Bitcoin: Langfriststrategie überprüft
Bitcoin startet ins neue Jahr mit Gegenwind und Rückenwind zugleich. Nach einer schwankungsreichen Woche pendelt der Kurs aktuell um die Marke von 90.000 Dollar, während am Derivatemarkt Milliardenpositionen auslaufen und wichtige US-Konjunkturdaten anstehen. Besonders spannend: Die kurzfristige Gewinnmitnahme scheint nachzulassen, während sich ETF-Ströme und Optionsmärkte neu sortieren. Reicht diese Mischung, um aus der aktuellen Seitwärtsphase auszubrechen?
Kursbild und Marktlage
Bitcoin konsolidiert nach einer wilden Phase Ende 2025 in einer vergleichsweise engen Spanne. Kurzfristig dominieren technische Marken und Derivateströme das Bild: Der Spotpreis bewegt sich in einem Bereich, in dem viele Optionspositionen auslaufen und Händler ihre Absicherungen anpassen.
Im größeren Bild bleibt die Ausgangslage gemischt. Einerseits ist der Kurs seit Jahresbeginn leicht im Plus, andererseits liegt Bitcoin noch klar unter seinem Hoch der vergangenen zwölf Monate. Mit rund 90.400 Dollar notiert BTC rund 27 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber nur gut 7 % über dem Zwölfmonatstief – ein typisches Bild für eine Zwischenphase nach einem starken Aufwärtstrend.
Technisch fällt zudem auf: Der RSI um 38 signalisiert eher abgekühlte Dynamik als Überhitzung, während der aktuelle Kurs leicht über dem 50‑Tage-Durchschnitt liegt, aber deutlich unter dem 100‑Tage-Schnitt. Der Markt tastet sich damit an eine mögliche Bodenbildung heran, ohne dass bislang ein klarer Trendwechsel nach oben bestätigt wäre.
ETF-Flows: Vorsicht statt Euphorie
Besonders aufmerksam verfolgt der Markt die US‑Spot-Bitcoin-ETFs. Der Jahresauftakt schien zunächst vielversprechend: In den ersten beiden Handelstagen 2026 flossen über 1 Milliarde Dollar netto in die elf US‑gelisteten Produkte. Doch die Stimmung kippte schnell.
In den darauffolgenden drei Handelstagen drehte das Bild komplett: Es kam zu Abflüssen von insgesamt 1,128 Milliarden Dollar, womit die frühen Zuflüsse nahezu vollständig neutralisiert wurden. Die Botschaft: Von einem kontinuierlichen, überzeugten Aufbau langfristiger Positionen kann aktuell keine Rede sein.
ETF-Anbieter und Marktteilnehmer werten dieses Muster eher als taktische Umschichtung denn als breit angelegtes Neugeld. Institutionelle Investoren agieren vorsichtig, auch weil sich die Rahmenbedingungen im Makro- und Zinsumfeld eintrüben. Die Folge: ETF-Flows verstärken die ohnehin nervöse Seitwärtsbewegung, statt einen klaren Trend zu setzen.
Optionen und Derivate: Markt „gepinnt“
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der heutige große Verfall an den Kryptoderivate-Börsen. Auf der Plattform Deribit laufen Optionen auf Bitcoin und Ethereum im Volumen von rund 2,2 Milliarden Dollar aus. Brisant: Bitcoin handelt nahezu exakt am sogenannten „Max-Pain“-Level von 90.000 Dollar, also jenem Kurs, an dem die meisten Optionskäufer gleichzeitig am wenigsten profitieren.
Die Optionskennzahlen unterstreichen das Gleichgewicht:
- Call-Open-Interest: 10.105 Kontrakte
- Put-Open-Interest: 10.633 Kontrakte
- Put/Call-Ratio: 1,05
Diese weitgehend symmetrische Positionierung zwingt viele Market Maker und Dealer zu intensiver Hedging-Aktivität. Das kann den Spotpreis förmlich „festnageln“, weil Gegenpositionen im Futures- oder Kassamarkt laufend angepasst werden müssen. Die Folge: Die Volatilität bleibt bis zum Verfall gedrückt, klare Trendbewegungen werden ausgebremst.
Marktbeobachter rechnen damit, dass sich die Lage nach dem Verfall etwas entspannt. Wenn die Absicherungszwänge der Dealer wegfallen, könnte sich der Kurs leichter in eine Richtung lösen – ob nach oben oder unten, hängt dann stärker von fundamentalen Impulsen ab.
Fundamentaldaten im Netzwerk
Abseits von Preis und Derivaten liefert die Blockchain selbst ein recht robustes Bild.
Mining und Hashrate
Die Rechenleistung des Netzwerks bleibt hoch, auch wenn es zuletzt eine leichte Abkühlung gab:
- Durchschnittliche Hashrate (7‑Tage‑SMA): 1.054 EH/s (–4,1 % zur Vorwoche)
- Aktuelle Difficulty: 148,26 T
- Durchschnittliche Blockzeit: 10 Minuten 6 Sekunden
- USD‑Hashprice: 40,08 Dollar je PH/s/Tag (+7,8 % zur Vorwoche)
Miner haben in der vergangenen Woche rund 3.170 BTC an Block Rewards vereinnahmt, umgerechnet etwa 284 Millionen Dollar. Transaktionsgebühren spielten dabei mit einem Anteil von 0,62 % an den Gesamterlösen nur eine Nebenrolle. Die Kombination aus hoher Hashrate und stabiler Difficulty zeigt: Das Sicherungsniveau des Netzwerks ist weiterhin hoch, selbst wenn einzelne Miner kurzfristig unter Preisschwankungen leiden.
On-Chain-Aktivität und Gewinnmitnahmen
Deutlich spannender für den Preis ist der Blick auf die Gewinnmitnahme. Laut Glassnode-Daten hat sich der realisierte Gewinn zum Jahreswechsel spürbar abgekühlt. Ende Dezember fiel der Wert auf rund 183,8 Millionen Dollar pro Tag – nach zuvor anhaltend hohen Niveaus von über 1 Milliarde Dollar pro Tag im Großteil des vierten Quartals 2025.
Diese Abnahme legt nahe, dass der Verkaufsdruck von investoren, die Gewinne sichern wollten, weitgehend abgetragen ist. Die „Angebotsseite“, die den Markt zuletzt gedeckelt hat, verliert damit an Kraft.
Parallel dazu zeigt der Short-Term-Holder-MVRV (ein Verhältnis, das die Buchgewinne oder -verluste frischer Käufer misst) eine Erholung von 0,79 auf 0,95. Kurzfristige Anleger sitzen im Schnitt noch auf einem nicht realisierten Verlust von etwa 5 %. Das erklärt, warum viele eher abwarten, statt zu aggressiv zu verkaufen – die Bereitschaft zu panikartigen Abgaben bleibt begrenzt.
Makro-Trigger: Jobs und Zölle
Kurzfristig schauen Kryptotrader heute besonders auf zwei externe Faktoren aus den USA.
US-Arbeitsmarktdaten
Um 13:30 Uhr UTC werden die Daten zu den Nonfarm Payrolls für Dezember veröffentlicht. Erwartet wird ein Beschäftigungszuwachs von 55.000 bis 73.000 Stellen, bei einer prognostizierten Arbeitslosenquote von 4,5 %. Ebenfalls im Fokus: Die durchschnittlichen Stundenlöhne, da sie Hinweise auf den Inflationsdruck liefern.
Ein weicherer Arbeitsmarkt – also schwächere Beschäftigungszahlen oder ein moderater Lohnanstieg – könnte die Risikobereitschaft anheben, weil der Druck auf die US‑Notenbank nachlassen würde. Stabile oder überraschend starke Daten dürften dagegen eher für ein Umfeld sprechen, in dem Bitcoin und andere Risikoanlagen in ihrer Spanne verbleiben.
Supreme-Court-Entscheidung zu Zöllen
Zudem wird eine Entscheidung des US‑Supreme Court zu den unter Notstandsbefugnissen verhängten Zöllen der Trump‑Administration erwartet. Im Kern geht es darum, ob diese Zollhoheit in dieser Form rechtlich Bestand hat. Auf der Prognoseplattform Polymarket sehen Trader die Wahrscheinlichkeit, dass der Supreme Court diese Vollmachten explizit bestätigt, lediglich bei 24 %.
Für Kryptomärkte sind Zollthemen keineswegs nur Randrauschen. Anfang 2025 fiel Bitcoin im Zuge neuer Zollankündigungen zeitweise auf etwa 74.000 Dollar, bevor sich der Kurs mit dem Fortschritt der Verhandlungen wieder erholte. Handelskonflikte schlagen also durchaus auch auf die Risikobereitschaft im Kryptobereich durch.
Marktstruktur und Ausblick
Strukturell startet Bitcoin mit aufgeräumteren Karten in die zweite Woche des Jahres 2026. Die große Optionsfälligkeit vom 26. Dezember hat über 45 % der offenen Positionen aus dem Markt gespült. Viele der Konstellationen, die zuvor zu künstlichen „Preisankern“ führten, wurden damit aufgelöst.
Nun zeigen sich erste Anzeichen einer vorsichtigen Wiederbelebung:
- ETF-Flows scheinen sich nach den jüngsten Abflüssen zu stabilisieren
- Das Open Interest an Futures-Börsen zieht langsam wieder an
- In den Optionsmärkten verschiebt sich das Interesse zunehmend auf Kontrakte mit Aufwärtspotenzial
Die Bandbreite der veröffentlichten 2026‑Prognosen ist dennoch enorm: Sie reicht von 75.000 Dollar auf der Unterseite bis zu 225.000 Dollar nach oben. Das spiegelt die Unsicherheit über Regulierungsentscheidungen und den weiteren Verlauf von Inflation, Zinsen und Wachstum.
Am Ende steht ein Bitcoin-Markt, der sich aus einer Phase intensiver Gewinnmitnahmen und komplexer Derivatestrukturen löst und nun stärker von Makrofaktoren und frischen Kapitalströmen geprägt wird. Kurzfristig dürften die heutige Arbeitsmarktveröffentlichung und das Supreme-Court-Urteil die Richtung vorgeben, während für einen nachhaltigen Aufwärtstrend vor allem ein stabiler Ausbruch über die Widerstandszone um 92.000 Dollar und darüber hinaus entscheidend wäre.
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