starkem Lauf

Die Aktie gibt heute im Tagesverlauf spürbar nach und setzt damit die Verluste vom Vortag fort. Mit einem aktuellen Kurs von rund 1.789 Euro liegt das Papier nicht nur rund 4 % unter dem gestrigen Schluss, sondern auch etwa 10 % unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch bei 1.995 Euro.

Trotz des Rückgangs bleibt die übergeordnete Entwicklung beeindruckend: Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von mehr als 140 %, seit Jahresbeginn rund 12 %. Die Aktie korrigiert damit einen sehr steilen Anstieg, was auch in den technischen Indikatoren sichtbar wird: Der 14-Tage-RSI liegt mit 83,7 klar im überkauften Bereich, die 30-Tage-Volatilität von rund 79 % unterstreicht die hohe Schwankungsbreite.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Aktueller Kurs: ca. 1.789,50 Euro
  • Abstand zum 52-Wochen-Hoch: rund -10 %
  • Performance 12 Monate: +148,20 %
  • Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt: gut +8 %
  • RSI (14 Tage): 83,7 (überkauftes Niveau)

Kurzfristig ist der Titel damit klar in einer Korrekturphase, bewegt sich aber weiterhin deutlich über den mittelfristigen Durchschnittslinien.

Geopolitische Entspannung dämpft Rüstungsfantasie

Der Verkaufsdruck trifft nicht nur Rheinmetall, sondern den gesamten europäischen Verteidigungssektor. Marktbeobachter verweisen auf eine wahrgenommene geopolitische Entspannung, nachdem es jüngst eine unerwartete diplomatische Wende in der Grönland-Frage gab. In der Folge reduzieren Investoren offenbar Engagements in Rüstungswerten und nehmen Gewinne mit.

Für einen Sektor, dessen Bewertung stark von erwarteten Verteidigungsausgaben und politischen Spannungen abhängt, wirkt bereits eine leichte Abschwächung der Eskalationssorgen bremsend. Die aktuelle Schwäche ist damit weniger unternehmensspezifisch, sondern vor allem sektor- und stimmungsgetrieben.

Milliardenpipeline: Management zeichnet großes Bild

Während der Markt kurzfristig auf geopolitische Schlagzeilen reagiert, verweist das Management auf die mittel- bis langfristige Auftragsbasis. Vorstandschef Armin Papperger stellt für das laufende Jahr einen potenziellen internationalen Auftragseingang von rund 80 Milliarden Euro in Aussicht. Diese Summe ergibt sich aus mehreren laufenden Ausschreibungen, die sich über verschiedene Produktsegmente verteilen.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Rheinmetall?

Zentrale Bausteine der Pipeline:

  • Schützenpanzer Boxer:
    Allein hier geht es um ein mögliches Auftragsvolumen von 37,7 Milliarden Euro.

  • Fregatten F126 und F127:
    Für diese Marineprojekte stehen zusammen 12 bis 13 Milliarden Euro im Raum.

  • Schützenpanzer Puma:
    Eine weitere Charge dieses Modells ist ebenfalls Teil der laufenden Ausschreibungen.

Damit skizziert das Management eine Größenordnung, die – sollte sie in wesentlichen Teilen realisiert werden – die aktuelle Bewertung untermauern und sogar erweitern könnte. Entscheidend ist allerdings der tatsächliche Zuschlag und die zeitliche Streckung der Projekte; die genannten Beträge sind zum jetzigen Zeitpunkt noch keine gesicherten Aufträge.

Analysten bleiben konstruktiv

Trotz der aktuellen Kursschwäche bleiben große Analystenhäuser zuversichtlich. Jüngst hat Barclays das Kursziel für Rheinmetall angehoben und die Einstufung mit „Overweight“ bestätigt. Das neue Ziel von 2.175 Euro liegt klar über dem heutigen Kursniveau und signalisiert aus Sicht der Bank weiteres Potenzial.

Die positive Einschätzung stützt sich vor allem auf:

  • die umfangreiche Projektpipeline,
  • die starken Aussichten im internationalen Geschäft,
  • und die Rolle von Rheinmetall in geplanten Modernisierungen von Land- und Seestreitkräften.

Damit steht einer kurzfristigen, stimmungsgetriebenen Korrektur ein klar konstruktiver fundamentaler Blick gegenüber.

Fazit: Korrektur im Aufwärtstrend

Rheinmetall erlebt derzeit eine spürbare Verschnaufpause nach einem außergewöhnlich starken Jahr. Sektorweiter Druck durch geopolitische Entspannung, ein technisch überkauftes Niveau und hohe Volatilität liefern plausible Gründe für den aktuellen Rücksetzer.

Gleichzeitig deutet die vom Management skizzierte Auftragspipeline im Volumen von bis zu 80 Milliarden Euro, unterstützt von einem angehobenen Kursziel durch Barclays, auf robuste mittelfristige Perspektiven hin. Für die weitere Entwicklung bleibt entscheidend, in welchem Umfang und Tempo die laufenden Ausschreibungen tatsächlich in feste Aufträge überführt werden und ob sich die geopolitische Entspannung als nachhaltig erweist oder nur eine Zwischenetappe bleibt.

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 22. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...