Procter & Gamble hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 zwar die Gewinnerwartungen leicht übertroffen, kämpft aber gleichzeitig mit nachlassender Nachfrage in wichtigen Kategorien und einem eingedampften Gewinnausblick. Im Heimatmarkt USA drücken inflationsmüde Verbraucher zunehmend auf die Bremse – Preiserhöhungen allein reichen nicht mehr, um das Geschäft zu stützen. Entscheidend ist nun, ob der Konzern seine versprochene Erholung in der zweiten Jahreshälfte wirklich liefern kann.

Zahlen mit Licht und Schatten

Der Konsumgüterkonzern erzielte im Quartal bis zum 31. Dezember 2025 Erlöse von 22,2 Milliarden US‑Dollar, ein Plus von lediglich 1 % gegenüber dem Vorjahr. Deutlich ernüchternder fällt der Blick auf die organischen Umsätze aus: Bereinigt um Wechselkurseffekte und Übernahmen stagnierte der Wert, das Wachstum lag bei 0 %.

Beim Ergebnis je Aktie zeigt sich ein ähnliches Bild zwischen Schlagzeile und Detail:
- Das bereinigte (Core) EPS blieb mit 1,88 US‑Dollar auf Vorjahresniveau und lag leicht über den Analystenschätzungen von 1,86 US‑Dollar.
- Das verwässerte EPS ging hingegen um 5 % auf 1,78 US‑Dollar zurück, belastet durch höhere Restrukturierungskosten.
- Das Absatzvolumen sank konzernweit um 1 %, die Produktivitätskennzahl für den bereinigten freien Cashflow lag bei soliden 88 %.

An der Börse fallen die Reaktionen bislang moderat aus: Die Aktie schloss am Freitag bei 150,26 US‑Dollar und liegt damit rund 10 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber deutlich über dem Tief der vergangenen zwölf Monate.

Nachfrage schwächelt in Kernsegmenten

Hinter den stabil wirkenden Überschriften steht ein klarer Trend: P&G verkauft in mehreren Sparten weniger Produkte. Drei von fünf Kategorien verzeichneten rückläufige Volumina – ein Hinweis darauf, dass viele Haushalte ihre Ausgaben zurückfahren oder zu günstigeren Alternativen greifen.

Baby-, Hygiene- und Haushaltspflege unter Druck

Am stärksten traf es den Bereich Baby, Feminine & Family Care. Hier sanken die organischen Umsätze um 4 %, das Absatzvolumen brach um 5 % ein. Besonders die Familienmarken wie Bounty, Charmin und Puffs bekamen Gegenwind zu spüren. Ein Teil der Schwäche erklärt sich durch einen Basiseffekt: Im Vorjahr hatten Händler ihre Lagerbestände aus Sorge vor möglichen Hafenstreiks stark aufgebaut, was nun zu schwierigeren Vergleichswerten führt.

Rasurgeschäft mit Gegenwind

Auch im Grooming-Segment, zu dem die Rasierermarken Gillette und Venus gehören, zeigten sich Risse. Das Absatzvolumen gab um 2 % nach. Zwar konnte P&G in Nordamerika und Europa über Innovationen höhere Preise durchsetzen, doch die schwächeren Stückzahlen sorgten dafür, dass die organischen Umsätze insgesamt nur auf Vorjahresniveau verharrten.

Beauty als positiver Ausreißer

Einen Kontrast dazu bildet das Beauty-Geschäft. Hier legte das Volumen um 3 % zu, die organischen Umsätze stiegen um 4 %. Vor allem Haarpflege und Körperpflege trugen mit Zuwächsen im mittleren einstelligen Prozentbereich zum Wachstum bei und zeigen, dass P&G in einzelnen Kategorien weiterhin Preissetzungsmacht und Nachfrage vereinen kann.

Neuer CEO, schwieriges Umfeld

Mit Shailesh Jejurikar hat seit Anfang des Monats ein neuer CEO das Ruder übernommen – und startet direkt in einem Umfeld mit spürbaren Gegenwinden. In seinem ersten Auftritt gegenüber Investoren gab er sich vorsichtig optimistisch. Man habe Vertrauen in die eigenen Pläne, in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres bessere Ergebnisse zu erzielen, betonte er und verwies auf anstehende Produktneuheiten als wichtigen Hebel.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Procter & Gamble?

Finanzchef Andre Schulten stufte das zweite Quartal explizit als „das schwächste des Geschäftsjahres“ ein. Er stellte in Aussicht, dass gezielte Maßnahmen im US‑Geschäft – etwa bei Preisgestaltung, Promotionen und Sortiment – in den kommenden Monaten Wirkung zeigen sollen. Die Botschaft: Das Management sieht die Talsohle im laufenden Quartal, muss nun aber den Beweis der Trendwende antreten.

Ausblick gekappt – aber nur auf GAAP-Basis

Besonders aufmerksam verfolgen Investoren die Prognoseanpassung für das Gesamtjahr. P&G hat den GAAP-Gewinnausblick gesenkt und erwartet nun ein Wachstum des verwässerten Ergebnisses je Aktie von 1 % bis 6 %. Zuvor lag die Spanne bei 3 % bis 9 %. Begründet wird der Schritt ausschließlich mit höheren Restrukturierungskosten, nicht mit einer operativen Verschlechterung.

Die Kernprognose für das bereinigte Ergebnis bleibt dagegen unangetastet:

  • Organisches Umsatzwachstum: 0 % bis 4 %
  • Core EPS: unverändert bis +4 % gegenüber 6,83 US‑Dollar im Geschäftsjahr 2025 (entspricht 6,83 bis 7,09 US‑Dollar je Aktie)
  • Adjusted Free Cashflow Productivity: 85 % bis 90 %
  • Dividendenzahlungen: rund 10 Milliarden US‑Dollar
  • Aktienrückkäufe: rund 5 Milliarden US‑Dollar

Damit signalisiert das Management, dass es trotz der aktuellen Absatzschwäche an seiner Ertrags- und Cashflow-Planung festhält – ein wichtiges Signal für Investoren, die auf Stabilität und Ausschüttungen achten.

Margen unter Druck – vor allem durch Zölle

Auf der Profitabilitätsseite zeigt sich der Gegenwind deutlicher. Die Bruttomarge schrumpfte auf berichteter Basis um 120 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr. Zwar erzielte P&G Produktivitätsgewinne von 160 Basispunkten und konnte über Preiserhöhungen weitere 50 Basispunkte herausholen. Doch negative Effekte aus Produktmix, zusätzlichen Marken- und Produktinvestitionen sowie Zöllen überlagerten diese Fortschritte:

  • Ungünstiger Mixeffekt: –120 Basispunkte
  • Reinvestitionen in Produkte und Marken: –60 Basispunkte
  • Zollkosten: –60 Basispunkte

In Summe führten gerade die tarifbedingten Belastungen zu einer spürbaren Erosion der Marge. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Zollkosten von rund 400 Millionen US‑Dollar nach Steuern – ein Betrag, der auch für einen Giganten wie P&G nicht zu vernachlässigen ist.

Internationale Märkte federn US-Schwäche ab

Regional betrachtet zeigt sich ein gespaltenes Bild. Während der US‑Markt unter Konsumzurückhaltung leidet, stützen internationale Regionen das Gesamtergebnis. Lateinamerika erzielte ein organisches Umsatzwachstum von 8 %, die Region Europe Enterprise kam auf 6 %. Insgesamt legten fünf von sieben geografischen Regionen bei den organischen Umsätzen zu.

Diese Streuung hilft, die Schwäche im Heimatmarkt teilweise auszugleichen und unterstreicht die Bedeutung der internationalen Aufstellung für P&G – ein Punkt, den auch Analysten hervorheben.

Fazit und Einordnung

Unterm Strich präsentiert Procter & Gamble ein Quartal, das die Spannbreite der aktuellen Lage gut abbildet: stabile Kernzahlen, aber spürbarer Druck bei Volumen und Margen, vor allem in den USA und in sensiblen Kategorien wie Haushalt und Rasur. Der gekappte GAAP-Ausblick zeigt, dass Restrukturierungskosten höher ausfallen als gedacht, während die operative Jahresprognose und die ambitionierte Ausschüttungspolitik bestätigt werden.

Der nächste Prüfstein wird die zweite Hälfte des Geschäftsjahres sein: Gelingt es, über neue Produkte, gezielte Maßnahmen im US‑Markt und anhaltende Stärke in internationalen Regionen wieder auf einen klaren Wachstumspfad bei Volumen und Ergebnis zurückzukehren, dürfte sich der Fokus der Investoren weg von kurzfristigen Belastungen hin zur Erholung verlagern.

Procter & Gamble-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Procter & Gamble-Analyse vom 24. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Procter & Gamble-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Procter & Gamble-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 24. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Procter & Gamble: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...