Der Zahlungsriese PayPal steckt in einer tiefgreifenden Umbauphase. Unter neuem CEO Enrique Lores kämpft das Unternehmen mit enttäuschenden Quartalszahlen, einem abstürzenden Aktienkurs und der Frage, welche Teile seines Portfolios Zukunft haben – darunter der Auslandsüberweisungsdienst Xoom.

Führungswechsel in der Krise: Aktie im Sturzflug

Die ersten Monate 2026 sind für PayPal eine Zerreißprobe. Am 1. März übernahm Enrique Lores als neuer Präsident und CEO das Ruder – und damit die Verantwortung für eine angeschlagene firma. Der Grund: Die Bilanz für das vierte Quartal 2025 enttäuschte die Märkte auf ganzer Linie.

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Statt der erwarteten 8,82 Milliarden US-Dollar erzielte PayPal nur einen Umsatz von 8,68 Milliarden. Noch schwerer wog die Prognose: Für 2026 rechnet das Unternehmen nun mit einem leichten Gewinnrückgang, während Analysten zuvor ein Plus von rund acht Prozent erwartet hatten. Die Reaktion der Börse war brutal. Der Aktienkurs stürzte um über 20 Prozent ab. Bis zum 18. März lag er noch immer 3,3 Prozent im Minus.

Doch damit nicht genug. Spekulationen trieben die Kurse zeitweise in die andere Richtung. Ende Februar kursierten Gerüchte, der Fintech-Rivale Stripe erwäge eine Übernahme von PayPal oder Teilen davon. Die Nachricht jagte den Kurs am 2. März um mehr als zehn Prozent nach oben – so stark, dass an der Nasdaq sogar eine Volatilitätspause ausgelöst wurde. Die Gerüchte haben sich zwar wieder gelegt, doch sie zeigen den enormen Druck, unter dem PayPal steht.

Strategie-Neustart: 400 Millionen für KI-Checkout

Unter Lores schlägt PayPal nun einen neuen strategischen Kurs ein. Auf dem Wolfe FinTech Forum am 10. März präsentierte das Management seine Pläne für das laufende Jahr. Im Zentrum steht eine Rückbesinnung auf den Kern: den branded Checkout, also die Bezahlung mit dem PayPal-Button.

Hier will das Unternehmen 2026 rund 400 Millionen US-Dollar investieren, um die Nutzererfahrung zu verbessern und neue Partnerschaften zu schließen. Finanzchef Jamie Miller räumte ein, dass das Wachstum in diesem Kerngeschäft in der zweiten Hälfte 2025 nachgelassen habe. Die Strategie müsse nun gezielter werden.

Der zweite große Pfeiler ist die KI-gesteuerte Bezahlung. PayPal arbeitet an einem „Agentic Commerce Protocol“ (ACP). Diese technische Sprache soll es KI-Assistenten ermöglichen, eigenständig Einkäufe zu tätigen – von der Produktsuche bis zur Bezahlung über die PayPal-Infrastruktur. Zudem will das Unternehmen seine digitale Wallet für verschiedene Assets, einschließlich Stablecoins wie dem hauseigenen PYUSD, öffnen. Die Botschaft ist klar: PayPal will die digitale Transformation nicht verpassen.

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Xoom: Wird der Auslandsdienst verkauft?

In diesem großen Portfolio spielt Xoom, der Dienst für internationale Geldtransfers, eine besondere Rolle. PayPal hatte das Unternehmen 2015 für rund 890 Millionen US-Dollar übernommen, um im wachsenden Markt für Auslandsüberweisungen Fuß zu fassen.

Doch die Zukunft von Xoom war schon häufiger ungewiss. Bereits im Mai 2023 berichteten Medien, PayPal prüfe einen Verkauf des Crossborder-Geschäfts. Die Investmentbank Goldman Sachs soll damit beauftragt worden sein. Hintergrund war damals wie heute der Druck, das Wachstum im Kerngeschäft zu beschleunigen.

Ein Verkauf kam zwar nicht zustande, doch die Diskussionen zeigen, wie PayPal sein Portfolio ständig hinterfragt. Xoom konkurriert in einem hart umkämpften Markt mit etablierten Playern wie Western Union und neuen Anbietern wie Remitly. Sein Fokus auf Überweisungen in Länder wie Mexiko, Indien oder die Philippinen bleibt zwar relevant. Ob er langfristig zu PayPals schlankerem, KI-zentriertem Kurs passt, ist jedoch eine offene Frage.

Klagen und Konkurrenz: Ein steiniger Weg liegt ahead

PayPals Strategiewende findet in einem rauen Marktumfeld statt. Die Branche beobachtet genau, ob der Fokus auf KI und Checkout trägt. Die jüngsten Zahlen geben jedoch Anlass zur Skepsis.

Zusätzlich belasten rechtliche Auseinandersetzungen das Unternehmen. Mehrere Sammelklagen werfen PayPal und seinem Management vor, Anleger über die finanzielle Performance getäuscht zu haben. Bis zum 20. April 2026 können sich Investoren als Hauptkläger melden. Dieser Rechtsstreit könnte das bereits angeschlagene Vertrauen weiter erschüttern.

Die Herausforderungen sind enorm: PayPal muss sein Kerngeschäft stabilisieren, in neue Technologien investieren und gleichzeitig gegen agile Fintechs und etablierte Konzerne bestehen. Die kommenden Quartalszahlen werden zeigen, ob der Neustart unter CEO Lores erste Früchte trägt. Für Xoom und andere Geschäftsbereiche könnte die Bewährungsprobe darüber entscheiden, ob sie Teil von PayPals Zukunft sind – oder ob sie doch noch den Besitzer wechseln.