Bitcoin: Ruhe vor Bewegung?
Bitcoin startet ins Jahr 2026 mit einem bemerkenswert stabilen Bild: enge Handelsspanne, abnehmender Verkaufsdruck und ein Markt, der eher ausgeglichen als euphorisch wirkt. Nach den nervösen ETF-Abflüssen zum Jahresende 2025 richtet sich der Blick nun auf die Frage, wie das Zusammenspiel aus Technik, Regulierung und institutionellen Strömen den Kurs im 17. Jahr der Kryptowährung prägen wird.
Aktuelle Marktphase: Stabilisierung nach ETF-Stress
Zum Jahreswechsel hat sich Bitcoin aus dem Muster der anhaltenden Schwäche zum Ende von 2025 gelöst. Statt weiterer Abgaben zeigt sich eine Phase der Beruhigung, in der sowohl institutionelle als auch private Marktteilnehmer ihre Positionierung überdenken.
Der Kurs liegt aktuell bei rund 88.700 US‑Dollar und damit nur knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt. Gleichzeitig notiert Bitcoin etwa 29 % unter seinem 52‑Wochen-Hoch, aber nur wenige Prozent über dem jüngsten Jahrestief – ein Bild zwischen Konsolidierung und Suchbewegung nach einer neuen Richtung.
Die enge Handelsspanne der vergangenen zwei Wochen – grob zwischen 85.000 und 90.000 US‑Dollar – bestätigt dieses Bild. Unterstützungszonen werden im Bereich von 88.000 bis 88.500 US‑Dollar gesehen, während der Widerstand zwischen 90.000 und 92.000 US‑Dollar verläuft. Erst ein klarer Ausbruch über 92.000 US‑Dollar dürfte das kurzfristige Momentum wieder deutlicher auf die Oberseite drehen, ein Bruch unter 88.000 US‑Dollar dagegen den Bereich um 85.000 US‑Dollar erneut ins Spiel bringen.
Technische Signale: Enge Bänder, hohes Potenzial
Technisch fällt vor allem ein Punkt auf: Die Bollinger Bänder sind so stark zusammengezogen wie zuletzt im Juli. Der Abstand beträgt weniger als 3.500 US‑Dollar – ein klassisches „Squeeze“-Signal, das statistisch häufig größeren Bewegungen vorausgeht.
Weitere Indikatoren unterstreichen die abwartende, aber nicht panische Marktphase:
- Der RSI (14 Tage) liegt mit rund 38 Punkten im unteren neutralen Bereich, aber klar über überverkauften Niveaus.
- Die 30‑Tage-Volatilität ist mit annualisierten gut 22 % moderat und spiegelt die enge Handelsspanne wider.
Aus technischer Sicht steht Bitcoin damit an einem Punkt, an dem schon kleinere Impulse – etwa durch Makrodaten, Regulierungssignale oder starke ETF-Ströme – eine überproportionale Kursreaktion auslösen könnten.
On-Chain-Daten: Gleichgewicht statt Kapitulation
On-Chain-Metriken zeichnen ein Bild des Gleichgewichts zwischen Gewinnmitnahmen und struktureller Nachfrage:
- Der Spent Output Profit Ratio (SOPR) liegt knapp unter neutral bei 0,994. Coins werden also nahe ihrem Einstandspreis bewegt – weit entfernt von panikgetriebenen Verkäufen.
- Der Long-Term Holder (LTH) Distribution Pressure Index befindet sich in der Akkumulationszone. Mit einem Z‑Score von -1,628 klar unter der -1,5‑Schwelle ist die Verkaufsaktivität langfrister Investoren gering.
- Die 7‑Tage-Durchschnittsausgaben der LTH liegen bei rund 221 BTC, während der entsprechende SOPR mit 1,13 darauf hindeutet, dass langfristige Adressen selektiv, aber profitabel realisieren.
Besonders wichtig: Die BTC-Bestände auf zentralisierten Börsen sind auf ein Mehrjahrestief von rund 2,75 Millionen BTC gefallen. Das spricht für anhaltende Abflüsse in Richtung Eigenverwahrung und verstärkt den Eindruck, dass struktureller Verkaufsdruck abnimmt.
ETF-Ströme: Schwäche zum Jahresende, starker Nettozufluss im Gesamtbild
Die US-gehandelten Spot-Bitcoin-ETFs hatten im November und Dezember 2025 ihre bisher schwächste Phase:
- November: Nettoabflüsse von 3,48 Milliarden US‑Dollar
- Dezember: weitere 1,09 Milliarden US‑Dollar an Abflüssen
- Insgesamt: 4,57 Milliarden US‑Dollar Nettoabflüsse in zwei Monaten
Treiber der Abflüsse waren vor allem die großen Produkte von BlackRock (IBIT), Fidelity (FBTC) und Grayscale (GBTC). Im Kontext des Gesamtjahres relativiert sich das Bild jedoch deutlich:
- Kumulierte Nettozuflüsse in US‑Spot-ETFs: 56,61 Milliarden US‑Dollar
- Gesamtvermögen der Spot-ETFs: 113,29 Milliarden US‑Dollar
- ETF-Anteil an der Bitcoin-Marktkapitalisierung: rund 6,5 %
Marktbeobachter ordnen die jüngsten Abflüsse daher eher als strukturelle Anpassung ein – etwa Umschichtungen, Gewinnmitnahmen und Rebalancing zum Jahresende – und nicht als Fluchtbewegung. Ein Kommentar von Giottus-CEO Vikram Subburaj bringt es auf den Punkt: Schwächere Hände steigen aus, während kapitalstarke Adressen das Angebot aufnehmen.
Regulierung: 2026 als Weichensteller
Auf der regulatorischen Seite stehen 2026 wichtige Weichenstellungen an, die den Markt weiter institutionalisieren könnten.
Bereits 2025 wurde der GENIUS Act zu Stablecoins verabschiedet. Nun rückt mit dem CLARITY Act die Marktstruktur-Gesetzgebung in den Fokus, die nach Aussagen von White-House-Krypto-Berater David Sacks Anfang 2026 im US-Senat diskutiert werden soll. Anhörungen werden bereits für Januar erwartet.
Parallel dazu hat SEC-Chef Paul Atkins ein Konzept für eine „Innovation Exemption“ skizziert. Diese Ausnahmeregelung soll Krypto-Start-ups ermöglichen, neue Produkte unter erleichterten Bedingungen zu testen – bei gleichzeitig grundlegenden Verbraucherschutzstandards.
Ein weiterer Baustein: Fünf nationale Trust-Banklizenzen mit Digital-Asset-Fokus – darunter BitGo, Circle, Fidelity Digital Assets, Paxos und Ripple – erhielten im Dezember 2025 eine vorläufige Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC. Das erleichtert Verwahrung, Handel und Abwicklung digitaler Vermögenswerte für professionelle Kunden und dürfte die institutionelle Durchdringung weiter erhöhen.
17 Jahre Bitcoin: Symbolik und Halving-Phase
Am 3. Januar 2026 feiert Bitcoin seinen 17. Jahrestag: Um 18:15:05 UTC wurde 2009 der Genesis Block gemint, in den Satoshi Nakamoto die berühmte „Times“-Schlagzeile zum drohenden zweiten Bankenrettungspaket einbettete. Die Kryptowährung ist damit längst aus der Experimentierphase herausgewachsen.
Netzwerktechnisch befindet sich Bitcoin in der Post-Halving-Phase nach der vierten Halbierung am 20. April 2024 (Blockhöhe 840.000). Die Blocksubvention beträgt seitdem 3,125 BTC. Historisch waren die Monate nach einem Halving oft von erhöhter Spekulation, aber auch von einer allmählichen Angebotsverknappung geprägt, die mittel- bis langfristig Preisfantasie schaffen kann.
Prognosen: Von 50.000 Risiko bis 200.000 Chance
Die Spannbreite der Kursprognosen für 2026 ist außergewöhnlich breit:
- Standard Chartered: 150.000 US‑Dollar bis Jahresende
- Bitwise und Bernstein: jeweils 200.000 US‑Dollar Zielmarke
- JPMorgan: rund 170.000 US‑Dollar
- Citibank: 133.000 US‑Dollar
- Copper Research: 138.000–148.000 US‑Dollar, basierend auf beobachteten „Cost-Basis-Return-Zyklen“ in der Spot-ETF-Ära
Auf der anderen Seite stehen deutlich vorsichtigere Stimmen. Bloomberg-Stratege Mike McGlone hält eine Rückkehr in Richtung 50.000 US‑Dollar im Zuge einer allgemeinen Normalisierung von Risikoassets für möglich. Die Research-Abteilung von CryptoQuant sieht Bitcoin auf Basis technischer und On-Chain-Signale bereits in einer Bärenmarktphase.
Ein Blick in die Historie liefert zumindest einen statistischen Lichtblick: In der Woche nach dem 31. Dezember zeigte Bitcoin über seine gesamte Preisgeschichte hinweg nur in drei Fällen eine negative Performance. Daraus ergibt sich grob eine Zwei-Drittel-Wahrscheinlichkeit, dass die erste Januarwoche mit einem Plus endet – ein Muster, das kurzzeitig Rückenwind geben könnte, aber keine Garantie ist.
Fazit: Enger Korridor, wachsender Unterbau
Bitcoin startet 2026 in einer Phase komprimierter Volatilität und charttechnisch enger Spannen, während die strukturellen Faktoren eher konstruktiv wirken: langfristige Halter bauen Positionen aus, Börsenbestände sinken und Spot-ETFs bleiben trotz jüngster Abflüsse ein starkes Vehikel mit signifikanten Nettozuflüssen. Gleichzeitig nimmt die regulatorische Klarheit zu, was insbesondere für institutionelle Anleger entscheidend ist.
Kurzfristig bleibt der Bereich um 90.000 US‑Dollar die zentrale Orientierungsmarke, mittelfristig dürften jedoch vor allem ETF-Ströme, regulatorische Entscheidungen in den USA und das Verhalten langfristiger Investoren bestimmen, ob aus der aktuellen Ruhe eine Aufwärts- oder Abwärtsbewegung entsteht.
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