Liebe Leserinnen und Leser,

gestern sprachen wir an dieser Stelle noch über die rhetorische Aufrüstung zwischen Washington und Teheran – heute Morgen wurde aus Worten brutale Realität, wenn auch auf einem anderen Kontinent.

Während Europa noch schlief, hat US-Präsident Donald Trump Fakten geschaffen, die weit über den südamerikanischen Dschungel hinausreichen. Es ist ein Szenario, das an Hollywood erinnert, aber die geopolitische Risikoprämie an den Märkten schlagartig neu bewertet: US-Spezialkräfte haben in Venezuela zugeschlagen.

Diese Eskalation trifft auf ein Marktumbeld, das sich in einer fast unheimlichen Schwebe befindet. Der S&P 500 tastet nach Allzeithochs, Krypto-Assets erleben eine Renaissance, und doch spürt man die Nervosität vor dem, was dieses Börsenjahr 2026 bereithält.

Werfen wir einen Blick auf die Ereignisse, die Ihr Portfolio am Montag bewegen werden.

Geopolitik: Der Samstagmorgen-Schock

Die Nachricht lief am frühen heutigen Samstagmorgen über die Ticker: US-Streitkräfte haben Angriffe auf Venezuela durchgeführt und Präsident Nicolás Maduro festgenommen. Was zunächst wie ein wildes Gerücht in den sozialen Medien begann, wurde von Donald Trump persönlich auf seiner Plattform Truth Social bestätigt. Er sprach von einer „brillanten Operation“, während sein Vize-Außenminister Christopher Landau auf X triumphierte: „Der Tyrann ist gestürzt.“

Die Analyse: Für die Märkte bedeutet dies zum Wochenstart vor allem Volatilität. Während Verteidigungsminister Vladimir Padrino in Caracas von einer „unzerstörbaren Mauer“ spricht und zum Widerstand aufruft, formiert sich in Washington bereits der innenpolitische Widerstand. Demokratische Senatoren bezeichnen den Zugriff als „illegalen Krieg“.

Die Implikation: Achten Sie am Montagmorgen auf den Ölpreis (Brent lag zuletzt bei moderaten 60,76 US-Dollar) und Rüstungswerte. Die Aktie von Rheinmetall scheint diesen Trend fast vorweggenommen zu haben. Das Papier verabschiedete sich am Freitag in Frankfurt bei rund 1.560 Euro ins Wochenende – ein Plus von über 2,6 Prozent. Nach einer beeindruckenden Performance von rund 160 Prozent im Jahr 2025 bleibt der Düsseldorfer Konzern der „Safe Haven“ in einer Welt, in der Konflikte nicht mehr am Verhandlungstisch gelöst werden.

Wachablösung: BYD stößt Tesla vom Thron

Während die Welt nach Caracas blickt, vollzog sich in der Automobilindustrie eine historische Zäsur, die sich bereits im gestrigen Newsletter andeutete. Nun ist es amtlich: BYD hat Tesla im Gesamtjahr 2025 als weltweit größter Hersteller reiner Elektrofahrzeuge (BEVs) überholt. Die Chinesen setzten 2,26 Millionen Stromer ab, während Tesla bei 1,64 Millionen landete.

Besonders schmerzhaft für Elon Musk: Die am Freitag veröffentlichten Q4-Zahlen verfehlten mit rund 418.000 Auslieferungen die Erwartungen der Analysten (Konsens: ca. 441.000) deutlich. Die Aktie reagierte prompt und verlor zum Wochenausklang 2,6 Prozent auf 438 US-Dollar.

Das Detail: Interessant ist hier die Bewegung des „Smart Money“. Star-Investor Peter Thiel hat bereits im dritten Quartal seine Tesla-Positionen massiv reduziert und setzt stattdessen auf Microsoft. Wenn selbst die loyalsten Tech-Evangelisten Chips vom Tisch nehmen, sollten Privatanleger hellhörig werden. Dennoch notiert Tesla noch immer mit einem KGV von rund 300. Diese Bewertung preist eine Robotaxi-Zukunft ein, die nun liefern muss, während BYD im Hier und Jetzt Marktanteile frisst.

Krypto-Renaissance: XRP und die 90.000er-Marke

Auch am Samstagmorgen reiben sich viele Marktteilnehmer die Augen. Bitcoin klopft mit rund 89.700 US-Dollar wieder vehement an die 90.000er-Marke. Doch die eigentliche Story spielt sich derzeit in der zweiten Reihe ab.

XRP (Ripple) ist über die Marke von 2,00 US-Dollar geschossen und hat – je nach Berechnungsgrundlage – BNB überholt, um sich Platz 3 oder 4 im Ranking der größten Kryptowährungen zu sichern. Der Treiber ist hierbei primär institutionelles Geld. Die neuen ETFs saugen Kapital auf, und die Hoffnung auf regulatorische Klarheit in den USA beflügelt den Kurs.

Der Kontext: Es ist nicht mehr nur der Kleinanleger, der hier spekuliert. Wenn BlackRock und Co. Nettozuflüsse im dreistelligen Millionenbereich an einem einzigen Tag verzeichnen (wie am Freitag geschehen), emanzipiert sich Krypto endgültig zur Asset-Klasse. Die gestrige Warnung vor der Volatilität bleibt bestehen, doch das Momentum liegt eindeutig bei den Bullen.

Lichtblick für Verbraucher: RWE verspricht Entlastung

Zum Schluss noch eine Nachricht, die Ihren Geldbeutel direkt betrifft und die Inflationsthematik in Deutschland tangiert. RWE-Chef Markus Krebber hat sich optimistisch zu den Energiepreisen geäußert. Für 2026 rechnet er mit sinkenden Strom- und Gaspreisen für Endkunden, primär getrieben durch staatliche Zuschüsse zu den Netzentgelten.

Für die Industrie und die Verbraucher ist das ein wichtiges Signal. Sinkende Energiekosten könnten der stotternden deutschen Konjunktur genau den Spielraum geben, den sie braucht. Die RWE-Aktie selbst bleibt ein Basisinvestment für alle, die auf die Energiewende setzen, auch wenn die großen Kurssprünge derzeit eher im Tech- und Rüstungssektor stattfinden.

Fazit und Ausblick

Das Wochenende beginnt mit einem geopolitischen Paukenschlag, der in die Geschichtsbücher eingehen könnte. Die Ereignisse in Venezuela zeigen, dass die Risiken im Jahr 2026 nicht abstrakt, sondern sehr konkret sind. Gleichzeitig sehen wir an der Börse eine extreme Divergenz: Tech-Werte wie Amazon und Mercado Libre werden von Fondsmanagern wie Eric Clark als die großen Gewinner für 2026 gehandelt, während traditionelle Autobauer und selbst einstige Pioniere wie Tesla kämpfen müssen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes. Nutzen Sie die Zeit, um durchzuatmen – der nächste Börsenmontag wird nach diesen Nachrichten garantiert nicht langweilig.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann