Liebe Leserinnen und Leser,

während in Frankfurt noch der Konfetti-Regen der 25.000-Punkte-Party niedergeht, schleichen sich die Profis bereits durch den Hinterausgang davon. Was wir aktuell an den Märkten beobachten, ist eine klassische Divergenz der Wahrnehmung: Privatanleger greifen im Rausch der historischen Höchststände zu, institutionelle Investoren ("Smart Money") nehmen Chips vom Tisch.

Garniert wird dieses Szenario von einem politischen Erdbeben aus Washington, das den Begriff „freier Markt" neu definiert und die Bilanzen der Wall Street ins Mark trifft.

Hier ist, was Sie heute wissen müssen.

Trumps Angriff auf die "Vermieter-Nation"

Es ist der wohl radikalste Eingriff in den US-Immobilienmarkt seit Jahrzehnten. Donald Trump hat am heutigen Donnerstag angekündigt, großen institutionellen Investoren den Kauf von Einfamilienhäusern per sofortigem Dekret zu untersagen. Die politische Botschaft ist populistisch brillant verpackt: Der „American Dream" soll für Familien wieder erschwinglich werden, befreit vom Preisdruck der Großkapitalisten.

Die ökonomische Realität hingegen ist brutal. Die Aktie von Blackstone, dem Symbolbild des institutionellen Vermieters, brach um über 5 Prozent ein. Auch REITs wie Invitation Homes gerieten massiv unter die Räder.

Doch der eigentliche Sprengstoff liegt in der Bilanzstruktur. Experten warnen vor einem „Frozen Portfolio"-Risiko. Rund 1,2 Billionen Dollar an Private-Equity-Investitionen könnten faktisch eingefroren werden. Wenn Institutionen nicht mehr kaufen dürfen, versiegt die Liquidität in diesem 4-Billionen-Dollar-Markt. Wer nimmt den großen Playern die Bestände ab, ohne dass die Preise kollabieren? Für den Häuslebauer in Ohio mag das wie Musik klingen, für die Wall Street ist es ein Tinnitus.

Frankfurt zwischen Auftrags-Boom und Job-Kahlschlag

Zurück nach Deutschland, wo der DAX heute Morgen zeitweise sogar die 25.100 Punkte touchierte. Doch der Blick unter die Motorhaube offenbart Risse im Fundament des Rekordes.

Zum einen gibt es ein vitales Lebenszeichen der Industrie: Die Auftragsbücher füllten sich im November überraschend stark mit einem Plus von 5,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ein Volkswirt der Deutschen Bank konstatiert trocken: „Die Talsohle dürfte durchschritten sein."

Zum anderen holt uns die betriebswirtschaftliche Realität ein. Zalando schließt seinen Standort in Erfurt; 2.700 Beschäftigte stehen vor dem Aus. Während die Aktie an der Börse um Bodenbildung ringt, zeigt dieser Schritt schmerzhaft: Der Kostendruck in der Realwirtschaft bleibt auch im Jahr 2026 unerbittlich.

Gefährlich wird es bei der Marktpsychologie. Der Sentiment-Index der Deutschen Börse signalisiert, dass Profis ihre Positionen drehen und auf fallende Kurse setzen, während Privatanleger die Rallye am Leben halten. Historisch betrachtet ist dies oft das letzte Stadium einer Aufwärtsbewegung, bevor die Korrektur einsetzt.

Rüstung: Goldgräberstimmung mit Fußangel

Der Rüstungssektor bleibt das heiße Eisen, doch Anleger sollten das Kleingedruckte lesen. Donald Trump kündigte eine Erhöhung des US-Militärbudgets für 2027 um satte 50 Prozent an. Reflexartig griffen Anleger in Europa zu – Rheinmetall, Hensoldt und Renk notieren im Plus.

Doch Vorsicht: Trump verknüpft das Geld mit einer Drohung. Er wetterte parallel gegen Konzerne, die Gewinne in Aktienrückkäufe stecken, statt zu investieren, und droht mit Gehaltsobergrenzen für Manager. Die Reaktion an der Wall Street war sofort sichtbar: US-Größen wie Lockheed Martin gaben nach. Die neue Doktrin lautet: Es gibt mehr Geld, aber es wird härter kontrolliert. Für deutsche Werte überwiegt noch die Fantasie, doch das Risiko strikterer Margenkontrollen schwebt nun auch über diesem Sektor.

Anzeige

Während die Rüstungsindustrie von staatlichen Investitionen profitiert, identifiziert Tech-Experte Bernd Wünsche in seinem aktuellen Webinar einen noch fundamentaleren Technologie-Megatrend: den globalen Chip-Krieg zwischen den USA und China. Mit dem 280-Milliarden-Dollar-Chip-Act pumpt Washington massiv Kapital in die Halbleiterindustrie – ähnlich wie jetzt ins Militärbudget, nur mit noch größerer strategischer Tragweite. Wünsche analysiert detailliert, wie Mikrochips zur kritischen Infrastruktur der Weltwirtschaft geworden sind und warum eine spezifische Halbleiter-Aktie vom aktuellen geopolitischen Umbau massiv profitieren könnte. Sie erfahren konkret, welche Chip-Unternehmen von den staatlichen Fördergeldern profitieren, wie sich die Lieferketten neu formieren und warum institutionelle Investoren wie Warren Buffett bereits Milliarden in diesen Sektor umschichten. Das Webinar zeigt Ihnen die Parallelen zwischen historischen Rohstoff-Booms und der aktuellen Chip-Dominanz sowie eine konkrete Investmentstrategie für diesen Technologie-Tsunami. Details zur Chip-Krieg-Analyse und der neuen Nvidia-Alternative

Krypto: Die Schwerkraft kehrt zurück

Während der Aktienmarkt noch feiert, kühlt sich das Krypto-Fieber merklich ab. Bitcoin ist heute unter die psychologisch wichtige Marke von 90.000 US-Dollar gefallen.

Die Dynamik hat sich gedreht: Allein gestern zogen Anleger fast eine halbe Milliarde Dollar aus US-Bitcoin-Spot-ETFs ab. Analysten verweisen auf steigende Renditen bei japanischen Staatsanleihen, die globale Liquidität absaugen. Wenn das „leichte Geld" knapper wird, leiden hochriskante Assets zuerst. Technisch betrachtet könnte der Weg nun bis auf 80.000 Dollar offen sein, sollte die nächste Unterstützung nicht halten.

Das Fazit

Wir erleben einen Donnerstag der Extreme. Ein US-Präsident greift per Dekret tief in die Eigentumsstruktur der größten Volkswirtschaft ein, während der deutsche Leitindex von Hoffnung getragen auf Rekordjagd geht – ungeachtet der Kündigungswellen im E-Commerce.

Die Diskrepanz zwischen dem Optimismus der Kleinanleger und der wachsenden Skepsis der Profis mahnt zur Vorsicht. Der morgige Freitag wird mit den US-Arbeitsmarktdaten den nächsten Realitätscheck liefern. Genießen Sie den Rekord, aber behalten Sie den Notausgang im Blick.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann