Liebe Leserinnen und Leser,

35 Milliarden US-Dollar. So viel Börsenwert löste sich am gestrigen Freitag innerhalb weniger Handelsstunden bei Intel in Luft auf. 5.000 US-Dollar. Dieser historischen Marke näherte sich fast zeitgleich der Goldpreis, während Silber erstmals die dreistellige Hürde von 100 Dollar nahm. Und 20 Prozent. So tief stürzte die Aktie des deutschen Maschinenbauers Wacker Neuson ab, nachdem ein Übernahmetraum platzte.

Diese nackten Zahlen erzählen die Geschichte einer Woche, die mit geopolitischen Spannungen um Grönland begann und mit einer harten Landung für einen der ältesten Tech-Giganten endete. Es ist eine Marktphase extremer Divergenzen: Während die digitale Welt kurzzeitig ins Stolpern geriet, feierte die analoge Welt der Edelmetalle ein Comeback.

Lassen Sie uns die Scherben und die Glanzstücke der letzten 24 Stunden sortieren.

Das Paradoxon im Silicon Valley

Es war ein brutaler Wochenausklang für Intel-Aktionäre. Die Papiere des US-Chipriesen stürzten um gut 17 Prozent auf 45,07 US-Dollar ab. Was diesen Einbruch so bemerkenswert macht, ist nicht die bloße Kursbewegung, sondern die Begründung, die CFO David Zinsner lieferte.

Wir erleben hier ein bizarres Paradoxon der modernen Halbleiterindustrie: Die Fabriken sind voll ausgelastet, doch das Unternehmen kann nicht liefern. Zinsner musste eingestehen, dass Engpässe – insbesondere bei den kritischen Data-Center-Chips für KI-Anwendungen – die Quartalsprognose verhagelt haben. Es ist eine bittere Ironie: Der Hunger nach Rechenleistung ist unersättlich, doch die Lieferkette in Santa Clara klemmt.

Die Analysten reagierten gnadenlos. Während Zinsner eine Besserung für das zweite Quartal 2026 in Aussicht stellt, bleiben Häuser wie Jefferies und TD Cowen skeptisch. Sie sehen die Probleme bis tief ins Frühjahr hineinreichen. Besonders alarmierend für langfristige Investoren: CEO Lip-Bu Tan gab zu Protokoll, dass bisher erst zwei Kunden die neue 14A-Fertigungstechnik technisch evaluieren. Für ein Unternehmen, das sich mit Milliarden an staatlichen Fördergeldern als westliches Gegengewicht zur asiatischen Dominanz aufbauen will, ist das eine ernüchternde Bilanz.

Interessant war die Reaktion des Gesamtmarktes: Während der Dow Jones (-0,6 %) litt, schloss der tech-lastige Nasdaq mit einem leichten Plus von 0,3 %. Die Anleger werten das Debakel offensichtlich als hausgemachtes Intel-Problem, nicht als generelle KI-Schwäche.

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Die Renaissance der harten Werte

Während Intel mit der Hardware haderte, feierten die Edelmetalle eine historische Party. Gold notiert nur noch einen Hauch unter der psychologisch massiven Marke von 5.000 US-Dollar pro Unze. Noch spektakulärer war jedoch die Entwicklung beim „kleinen Bruder": Silber übersprang erstmals in der Geschichte die Marke von 100 US-Dollar.

Was treibt diese Rallye? Es ist eine Flucht in die physische Sicherheit. Die gestern veröffentlichten Daten der Universität von Michigan gießen hier Öl ins Feuer: Die Inflationserwartungen der US-Verbraucher für das kommende Jahr liegen mit 4,0 Prozent immer noch auf einem Niveau, das Zentralbankern Unbehagen bereitet.

Gleichzeitig sehen wir eine bemerkenswerte Rotation: Während Gold und Silber glänzen, kämpft der „digitale Wertspeicher" Bitcoin weiter mit der 90.000-Dollar-Marke und musste zuletzt Abflüsse aus den US-ETFs hinnehmen. In Zeiten, in denen Zölle wieder als politische Waffe dienen, scheinen Anleger dem zu vertrauen, was man anfassen kann.

Realitätscheck: BASF und Wacker Neuson

Auch vor unserer Haustür gab es gestern wenig Grund zum Jubeln, selbst wenn der DAX sich bei knapp 24.900 Punkten (+0,18 %) stabil ins Wochenende rettete.

Der Chemie-Riese BASF lieferte einen Vorgeschmack auf eine wohl schwierige Berichtssaison. Die Aktie verlor am Freitag 1,7 Prozent, nachdem vorläufige Zahlen einen deutlichen Gewinnrückgang für 2025 offenbarten. Der Hauptbelastungsfaktor ist ein alter Bekannter: China. Der massive Preisdruck aus dem Reich der Mitte macht den Ludwigshafenern zu schaffen. Es ist das strukturelle Dilemma der deutschen Industrie in Reinform – hohe Energiekosten hier, aggressive Preiskonkurrenz dort.

Noch dramatischer traf es die Aktionäre von Wacker Neuson. Der Baumaschinenhersteller stürzte um rund 20 Prozent ab. Der Grund: Die geplante Übernahme durch Doosan Bobcat ist geplatzt. In einem Markt, der Übernahmefantasien oft schon Monate im Voraus einpreist, ist ein solches „Deal-Aus" die Höchststrafe.

Doch wo Verlierer sind, wittern andere Morgenluft. Der Automobilzulieferer Schaeffler konnte sich dem negativen Sog entziehen und legte kräftig um fast 8 Prozent zu. Hier treibt nicht das klassische Lagergeschäft, sondern die Fantasie um humanoide Roboter die Kurse. Ob dies Substanz hat oder nur ein Hype ist, wird das Jahr 2026 zeigen müssen.

Der verunsicherte Konsument

Zum Abschluss ein Blick auf den Motor der Weltwirtschaft: den US-Konsumenten. Der Index der Uni Michigan stieg im Januar final auf 56,4 Punkte. Das ist besser als im Dezember, aber historisch gesehen immer noch ein miserables Niveau – vor einem Jahr lagen wir bei 71,7 Punkten. Die Amerikaner sind verunsichert durch die hartnäckige Inflation und die politische Volatilität.

Ausblick: Die Woche der Wahrheit

Wir gehen mit einer explosiven Mischung in die letzte Januarwoche. Die Fed trifft sich am Dienstag und Mittwoch. Angesichts der Inflationsdaten von 4 Prozent preisen Händler aktuell eine Zinspause ein; eine erste Senkung wird nun erst für Juni erwartet.

Gleichzeitig warten wir auf die Bilanzen der Tech-Giganten wie Microsoft, Meta und Apple. Nach dem Intel-Fiasko wird der Markt hier jedes Wort zur Lieferkette und zur KI-Monetarisierung auf die Goldwaage legen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes. Nutzen Sie die Zeit zum Durchatmen – die Märkte werden ab Montag wieder unsere volle Aufmerksamkeit fordern.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann