Die österreichische Bundesregierung hat ihre Werbeausgaben dramatisch zusammengestrichen. Im ersten Halbjahr 2025 flossen nur noch 3,2 Millionen Euro in Inserate – ein Rückgang von 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Laut den heute veröffentlichten Daten der Medienbehörde KommAustria investierte die Regierung 2024 noch 18,7 Millionen Euro in Werbung. Der radikale Schnitt ist Teil des Sparpakets der neuen Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS.

Verteidigungsministerium führt Restausgaben an

Von den verbliebenen 3,2 Millionen Euro entfiel fast die Hälfte auf das Verteidigungsministerium. Das Bundeskanzleramt reduzierte seine Ausgaben auf magere 42.000 Euro – größtenteils für YouTube und Facebook-Werbung.

Die Kürzungen markieren eine komplette Kehrtwende zur ausgabenfreudigen Kommunikationspolitik unter Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Damals stand die Regierung regelmäßig wegen hoher PR-Ausgaben in der Kritik.

Sparpaket soll EU-Defizitverfahren abwenden

Die drastischen Kürzungen sind zentraler Bestandteil des Sanierungspakets zur Budgetkonsolidierung. Die Regierung will damit ein drohendes EU-Defizitverfahren vermeiden.

Während die Gesamtausgaben der öffentlichen Hand für Werbung nur leicht von 196,5 auf 176,7 Millionen Euro sanken, vollzog der Bund den bei weitem größten Schnitt. Finanzpolitische Sprecher betonen den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.

Google profitiert vom Wandel

Interessant: Trotz der Kürzungen flossen 7,5 Millionen Euro öffentlicher Werbegelder an Google. Die Digitalkonzerne profitieren von der Umschichtung weg von klassischen Printmedien.

Gegen den Bundestrend agiert die Stadt Wien. Sie weitete ihre Werbeaktivitäten deutlich aus und setzt weiterhin stark auf traditionelle Medien.

Medienbranche unter Druck

Der Einbruch der Regierungsinserate stellt für österreichische Medienunternehmen eine Zäsur dar. Jahrelang bildeten staatliche Anzeigen eine verlässliche Einnahmequelle.

Branchenexperten sehen sowohl Herausforderungen als auch Chancen: Der wirtschaftliche Druck auf Verlage wächst, gleichzeitig könnte die redaktionelle Unabhängigkeit gestärkt werden.

Spardruck bleibt bestehen

Der strenge Sparkurs wird voraussichtlich auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten. Eine Rückkehr zum früheren Niveau staatlicher Inseratenkampagnen gilt als unwahrscheinlich.

Die Debatte über eine Neugestaltung der Medienförderung dürfte dadurch weiter an Fahrt gewinnen. Die Regierung könnte ihre Kommunikation künftig stärker über eigene Kanäle abwickeln statt über bezahlte Anzeigen in Fremdmedien.