Plug Power steht vor einer heiklen Kombination aus operativem Fortschritt und finanziellen Zwängen. Während in Portugal eines der größten Wasserstoffprojekte Europas Gestalt annimmt, müssen die Anteilseigner in wenigen Tagen über zentrale Weichenstellungen zur Kapitalstruktur entscheiden. Für 2026 dürfte dieses Paket an Beschlüssen den Kurs der Aktie maßgeblich prägen.

Europäisches Vorzeigeprojekt in Portugal

Am 23. Januar hat Plug Power die Installation von 100 MW PEM-GenEco™-Elektrolyseuren in der Galp-Raffinerie im portugiesischen Sines abgeschlossen. Das Projekt zählt zu den größten Vorhaben für erneuerbaren Wasserstoff in Europa und gilt als wichtiger Baustein der europäischen Expansion.

Die Dimensionen sind beachtlich:

  • Produktionskapazität von bis zu 15.000 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr
  • Ersatz von rund 20 % des bisherigen Verbrauchs an fossilem („grauem“) Wasserstoff in der Raffinerie
  • Jährliche Reduktion der Treibhausgasemissionen um etwa 110.000 Tonnen (Scope 1 und 2)

Alle zehn Elektrolyser-Arrays wurden seit der Projektankündigung im Oktober 2025 geliefert und installiert. Die Inbetriebnahme soll in den kommenden Monaten starten. Plug ordnet das Vorhaben in eine globale Projektpipeline mit einem adressierten Volumen von rund 2 Milliarden US-Dollar ein – Sines ist damit mehr als nur ein Einzelprojekt, sondern Referenz für künftige Aufträge in Europa.

Hauptversammlung mit Sprengkraft für die Kapitalstruktur

Parallel dazu bleibt die Aktie stark schwankungsanfällig. Nach einem Kurssprung von 16,4 % am 22. Januar im Anschluss an eine AMA-Fragerunde von CEO Andy Marsh auf Reddit wurden Teile der Gewinne in den darauffolgenden Sitzungen wieder abgegeben. Das signalisiert, wie sensibel der Markt auf jede neue Information zum anstehenden Aktionärstreffen reagiert.

Drei zentrale Beschlussvorlagen

Am 29. Januar 2026 steht eine außerordentliche Hauptversammlung an, über die drei wesentliche Anträge abgestimmt werden soll:

  • Antrag 1: Anpassung der Abstimmungsstandards an das Gesellschaftsrecht des Bundesstaates Delaware
  • Antrag 2: Erhöhung der genehmigten Aktienzahl von 1,5 auf 3,0 Milliarden Stück
  • Antrag 3: Möglichkeit zur Vertagung der Versammlung, falls nicht genügend Stimmen zusammenkommen

Bereits auf der Hauptversammlung 2025 hatten rund 84 % der abgegebenen Stimmen die Erhöhung des genehmigten Kapitals unterstützt; die Initiative scheiterte jedoch an strengeren Anforderungen der aktuellen Satzung. Dieses Mal soll die Struktur so geändert werden, dass eine einfache Mehrheit ausreicht.

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Das Management hat klar kommuniziert: Scheitert Antrag 2 erneut, wird das Unternehmen einen Reverse Stock Split umsetzen, um wieder ausreichend Spielraum bei der Aktienanzahl zu erhalten. Praktisch bedeutet das: Entweder gelingt die Kapitalerhöhung über mehr genehmigte Aktien, oder die Stückzahl wird über eine Zusammenlegung vorhandener Aktien reduziert, um neue Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Verluste dominieren weiter das Zahlenbild

Operativ wächst Plug Power zwar, doch die Verluste sind nach wie vor massiv und bestimmen das Narrativ rund um die Aktie. Für das dritte Quartal 2025 meldete das Unternehmen:

  • Umsatz von 177 Millionen US‑Dollar (+1,7 % im Jahresvergleich)
  • Nettoverlust von 361 Millionen US‑Dollar
  • Negativer Free Cashflow von rund 904 Millionen US‑Dollar auf Sicht der letzten zwölf Monate

Vor diesem Hintergrund stuft das Management die geplante Erhöhung der genehmigten Aktien als „essenziell“ ein, um laufende finanzielle Verpflichtungen erfüllen zu können. Ohne zusätzlichen Eigenkapitalpuffer dürfte es schwierig werden, das operative Geschäft und die Projektpipeline im bisherigen Tempo weiterzufinanzieren.

Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an einer Verbesserung der Profitabilität: Ein positiver Bruttomargenbereich wird frühestens zur Mitte des Jahres 2026 angestrebt. Bis dahin bleibt Plug Power auf frisches Kapital angewiesen – entweder über neue Aktien oder alternative Strukturen, die ohne ausreichenden genehmigten Rahmen deutlich komplizierter würden.

Führungswechsel an der Konzernspitze

Auch personell stehen Veränderungen an. CEO Andy Marsh wird im März 2026 in die Rolle des Executive Chair wechseln. Die operative Führung übernimmt dann Jose Luis Crespo, bislang President und Chief Revenue Officer.

Crespo hat das Projekt in Sines bereits als „prägenden Moment für Europas Energiewende“ hervorgehoben. Der Führungswechsel erfolgt damit nicht in einer Phase der Konsolidierung, sondern mitten in einer Doppelbewegung aus großvolumigen Projekten und angespannten Finanzen. Wie das neue Managementteam Prioritäten zwischen Wachstum, Kapitaldisziplin und Profitabilität setzt, dürfte einer der entscheidenden Faktoren für die nächsten Jahre werden.

Bewertung und Kursentwicklung senden gemischte Signale

An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage aus Chancen und Risiken in einer auffälligen Divergenz wider. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 3,6 Milliarden US‑Dollar, während der Kurs in den vergangenen drei Jahren um 84 % gefallen ist. Bewertungsmodelle zeigen dabei ein zwiespältiges Bild:

  • Discounted-Cashflow-Modelle deuten auf eine mögliche Unterbewertung von mehr als 60 % hin
  • Gleichzeitig liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis mit 5,26 deutlich über dem Branchendurchschnitt von 2,36

Charttechnisch hat sich der Titel zuletzt spürbar von seinen Tiefstständen abgesetzt: Mit einem Schlusskurs von 2,56 US‑Dollar am Freitag liegt Plug Power rund 22 % höher als vor 30 Tagen und etwa 15 % über dem Jahresanfang. Gleichzeitig beträgt der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch weiterhin knapp 27 %, was den noch nicht abgeschlossenen Turnaround deutlich macht.

Fazit: 29. Januar als Weichenstellung für 2026

Die kommenden Tage dürften für Plug Power richtungsweisend werden. Operativ untermauert das Sines-Projekt die Ambitionen im europäischen Wasserstoffmarkt und liefert einen greifbaren Beleg für die eigene Technologie. Auf der finanziellen Seite entscheidet die Abstimmung am 29. Januar darüber, ob das Unternehmen über eine Ausweitung des genehmigten Kapitals den Weg für weitere Eigenkapitalmaßnahmen öffnen kann oder über einen Reverse Stock Split eine alternative Lösung finden muss. In Kombination mit dem anstehenden CEO-Wechsel entsteht damit ein klarer Prüfstein, an dem sich die weitere Entwicklung der Aktie im Jahr 2026 messen lassen wird.

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