Bitcoin steckt seit Wochen in einer engen Handelsspanne fest. Die Volatilität nimmt ab, die Umsätze gehen zurück, und viele Marktteilnehmer wirken zunehmend unentschlossen. Gleichzeitig häufen sich Signale aus On-Chain-Daten, Derivatemarkt und Regulierung, dass die aktuelle Seitwärtsphase nicht ewig so weitergehen dürfte. Steht der Markt vor einer neuen Trendbewegung – oder bleibt Bitcoin im Wartemodus?

Zähe Seitwärtsphase mit leichtem Aufwind

Seit Ende November pendelt Bitcoin in einer breiten Spanne grob zwischen 80.000 und 95.000 US‑Dollar. Diese Konsolidierung läuft inzwischen seit rund 50 Tagen – eine bemerkenswert lange Phase für einen sonst hochvolatilen Vermögenswert.

Aktuell notiert Bitcoin bei rund 91.350 US‑Dollar und damit leicht im Plus gegenüber dem 50‑Tage-Durchschnitt von gut 89.000 US‑Dollar. Vom Rekordhoch bei über 124.000 US‑Dollar im Oktober 2025 ist der Kurs jedoch weiterhin deutlich entfernt, der Abstand liegt bei knapp 27 %.

Auffällig: Das Handelsvolumen an den Spotbörsen ist deutlich zurückgegangen. Im Vergleich zu den aktiven Phasen Ende 2025 mit 80 bis 130 Milliarden US‑Dollar pro Tag bewegen sich die Tagesumsätze nun erheblich niedriger. Das deutet auf abnehmende Risikobereitschaft und eine abwartende Haltung vieler Akteure hin.

On-Chain-Daten: Richtungslose Phase verdichtet sich

On-Chain-Indikatoren zeichnen ein ähnliches Bild. Der sogenannte „Choppiness“-Index von Checkonchain liegt bei rund 53. Dieser Wert steht für zunehmend richtungslose Kursbewegungen und hat in der Vergangenheit häufig intensive Ausbruchsphasen vorbereitet.

Parallel verändert sich die Marktstruktur auf Wallet-Ebene:

  • Wale ziehen sich zurück: Die Zahl der großen Adressen mit 1.000 bis 10.000 BTC ist an einem Tag deutlich zurückgegangen und nähert sich Niveaus, die zuletzt Anfang 2024 gesehen wurden.
  • Verkaufssignale flauen ab: Die Verteilung von Beständen dieser Großadressen scheint sich im Januar zu beruhigen, was auf nachlassenden Verkaufsdruck dieser Gruppe hindeutet.
  • Kleinanleger akkumulieren: Wallets mit weniger als 1 BTC bauen ihre Positionen seit Mitte November aus. Gerade während der Konsolidierung nach dem Oktober-Hoch nutzen kleinere Investoren die Seitwärtsphase, um Bestände zu erhöhen.

Diese Verschiebung von großen zu vielen kleineren Haltern spricht für einen graduellen Übergang von „starken Händen“ zu einer breiteren Anlegerbasis – ein Muster, das in früheren Zyklen oft in längeren Aufwärtstrends mündete, aber kurzfristig auch für mehr Verwundbarkeit sorgen kann.

ETFs, Derivate und Regulierung: Gemischte Signale

ETF-Flows signalisieren Zurückhaltung

Auf der institutionellen Seite zeigen die US‑Spot-Bitcoin-ETFs ein gemischtes Bild. Am 8. Januar verzeichneten die Produkte Nettoabflüsse von rund 399 Millionen US‑Dollar. Die kumulierten Nettomittelzuflüsse sanken damit wieder leicht unter 57 Milliarden auf 56,65 Milliarden US‑Dollar.

Fünf der zwölf ETFs meldeten Abflüsse, angeführt von BlackRocks IBIT mit rund 193 Millionen US‑Dollar und Fidelitys FBTC mit gut 120 Millionen US‑Dollar. Kleinere Anbieter wie Bitwise und WisdomTree konnten dagegen leichte Zuflüsse im niedrigen einstelligen Millionenbereich verbuchen. Insgesamt spiegeln die ETF-Ströme damit dieselbe Vorsicht wider, die sich auch im Spotmarkt zeigt.

Derivatemarkt: Weniger Stress, aber bullische Tendenz

Im Futures-Segment kühlt sich die Lage ebenfalls ab. Die Liquidationen in Krypto-Futures lagen in den letzten 24 Stunden bei etwas über 200 Millionen US‑Dollar, nachdem an den drei Tagen zuvor jeweils mehr als 400 Millionen US‑Dollar glattgestellt worden waren.

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Weitere Eckpunkte:

  • Die implizite 30‑Tage-Volatilität (BVIV) ist von 47,3 % auf 43 % gesunken – Trader preisen also geringere kurzfristige Kursschwankungen ein.
  • Das offene Interesse in Krypto-Futures ist von über 141 Milliarden auf 138,5 Milliarden US‑Dollar zurückgegangen.
  • Die Funding-Rates in Perpetual Futures bleiben jedoch positiv, was auf anhaltende Nachfrage nach Long-Positionen trotz Seitwärtsphase hinweist.

Unterm Strich wirkt der Derivatemarkt weniger überhitzt als noch vor wenigen Tagen, ohne dass sich eine klar bärische Tendenz durchsetzt.

Rechtlicher Meilenstein in Südkorea

Von der Regulierungsseite kommt eine wichtige Weichenstellung: Südkoreas Oberster Gerichtshof hat entschieden, dass Bitcoin-Bestände auf inländischen Börsen wie Upbit und Bithumb nach dem Strafprozessrecht beschlagnahmt werden können.

Das Gericht stuft Bitcoin ausdrücklich als „elektronischen Token“ ein, der eigenständig verwaltet, gehandelt und in seinem wirtschaftlichen Wert substanziell kontrolliert werden kann. Es ist das erste Mal, dass das höchste Gericht des Landes die Pfändbarkeit von Krypto-Vermögenswerten klar bejaht – ein Präzedenzfall, der auch für andere Jurisdiktionen Signalwirkung haben dürfte.

Makro-Umfeld und Stimmung: Unterstützung, aber keine Euphorie

Makroökonomisch bleibt der Hintergrund grundsätzlich freundlich für Risikoanlagen. Die US‑Notenbank wird für 2026 mit einer Zinssenkung um insgesamt 50 Basispunkte erwartet, auch wenn ein Schritt bereits im Januar als unwahrscheinlich gilt.

Der GDPNow-Indikator der Federal Reserve Bank of Atlanta signalisiert für das vierte Quartal 2025 ein reales Wachstum von 5,4 %. Das stützt die Erzählung einer wirtschaftlichen Re-Beschleunigung.

Politisch setzt Präsident Trump ein zusätzliches Zeichen: Er kündigte Pläne an, den Ankauf von bis zu 200 Milliarden US‑Dollar an hypothekenbesicherten Wertpapieren zu forcieren. Laut dem früheren Pimco-Chef Mohamed El‑Erian könnte der politische Druck auf die Fed damit über reine Zinssenkungen hinausgehen und gezielte Wertpapierkäufe zur direkten Beeinflussung der Wohnungsfinanzierung umfassen. Für Bitcoin bedeutet das: Die Erwartung an dauerhafte Liquiditätsunterstützung bleibt ein struktureller Rückenwind.

Trotzdem ist die Stimmung im Kryptomarkt verhalten. Der Fear-&-Greed-Index steht aktuell bei 41, nach 43 am Vortag, und bewegt sich damit nahe der „Angst“-Zone. Angesichts des rund 28‑prozentigen Rückgangs von den Oktober-Höchstständen spiegeln diese Werte eine Mischung aus Ernüchterung und Unentschlossenheit wider.

Der Analyst Samer Hasn von XS.com beschreibt die Lage so: Bitcoin halte sich „kaum über der Marke von 90.000“, der Rückgang werde jedoch „nicht durch Panikverkäufe, sondern durch Zögern“ geprägt. Käufer seien „zurzeit zurückhaltend, den Preis höherzutreiben“, da sie spürten, dass die aktuelle Stimmung nicht ausreiche, um eine weitere längere Rally zu tragen.

Technischer Ausblick: Entscheidende Marken im Blick

Charttechnisch verengt sich die Lage auf einige Schlüsselniveaus:

  • Wichtiger Widerstand: Zwischen 94.000 und 97.300 US‑Dollar liegt eine zentrale Zone. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde den Weg in Richtung 100.700 US‑Dollar öffnen, mit anschließenden Potenzialzonen im Bereich von 105.000 bis 108.000 US‑Dollar.
  • Zentrale Unterstützung: Die Marke von 90.000 US‑Dollar fungiert aktuell als psychologisch und technisch wichtige Haltelinie. Ein Bruch könnte Anschlussverkäufe in Richtung 86.900 und 80.500 US‑Dollar nach sich ziehen.

Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit zur Konsolidierung im April 2025. Damals bewegte sich Bitcoin 52 Tage lang in einer Spanne zwischen 76.000 und 85.000 US‑Dollar, bevor ein neuer Aufwärtsschub einsetzte, der schließlich in das Allzeithoch über 126.000 US‑Dollar mündete.

Marktbeobachter sprechen in solchen Phasen von einer „zeitbasierten Kapitulation“: Nicht ein plötzlicher Crash, sondern langes Seitwärtspendeln führt dazu, dass ungeduldige Anleger aufgeben und aussteigen. Dieses Muster passt zur zunehmenden Reife von Bitcoin als Anlageklasse – und legt nahe, dass die aktuelle Ruhe früher oder später einem deutlicheren Richtungsimpuls weichen dürfte, sobald eine der genannten Schlüsselmarken überzeugend überwunden oder unterschritten wird.

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