Ocugen sammelt frisches Geld ein – und zahlt dafür den Preis an der Börse. Die jüngste Kapitalerhöhung verschafft dem Biotech-Unternehmen zwar mehr Zeit für seine Gentherapie-Programme, verwässert aber bestehende Aktionäre deutlich. Parallel dazu liefert ein wichtiger Wirkstoffkandidat starke Studiendaten. Steht die Aktie damit zwischen Finanzierungsdruck und klinischer Chance?

Kapitalerhöhung belastet Kurs

Auslöser für den aktuellen Gegenwind ist eine neue Aktienplatzierung. Ocugen hat in einer sogenannten „registered direct offering“ 15 Millionen neue Aktien zu 1,50 US‑Dollar je Stück ausgegeben und damit brutto 22,5 Millionen US‑Dollar eingesammelt – zu einem Abschlag auf den damaligen Marktpreis.

Nach Abzug von Provisionen und Kosten verbleiben netto rund 20,85 Millionen US‑Dollar. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von RTW Investments, beteiligt waren weitere neue und bestehende institutionelle Investoren. Oppenheimer & Co. fungierte als alleiniger Bookrunner.

Aus Sicht des Managements hat der Schritt einen klaren Zweck: Die Liquiditätsreichweite soll bis in das vierte Quartal 2026 verlängert werden. Das Geld ist vor allem vorgesehen für:

  • allgemeine Unternehmenszwecke und Working Capital
  • Investitionen in Sachanlagen
  • die Weiterentwicklung der Gentherapie-Pipeline
  • allgemeine Verwaltungsaufwendungen

Die Kehrseite: Die Ausgabe von 15 Millionen neuen Aktien erhöht den ausstehenden Aktienbestand spürbar und drückt damit auf den Wert je Anteil. Zusätzlich gilt eine 45‑tägige Lock-up-Vereinbarung für rund 312 Millionen Aktien im Besitz von Vorständen und Direktoren, die einen Verkauf bis zum 9. März 2026 untersagt.

Kursentwicklung und technische Lage

Die Verwässerung und der Preisabschlag der Platzierung haben auf die Stimmung durchgeschlagen. Heute notiert die Ocugen‑Aktie mit 1,33 Euro moderat unter dem Vortagesniveau und damit deutlich unter dem 52‑Wochen-Hoch von 1,91 Euro.

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Trotz der jüngsten Schwäche bleibt das Papier insgesamt volatil: Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität liegt bei über 100 %, während der Kurs mit einem RSI von 44,3 technisch eher neutral wirkt. Auffällig ist der weite Abstand zwischen 52‑Wochen-Tief bei 0,49 Euro und dem aktuellen Niveau – ein Hinweis auf die starken Ausschläge, die Anleger in den vergangenen Monaten erlebt haben.

Positive Studiendaten als Gegengewicht

Die Kapitalmaßnahme erfolgt nicht aus einer klinischen Schwäche heraus, im Gegenteil: Kurz zuvor hatte Ocugen vielversprechende Zwischenergebnisse aus der Phase‑2‑Studie „ArMaDa“ zu OCU410 vorgelegt. Der Gentherapie-Kandidat wird bei geographischer Atrophie infolge trockener altersbedingter Makuladegeneration getestet – einem schweren Augenleiden mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf.

In der 12‑Monats-Interimsanalyse zeigen sich deutliche Effekte:

  • 46 % geringeres Läsionswachstum gegenüber der Kontrollgruppe
  • 54 % Reduktion im mittleren Dosierungsarm
  • keine schwerwiegenden therapiebedingten Nebenwirkungen in Phase 1 und 2
  • rund 50 % der Patienten waren zum 12‑Monats-Zeitpunkt ausgewertet

Damit liegen sowohl Wirksamkeits- als auch Sicherheitsdaten vor, die die Weiterentwicklung von OCU410 stützen. Ocugen plant, die vollständigen Phase‑2‑Daten bis Ende des ersten Quartals 2026 zu präsentieren. Anschließend soll eine zulassungsrelevante Phase‑3‑Studie starten, mit dem Ziel, 2028 einen Zulassungsantrag (Biologics License Application) einzureichen.

Analysten bleiben optimistisch

Trotz der Kursbelastung durch die Kapitalerhöhung bleibt der Analystenkonsens konstruktiv. Chardan Capital bekräftigte am 20. Januar 2026 sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 7 US‑Dollar. Im Schnitt liegen die Analystenziele bei 9 US‑Dollar, die Spanne reicht von 7 bis 15 US‑Dollar und signalisiert damit aus Sicht der Analysten deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau.

Die Bewertungskennzahlen zeigen zugleich, wie spekulativ das Investment ist. Ocugen ist ein vorumsatzliches Biotech-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 465 Millionen US‑Dollar und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 91,68. Vor Einbezug der neuen Mittel lag der Kassenbestand bei 32,56 Millionen US‑Dollar, während die Gesamtverschuldung in Relation zum Eigenkapital mit 933 % sehr hoch ausfällt.

Fazit: Zeit gekauft, Erfolg noch offen

Unterm Strich verschafft die Kapitalerhöhung Ocugen finanziell Luft, geht aber zu Lasten der bisherigen Aktionäre. Der Druck auf den Kurs erklärt sich vor allem aus der Verwässerung und dem Abschlag der neuen Aktien. Als Gegengewicht stehen starke Phase‑2‑Daten von OCU410 und ein klar skizzierter Entwicklungsplan bis hin zur anvisierten Zulassung 2028. Entscheidende Kurstreiber in den kommenden Monaten dürften die vollständige Datenpräsentation bis Ende des ersten Quartals 2026 und der konkrete Start der Phase‑3‑Studie sein.

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