Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Zahlen, die mehr sind als bloße Mathematik. Sie sind psychologische Barrieren, deren Überwindung die kollektive Wahrnehmung der Märkte verändert. Am Freitagabend war es so weit: Der Dow Jones Industrial Average schloss erstmals in seiner Geschichte über der Marke von 50.000 Punkten. Ein Meilenstein, den US-Präsident Trump erwartungsgemäß sofort für seine Zollpolitik reklamierte, während nüchterne Analysten eher auf die robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen verweisen.

Doch während in New York die Sektkorken knallten und heute Morgen in Tokio ein politisches Erdbeben für ein Kursfeuerwerk sorgte, vollzieht sich hierzulande etwas viel Subtileres, aber womöglich Nachhaltigeres: Die Stimmung dreht. Der Sentix-Konjunkturindex sendet Signale, die wir in dieser Deutlichkeit lange vermisst haben. Ist das der Beginn einer Trendwende oder nur ein kurzes Aufatmen vor den US-Inflationsdaten am Freitag?

Starten wir in eine Woche, die mit Rekorden beginnt und mit harten Daten enden wird.

Tokios Turbo und die dünne Luft an der Wall Street

Der Wochenstart an den internationalen Börsen stand ganz im Zeichen Asiens. Was sich gestern in den Exit-Polls bereits abzeichnete, ist nun Gewissheit: Der Wahlsieg der Liberaldemokratischen Partei (LDP) und ihrer neuen Premierministerin Sanae Takaichi hat den Nikkei 225 heute Morgen um über 4 Prozent auf ein neues Rekordhoch katapultiert. Die Märkte spielen aggressiv den „Takaichi-Trade": Die Wette auf massive Konjunkturpakete und eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik.

Dieser Optimismus schwappte zum Wochenauftakt auch nach Europa über. Der DAX robbte sich am Vormittag wieder an die 25.000-Punkte-Marke heran, konnte das Niveau aber noch nicht nachhaltig verteidigen und notierte zuletzt bei rund 24.768 Punkten.

Die Vorgaben aus den USA sind dabei historisch, doch Vorsicht ist geboten. Der Schlussstand des Dow Jones über 50.000 Punkten am Freitag markiert zwar eine neue Ära, aber die US-Futures zeigten sich heute Mittag bereits wieder verhalten. Die Luft wird dünner. Die Anleger warten nun gespannt auf den Mittwoch (Arbeitsmarktdaten) und vor allem den Freitag (Inflationszahlen), um zu sehen, ob die Federal Reserve ihren prognostizierten Zinspfad von zwei Senkungen im Jahr 2026 tatsächlich halten kann.

Ein Hauch von Frühling in der deutschen Industrie?

Vielleicht ist es die wichtigste Nachricht des Tages, die im Lärm der globalen Rekorde fast untergeht: Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone hellt sich auf – und zwar spürbar. Der vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindex stieg im Februar zum dritten Mal in Folge und erreichte den höchsten Stand seit Juli 2025.

Besonders spannend ist der Blick auf die Bundesrepublik. Wir gelten oft als der kranke Mann Europas, doch die aktuellen Daten zeigen: Der Patient reagiert auf die Medizin. Der Index für Deutschland kletterte von -16,4 auf -6,9 Punkte. Ein bemerkenswerter Sprung. Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner spricht von Deutschland sogar als einer „ökonomischen Wundertüte" und verweist auf überraschend volle Auftragsbücher, die institutionelle Anleger zunehmend beeindrucken.

Es scheint, als ob die rezessive Phase ihr Ende finden könnte. Allerdings goss Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius heute etwas Wasser in den Wein der Euphorie. In einem Interview warnte er eindringlich vor den hohen Arbeitskosten und einer mangelnden Leistungsbereitschaft hierzulande. Es sei, „als ob man vor einer Fußball-WM sagt, wir trainieren genug, obwohl alle anderen doppelt so viel trainieren". Ein notwendiger Weckruf, der zeigt: Zyklische Erholung ersetzt keine strukturellen Reformen.

Banken im Rausch, Tech mit Katerstimmung

Auf Unternehmensebene sehen wir heute eine interessante Rotation des Kapitals – weg von den High-Flyern, hin zur Substanz.

Die Gewinner: Europas Banken strotzen vor Kraft. Die UniCredit-Aktie legte kräftig zu (+5 bis +6 Prozent), nachdem CEO Andrea Orcel ein massives Ausschüttungsprogramm ankündigte. Bis 2028 sollen fast alle Gewinne an die Aktionäre fließen. Das zog auch die Commerzbank mit nach oben, an der die Italiener bekanntlich eine signifikante Beteiligung halten. Auch Rüstungswerte wie Rheinmetall und Renk (nach einer Kaufempfehlung von Warburg) bleiben gefragt – die geopolitische Lage lässt hier keine Ruhe zu.

Die Sorgenkinder: Im Tech-Sektor herrscht dagegen Katerstimmung, die wir als „AI Hangover" bezeichnen könnten. Zwar investiert Amazon weiter Milliarden und sicherte sich gerade Chips von STMicro (was deren Aktie trieb), doch bei SAP wachsen die Bäume nicht unbegrenzt. Analysten warnen nach den jüngsten Zahlen vor einer Diskrepanz zwischen KI-Euphorie und realem Cloud-Wachstum. Auch PayPal steht unter Druck: Nach enttäuschenden Zahlen und dem Austausch des CEOs kämpft die Aktie mühsam um eine Bodenbildung.

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Krypto-Achterbahn: Die Angst kehrt zurück

Wer am Wochenende nicht auf die Krypto-Charts geschaut hat, rieb sich heute Morgen verwundert die Augen. Bitcoin ist zurück im volatilen Modus. Nach einem „Flash-Crash" am Donnerstag auf 60.000 Dollar kämpfte sich die Leitwährung zwar kurzzeitig über 70.000 Dollar zurück – getrieben vom Optimismus um Japan –, doch heute Mittag bröckelten die Kurse bereits wieder ab (aktuell ca. 68.600 Dollar).

Der „Crypto Fear and Greed Index" steht auf „extreme Angst". Trotz der Zuflüsse in Bitcoin-ETFs am Freitag (über 350 Mio. USD) bleibt der Markt hochgradig nervös. Ethereum verliert noch deutlicher an Boden. Es zeigt sich einmal mehr: In Phasen makroökonomischer Unsicherheit wird Liquidität aus den riskantesten Anlageklassen zuerst abgezogen, selbst wenn die Aktienmärkte feiern.

Was diese Woche entscheidet

Wir stehen am Beginn einer Woche, die die Weichen für den Rest des ersten Quartals stellen könnte. Die 50.000 Punkte im Dow sind ein starkes Symbol, aber Symbole zahlen keine Rechnungen.

Achten Sie in den kommenden Tagen auf zwei Dinge:
1. Die US-Daten: Wenn die Inflation am Freitag „heißer" reinkommt als erwartet, könnte die 50.000er-Marke so schnell fallen, wie sie erklommen wurde.
2. Die deutsche Realität: Halten die positiven Auftragseingänge, was der Sentix-Index verspricht? Am Mittwoch und Freitag wissen wir mehr.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in diese spannende Woche. Bleiben Sie wachsam.

Herzlichst,

Ihr
Eduard Altmann