Ethereum steht an diesem Januar-Wochenende im Spannungsfeld zweier Entwicklungen: Auf der einen Seite ziehen sich große Adressen und ETF-Anleger spürbar zurück, auf der anderen binden Staker so viel Kapital wie seit Jahren nicht mehr an das Netzwerk. Die Folge ist ein Markt, der kurzfristig unter Druck steht, fundamental aber deutliche Signale langfristigen Vertrauens sendet.

ETF-Abflüsse bremsen den Kurs

Die US-Spot-Ethereum-ETFs haben in dieser Woche eine klare Kehrtwende hingelegt. Die Anfang Januar spürbare Zuversicht ist einer deutlichen Abkühlung gewichen, vor allem getrieben durch den iShares Ethereum Trust (ETHA) von BlackRock, der bislang als wichtiger Motor für Zuflüsse galt.

An den letzten beiden Handelstagen der Woche beschleunigte sich der Abwärtsdruck:

  • Am Donnerstag flossen aus ETHA netto rund 107,65 Mio. US-Dollar ab – einer der größten Tagesabflüsse seit Auflage des Fonds.
  • Am Freitag setzte sich der Trend fort: Insgesamt verzeichneten die Spot-ETFs etwa 93,8 Mio. US-Dollar an Nettoabflüssen, davon rund 83,8 Mio. US-Dollar erneut bei ETHA und etwa 10 Mio. US-Dollar beim Grayscale-Produkt ETHE.

Über die Woche summieren sich die Abflüsse damit auf über 350 Mio. US-Dollar. Das signalisiert eine klare Risikoaversion institutioneller Anleger, die vor dem Hintergrund der jüngsten Volatilität erst einmal Kasse machen. Für den Spotmarkt bedeutet das: zusätzlicher Verkaufsdruck und ein begrenzter Spielraum nach oben.

Aktuell notiert ETH bei rund 3.104 US‑Dollar und damit rund ein Drittel unter dem 52‑Wochen-Hoch, trotz eines leichten Plus auf Sicht von sieben Tagen.

On-Chain: Whale-Verkäufe vs. Staking-Boom

Die On-Chain-Daten zeichnen ein zweigeteiltes Bild: Während langjährige Investoren offenbar Gewinne realisieren, wächst gleichzeitig die Bereitschaft, ETH langfristig zu binden.

Früher Großinvestor zieht Liquidität ab

Beobachter der Blockchain haben in den vergangenen Tagen auffällige Bewegungen eines „OG Whales“ registriert – einer Adresse aus der Frühphase von Ethereum. Am 9. und 10. Januar überwies dieser Investor insgesamt 40.251 ETH im Gegenwert von etwa 124 Mio. US‑Dollar auf die Börse Bitstamp.

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Die Coins stammen aus Beständen, die im Schnitt zu rund 517 US‑Dollar pro ETH aufgebaut wurden. In den letzten Wochen hat diese Adresse damit bereits Vermögenswerte im Umfang von über 175 Mio. US‑Dollar bewegt. Solche Transfers auf zentralisierte Börsen gelten typischerweise als Vorbereitung auf Verkäufe – und erhöhen kurzfristig das Angebot am Markt.

Staking-Warteschlange auf Mehrjahreshoch

Auf der anderen Seite erlebt die Staking-Seite des Netzwerks einen Nachfrageboom. Zum 10. Januar ist die Warteschlange für neue Validatoren auf 1,76 Mio. ETH angewachsen, was einem Volumen von rund 5,5 Mrd. US‑Dollar entspricht.

  • Neue Validatoren müssen derzeit etwa 30 Tage warten, bis sie live geschaltet werden.
  • Die Exit-Queue ist dagegen nahezu leer – staked ETH bleibt also im System, während vor allem liquide Bestände gehandelt werden.

Diese Konstellation deutet darauf hin, dass ein großer Teil des Kapitals bereit ist, ETH für Rendite und Netzwerkbeteiligung langfristig zu sperren. Das reduziert das frei verfügbare Angebot und kann mittelfristig preisstabilisierend wirken, selbst wenn kurzfristig ETF-Abflüsse und Whale-Verkäufe dominieren.

Technische Lage: Eingeklemmt zwischen Support und Abflüssen

Charttechnisch bewegt sich Ethereum aktuell in einer enger werdenden Spanne. Der Markt ringt darum, die Unterstützung zu halten, während Zuflüsse aus dem institutionellen Lager ausbleiben.

  • Die Zone zwischen 3.000 und 3.050 US‑Dollar fungiert als unmittelbare Unterstützungszone. Sie liegt nahe am 50‑Tage-Durchschnitt und hat den jüngsten Rücksetzer bislang aufgefangen.
  • Auf der Oberseite bremst der Bereich um 3.300 US‑Dollar: Hier prallte der Kurs zu Wochenbeginn ab, bevor die ETF-Abflüsse anzogen.

Analysten sehen auf kürzeren Zeiteinheiten ein mögliches „Falling Wedge“-Muster, das häufig als potenzielle Umkehrformation gewertet wird. Gleichzeitig liegt auf dem Tageschart ein Risiko-Szenario in Form einer möglichen „Head-and-Shoulders“-Struktur. Für eine Entspannung der technischen Lage wäre ein klarer Ausbruch zurück über etwa 3.150 US‑Dollar entscheidend, um das bärische Muster zu entkräften.

Netzwerk-Update: Mehr Kapazität für Layer-2

Abseits der Kursentwicklung arbeitet das Ethereum-Protokoll weiter an seiner Rolle als Basisschicht für ein modular aufgebautes Ökosystem. Jüngste Anpassungen der Protokollparameter haben die Datenkapazität für sogenannte „Blobs“ angehoben: Das Ziel wurde auf 14 erhöht, das Maximum auf 21.

Diese Änderung zielt darauf ab, die Kosten für Layer‑2‑Rollups weiter zu senken. Günstigere und effizientere Datenverfügbarkeit für L2-Lösungen stärkt Ethereums Position als Abwicklungsschicht, auf der sich ein breites Geflecht an Skalierungslösungen aufbauen kann. Strategisch passt das in die Ausrichtung auf eine Art „Super Chain“-Architektur, bei der Ethereum vor allem die Sicherheit und Finalität bereitstellt.

Sentiment und Ausblick

Die Marktstimmung rund um Ethereum ist derzeit abwartend und uneinheitlich. Die kräftigen Abflüsse aus dem iShares-ETF – allen voran die 107,65 Mio. US‑Dollar am Donnerstag – stehen einem Rekordstau von 1,76 Mio. ETH in der Staking-Warteschlange gegenüber. Kurzfristig dominieren Trader und Großadressen, die Liquidität freisetzen, während langfristig orientierte Akteure die Schwächephase erkennbar für Staking und Aufbau von Positionen nutzen.

Für die nächsten Tage bleibt vor allem die Zone um 3.050 US‑Dollar im Fokus: Kann Ethereum diese Unterstützung trotz der jüngsten ETF- und Whale-Verkäufe verteidigen, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass der Markt das zusätzliche Angebot aufnimmt und die Grundlage für eine stabilere Preisspanne gelegt ist.

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