Q1-Finale an den Märkten: Turnaround-Stories, mehr Volumen und die Suche nach dem Boden
Ausgangspunkt dieser Analyse ist die Folge „Wiener Börse Party #1126: Spannung zum Q1-Finale, Christian Stocker zur Bodenbildung, cyan und Reploid überzeugen und die +50-Sache“, in der Gastgeber Christian Drastil den Quartalsultimo an den Märkten und mehrere Einzeltitel beleuchtet.
ATX: Nullrunde zum Quartalsende – bei deutlich mehr Umsatz
Zum März-Ultimo präsentiert sich die Wiener Börse bemerkenswert stabil: Der ATX notiert zu Mittag exakt auf dem Stand des Jahresbeginns. Der Index startet mit 5326 Punkten ins Jahr und liegt am letzten Handelstag des ersten Quartals wieder bei 5326 Punkten. Auf Tagesbasis entspricht das einem Plus von 0,59 Prozent.
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen unverändertem Indexstand und deutlich gestiegenem Handelsvolumen. Drastil verweist auf:
- ein tägliches Volumen, das von 247 auf rund 369 Mio. (gemeint ist der Volumenwert) gestiegen ist
- ein Plus von „zwischen 48 und 50 Prozent“ im Tagesumsatz
- die Möglichkeit, dass die Marke von plus 50 Prozent Volumenzuwachs am Ultimo noch erreicht wird
Damit zeigt sich: Trotz eines auf Jahressicht neutralen Indexstandes ist das Interesse am Handel mit österreichischen Aktien spürbar gewachsen.
Unter den ATX-Gewinnern des Vormittags finden sich:
- Porr: +6,06 Prozent
- Uniqa: +2,1 Prozent
- UBM: +2,1 Prozent
Diese Kursbewegungen unterstreichen, dass sich auf Einzeltitelebene „unglaublich viel getan“ hat, wie Drastil mit Blick auf die geopolitisch bewegte Gemengelage betont.
DAX: Leichte Erholung, aber klares Minus seit Jahresbeginn
Auch der deutsche Leitindex DAX zeigt sich zum Quartalsultimo fester. Zu Mittag liegt der Index:
- bei 22.725 Punkten
- mit einem Tagesplus von 0,7 Prozent
Im Gegensatz zum ATX ist dies jedoch keine Rückkehr auf den Jahresanfangswert. Der DAX weist per Ultimo ein Minus von 7,87 Prozent seit Jahresbeginn auf.
Zu den Gewinnern im Vormittagshandel zählen:
- Rheinmetall: +2,9 Prozent
- Zalando: +1,9 Prozent
- Commerzbank: +1,8 Prozent
Die Entwicklung verdeutlicht: Während der österreichische Leitindex per Ende März eine ausgeglichene Bilanz zeigt, befindet sich der DAX trotz zwischenzeitlicher Erholung noch klar im negativen Terrain.
Marktstruktur: Segmentwechsel und neue Finanzierungsformen
Der Quartalsultimo bringt traditionell auch strukturelle Veränderungen mit sich. Im Fokus stehen dabei sowohl das Marktsegment der Wiener Börse als auch alternative Finanzierungswege.
Addiko Bank: Wechsel in den Standard Market Auction
Wie angekündigt, wird Addiko das Marktsegment wechseln. Mit Wirkung ab dem folgenden Handelstag werden die Aktien:
- vom Prime Market
- in den Standard Market Auction
überstellt. Dieser Segmentwechsel bedeutet laut Drastil „quasi keinen Fließhandel mehr“. Damit verschiebt sich die Handelslogik weg von einem kontinuierlichen Handel hin zu Auktionsphasen.
Reploid: Erfolgreiche elektronische Anleihe via Crowdinvesting
Parallel dazu zeigt die Crowdinvesting-Plattform Invesdor, wie digitale Finanzierungsinstrumente angenommen werden. Das Unternehmen Reployed platzierte dort eine elektronische Anleihe. Die Kennzahlen der Kampagne:
- Zielvolumen: 1,5 Millionen Euro
- Erreichen des Zielvolumens nach wenigen Tagen
- Endvolumen: 1,65 Millionen Euro
- Anzahl der Investorinnen und Investoren: 756
Die zügige Platzierung und die Überzeichnung des Zielvolumens signalisieren eine hohe Nachfrage nach alternativen Anlage- und Finanzierungsformen.
Cyan: Turnaround im Cybersecurity-Segment
Ein zentrales Thema der Episode ist der börsennotierte Cybersecurity-Spezialist Cyan AG. CEO Markus Cserna und IR-Verantwortlicher Timon Grasl läuten symbolisch die Opening Bell und stellen die jüngsten Geschäftszahlen vor.
Geschäftsjahr 2025: Rückkehr in die Gewinnzone
Cyan konnte im Geschäftsjahr 2025 den Turnaround kommunizieren. Die Eckdaten:
- Umsatzwachstum um 30 Prozent auf 9,2 Millionen Euro
- EBITDA in der prognostizierten Bandbreite von „0 bis 0 Millionen Euro“
- Vorjahr: negatives EBITDA
Damit hat das Unternehmen die selbst gesetzten Profitabilitätsziele erfüllt und die Verlustzone verlassen.
Ausblick 2026: Weiteres profitables Wachstum im Fokus
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet CyNation:
- ein Umsatzwachstum auf 10 bis 11 Millionen Euro
- ein erneut positives EBITDA
Um diese Ziele zu erreichen, plant das Unternehmen:
- Investitionen in die Weiterentwicklung seiner Cybersecurity-Lösungen
- den Ausbau des Vertriebs
- den Aufbau von 26 neuen, langfristig angelegten Kundenbeziehungen
Drastil verweist zudem darauf, dass Cyan am „Aktientag im Austria Center Vienna“ präsent war und der zeitnahe Turnaround aus Sicht des Podcasts positiv aufgenommen wird.
Einschätzung zur Marktlage: Bodenbildung oder Bullenfalle?
Zum Quartalsende wirft Christian Stocker, Aktienmarktstratege bei UniCredit, einen analytischen Blick auf die Märkte. Er untersucht, ob die jüngste Entwicklung eher für eine Bodenbildung oder eine Bullenfalle spricht.
Details seiner Analyse werden in der Episode nicht im Einzelnen ausgebreitet, doch Drastil macht deutlich, dass es sich um eine zentrale Frage am Ende eines „wilden Quartals“ handelt. Der Vergleich mit dem Jahresanfangsniveau beim ATX verleiht dieser Diskussion zusätzliche Brisanz.
Bemerkenswert ist auch der humorvolle Hinweis des Moderators auf den Namensvetter in der Politik: „Christian Stocker ist nicht der Bundeskanzler, sondern Aktienmarktstratege bei der UniCredit“, womit er die Personen klar voneinander abgrenzt.
Analysteneinschätzungen: Kaufempfehlungen für UBM und Porr
Zum Abschluss des Quartals fließen auch neue beziehungsweise bestätigte Analystenratings in den Markt ein. Im Fokus der besprochenen Research-Updates:
- UBM
- Einstufung durch Montega: „Kauf“
-
Kursziel: unverändert 31 Euro
-
Porr
- Einstufung durch Raiffeisen Research: „Kauf“
- Kursziel: Anhebung von 35 auf 37 Euro
Diese Einschätzungen spiegeln eine positive Analystenhaltung gegenüber beiden Titeln wider und ergänzen die starke Tagesperformance von Porr im ATX.
Sponsoring, Handelstechnologie und Handelszeiten
Die März-Folgen der „Wiener Börse Party“ stehen unter dem Motto Market & me und werden von der Deutschen Börse Xetra präsentiert. Hervorgehoben werden:
- der „immer beste Preis“
- der neue Xetra Retail Service
- erweiterte Handelszeiten von 8 bis 22 Uhr
Drastil verbindet diese Hinweise mit dem Wunsch, ähnliche Handelsfenster auch für die Wiener Börse zu sehen. Damit adressiert er indirekt die Bedeutung langer Handelszeiten für Privatanleger und Marktliquidität.
Börsegeschichte: Uniqa mit starkem Tag 2009
Ein kurzer Blick in die Historie rundet die Episode ab. Exakt 17 Jahre vor dem aktuellen März-Ultimo, am 31.03.2009, verzeichnete die Uniqa-Aktie:
- den zweitbesten Tag ihrer Börsegeschichte
- ein Tagesplus von 9,97 Prozent
Der Rückblick unterstreicht, dass das Ende eines Quartals immer wieder markante Kursbewegungen hervorbringen kann.
Fazit: Null-Linie mit Dynamik
Am Ende eines bewegten ersten Quartals steht der ATX exakt auf seinem Jahresanfangswert – ein „Return to Sender“-Effekt, den Christian Drastil auch für den weiteren Tagesverlauf hofft. Hinter dieser scheinbaren Ruhe verbirgt sich jedoch ein deutlich lebhafter Markt:
- spürbar steigende Handelsvolumina an der Wiener Börse
- ein DAX, der trotz Tagesplus klar im Jahresminus liegt
- strukturelle Veränderungen wie der Segmentwechsel von Addiko
- erfolgreiche alternative Finanzierungen wie die elektronische Anleihe von Reploid
- ein klar kommunizierter Turnaround bei Cyan mit Wachstumsambitionen für 2026
- positive Analystenratings für UBM und Porr
Die Episode zeigt, dass ein unveränderter Indexstand zum Quartalsende keineswegs Stillstand bedeutet, sondern oft eine Phase intensiver Neujustierung an den Finanzmärkten widerspiegelt.








