Liebe Leserinnen und Leser,

die Halbwertszeit der gestrigen Entspannung war erschreckend kurz. Wer glaubte, die Märkte hätten nach dem Sprung über die 25.000er-Marke ihren Gleichgewichtssinn dauerhaft zurückgefunden, wurde heute Morgen eines Besseren belehrt. Wir erleben keinen bloßen Kursanstieg, sondern einen historischen Dammbruch: Gold hat die Marke von 5.000 US-Dollar nicht nur berührt, sondern pulverisiert.

Während die Algorithmen heißlaufen, wirkt diese Flucht in den ältesten sicheren Hafen der Welt fast archaisch – und doch ist die Botschaft glasklar. Die geopolitische Risikoprämie ist mit voller Wucht zurück. Doch während der Blick der Welt auf den Nahen Osten gerichtet ist, entscheidet sich in Frankfurt das Schicksal ganzer Industrien durch einen bloßen Federstrich in Brüssel.

Hier ist, was Sie heute wissen müssen.

Das 5.070-Dollar-Signal

Während der Kaffee in den deutschen Büros noch dampfte, schossen die Notierungen an den Rohstoffmärkten senkrecht nach oben. Gold kletterte in der Spitze um 2,8 Prozent auf über 5.070 US-Dollar, Silber zog sogar um fast 5 Prozent an. Der Auslöser war militärisch präzise: Der Abschuss einer iranischen Drohne durch US-Streitkräfte hat die fragile Ruhe der letzten 24 Stunden beendet.

Die Situation trägt paradoxe Züge. Auf der einen Seite bestätigte Kiew heute einen Hoffnungsschimmer durch Gespräche in Abu Dhabi. Auf der anderen Seite warnt US-Präsident Trump vor „schlimmen Dingen", sollten die Atomgespräche im Oman scheitern. Die Märkte sind gefangen zwischen diplomatischem Poker und militärischer Eskalation.

Für den DAX bedeutete dies einen verhaltenen Start bei rund 24.835 Punkten. Die psychologisch wichtige 25.000er-Marke, die gestern noch als gefestigt galt, erweist sich heute wieder als gläserne Decke.

Gewinner und Verlierer per Dekret

Wie sehr Politik Börsenkurse macht, zeigt sich heute eindrucksvoll am Frankfurter Parkett. Ein Bericht des Handelsblatts über die Verlängerung kostenloser EU-Emissionszertifikate hat den Markt in zwei Lager gespalten.

Auf der Sonnenseite steht die Chemieindustrie. BASF, Evonik und Wacker Chemie reagierten mit deutlichen Aufschlägen. Für diese energieintensiven Konzerne ist die Nachricht aus Brüssel ein faktisches Milliardengeschenk, das ohne unternehmerisches Zutun direkt die Marge stützt.

Ganz anders die Stimmung am Bau: Heidelberg Materials rutschte um 5 Prozent ab. Investoren fürchten, dass die Zementindustrie bei der Verteilung dieser „Verschmutzungsrechte" leer ausgeht oder gegenüber Importen ins Hintertreffen gerät. Es ist eine bittere Lektion: In Europa entscheidet sich die Rendite derzeit oft nicht in der Fabrikhalle, sondern in den Ausschüssen der Regulierer.

Infineon: Die Schaufeln für den Goldrausch

Ein Lichtblick im makroökonomischen Sturm kommt aus München. Infineon lieferte Zahlen, die Analysten aufatmen ließen: 3,66 Milliarden Euro Umsatz und eine Marge von 17,9 Prozent im ersten Quartal übertrafen die Erwartungen.

Viel spannender als der Rückspiegel ist jedoch der Blick nach vorn. Während das klassische Geschäft zyklisch atmet, positioniert sich Infineon aggressiv als KI-Enabler. Analysten von Jefferies und Warburg strichen heraus, dass der Umsatzanteil mit KI-Chips bis 2027 von 10 auf 15 Prozent steigen soll. Infineon beweist damit eine alte Börsenweisheit: Im Goldrausch – hier der künstlichen Intelligenz – verdient man oft am besten an den Schaufeln. In diesem Fall sind es Power-Management-Chips, ohne die kein Rechenzentrum läuft.

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Während Infineon sich als KI-Enabler im Halbleitersektor positioniert, eröffnet die Integration von KI in die physische Welt eine noch größere Investmentchance. Tech-Experte Bernd Wünsche analysiert in seinem kostenlosen Webinar die Robotik-Revolution, die durch KI-Integration vor einem ähnlichen Durchbruch steht wie der Chip-Sektor vor drei Jahren. Er zeigt konkret, welcher Robotik-Champion mit über 75.000 installierten Systemen weltweit und 47-60 Prozent Marktanteil von diesem Megatrend profitieren könnte. Sie erfahren, warum der Robotik-Markt bis 2030 auf 200 Milliarden US-Dollar wachsen soll und wie Sie mit einer spezifischen Aktie positioniert sein können, bevor die breite Masse diesen Trend erkennt. Wünsche erklärt zudem, warum kollaborative Robotik mit 19-30 Prozent jährlichem Wachstum das am schnellsten expandierende Segment darstellt. Details zur Robotik-Revolution und dem Marktführer

UBS: Wenn das „Smart Money" streikt

Weniger Euphorie herrscht am Züricher Paradeplatz. Die UBS meldete zwar einen beeindruckenden Jahresgewinn von 7,8 Milliarden Dollar (+53 Prozent) und hob die Dividende um satte 22 Prozent an. Dennoch strafte der Markt die Aktie mit einem Minus von über 5 Prozent ab.

Der Teufel steckt im Detail des Neugeschäfts. Das „Global Wealth Management", Herzstück der Bank, konnte im vierten Quartal nur noch rund 9 Milliarden Dollar an Neugeldern einsammeln – ein massiver Einbruch gegenüber den 32 bis 38 Milliarden Dollar der Vorquartale. Wenn die globale Elite zögert, ihr Geld der größten Schweizer Bank anzuvertrauen (und stattdessen vielleicht direkt Gold kauft?), ist das ein Warnsignal, das weit über Zürich hinausreicht. Die Integration der Credit Suisse mag technisch laufen, aber das Vertrauen der Kundschaft scheint noch nicht vollständig synchronisiert.

Der Blick auf den Abend: Googles Capex-Wette

Der heutige Handelstag ist nur das Vorspiel für den Abend. Nach Börsenschluss in den USA öffnet Alphabet (Google) die Bücher. Die Umsatzprognose von 111 Milliarden Dollar ist gigantisch, doch die Wall Street wird fast ausschließlich auf eine andere Zahl starren: die Investitionsausgaben (Capex).

Für 2025 liegt die Guidance bei über 90 Milliarden Dollar – primär für KI-Infrastruktur. Die Nervosität steigt: Sollte Google heute Abend signalisieren, dass die Ausgaben 2026 nochmals signifikant klettern, ohne dass die Cloud-Erlöse im gleichen Maße explodieren, könnte die Stimmung im Tech-Sektor kippen. Investoren wollen langsam sehen, wann aus Beton und Silizium echter Cashflow wird.

Quintessenz

Der heutige Tag lehrt uns Demut vor den geopolitischen Realitäten. Ein Goldpreis jenseits der 5.000 Dollar ist kein Grund zur Panik, aber ein unmissverständliches Signal zur Diversifikation. Gleichzeitig zeigt die Reaktion auf Infineon und die Chemie-Werte, dass Stock-Picking lebendiger ist denn je: Wer die regulatorischen Feinheiten und technologischen Nischen versteht, findet auch in einem nervösen Markt Rendite.

Behalten Sie heute Abend die Nachrichtenticker aus dem Nahen Osten und die Google-Zahlen im Auge – diese Kombination wird die Richtung für den restlichen Februar vorgeben.

Ich wünsche Ihnen einen stabilen Mittwoch.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann