Bayer, Samsung & Rüstungswerte: Wenn Hoffnungsschimmer, Rekordgewinne und Militärbudgets die Märkte antreiben
Liebe Leserinnen und Leser,
320 Milliarden Dollar – diese Zahl geistert seit Tagen durch die Schlagzeilen. Angeblich soll Bayer seit der Monsanto-Übernahme so viel Marktkapitalisierung verloren haben. Doch die Mathematik lügt: Bayers Börsenwert lag 2018 bei rund 60 bis 70 Milliarden Dollar. Ein Verlust von 320 Milliarden? Unmöglich. Dennoch: Die Aktie hat massiv gelitten – und zeigt jetzt erste Lebenszeichen. Während in Südkorea Samsung mit Rekordgewinnen aufwartet und Rüstungskonzerne von Trumps Militärplänen profitieren, sortieren sich die Märkte neu. Der Donnerstag bringt Klarheit in drei Richtungen: Pharma mit Hoffnung, Tech mit Zahlen und Rüstung mit politischem Rückenwind.
Bayer: Glyphosat-Hoffnung trifft auf EU-Lockerung
Die Bayer-Aktie nähert sich ihrem jüngsten Hoch seit November 2023 – am Donnerstag kletterte sie bis auf 39,05 Euro und damit auf einen Cent an die Marke heran. Der Kurs zog um knapp ein Prozent an und profitierte von zwei Entwicklungen: Zum einen berichtet die "Financial Times" über eine Lockerung der EU-Regeln für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen. Die EU-Institutionen hätten sich nach mehrjährigen Verhandlungen darauf geeinigt, die Verwendung entsprechender Saatgut-Produkte zu erleichtern. Für Bayer, das mit der Monsanto-Übernahme massiv auf Agrartechnologie gesetzt hat, könnte das mittelfristig den europäischen Markt öffnen.
Zum anderen richtet sich der Blick auf die USA: Sollte Bayer vor dem obersten US-Gericht im Glyphosat-Streit einen Befreiungsschlag landen, dürfte die Aktie laut Börsenbrief-Autor Hans Bernecker "weiter deutlich zulegen". Analysten von JPMorgan, Morgan Stanley und Barclays wurden zuletzt optimistischer. Hinzu kommt eine neue Kooperation mit Soufflé Therapeutics bei zellspezifischer siRNA-basierter Herztherapie – ein Zeichen, dass Bayer auch jenseits von Glyphosat an seiner Pipeline arbeitet. Seit dem Frühjahrstief bei knapp 18 Euro hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Die lange Talfahrt seit 2018 scheint gestoppt.
Samsung: KI-Boom treibt Gewinn auf Rekordhoch
In Seoul kletterte die Samsung-Aktie am Donnerstag zunächst auf ein Allzeithoch von 144.500 Won, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Am Ende stand ein Minus von einem Prozent – doch die Zahlen dahinter beeindrucken: Der Betriebsgewinn hat sich im vierten Quartal auf rund 20 Billionen Won (etwa 11,8 Milliarden Euro) mehr als verdreifacht. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 93 Billionen Won – ebenfalls ein Rekord. Beide Werte übertrafen die Erwartungen der Analysten.
Der Grund für den Boom ist klar: Die Nachfrage nach Speicherchips für Künstliche Intelligenz kennt keine Grenzen. Samsung dominiert zusammen mit SK Hynix und Micron den Markt für DRAM-Chips und hat zuletzt bei HBM-Chips (High Bandwidth Memory) aufgeholt. Diese gestapelten Hochleistungsspeicher sind das Rückgrat moderner KI-Rechenzentren. Besonders die jüngste Generation HBM4 überzeugt laut Branchenexperten. In den vergangenen zwölf Monaten legte die Aktie um fast 150 Prozent zu – ein Beleg dafür, dass der KI-Boom nicht nur Nvidia, sondern auch die Zulieferer beflügelt. Die detaillierten Ergebnisse folgen am 29. Januar.
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Rüstungswerte: Trumps 1,5-Billionen-Dollar-Plan beflügelt Europas Industrie
US-Präsident Donald Trump will das Militärbudget für 2027 von einer Billion auf 1,5 Billionen Dollar aufstocken – eine Erhöhung um 50 Prozent. Ob der Kongress das mitträgt, ist fraglich. Doch die Ankündigung allein genügt, um Rüstungsaktien auf beiden Seiten des Atlantiks anzutreiben. Rheinmetall stieg am Donnerstag um über zwei Prozent und kratzte erstmals seit Mitte Oktober wieder an der 1.900-Euro-Marke. RENK und TKMS folgten mit Gewinnen, während Hensoldt leicht nachgab.
Besonders interessant: Analysten sehen auch europäische Konzerne als Profiteure. Chloe Lemarie von Jefferies hebt BAE Systems und Leonardo hervor, die bedeutende Umsatzanteile in den USA generieren. Die britische BAE-Aktie sprang um 6,5 Prozent, Leonardo in Mailand um 3,5 Prozent. Trump setzt derweil US-Rüstungskonzerne unter Druck: Er fordert den Stopp von Dividenden und Aktienrückkäufen, bis die Produktion hochgefahren ist. Manager sollen maximal fünf Millionen Dollar verdienen dürfen. Lockheed Martin, Northrop Grumman und RTX verloren zunächst bis zu fünf Prozent, erholten sich aber nachbörslich wieder deutlich. Für europäische Anleger könnte das eine Umschichtung bedeuten: Wenn US-Titel unter politischem Druck stehen, rücken deutsche und britische Alternativen in den Fokus.
Nestlé: Rückruf weitet sich aus – Reputationsrisiko wächst
Der Rückruf von Babynahrung bei Nestlé nimmt immer größere Dimensionen an. Waren zunächst gut 30 Länder betroffen, sind es inzwischen mindestens 50. Betroffen sind Märkte in Lateinamerika, Asien, Afrika, dem Nahen Osten sowie Europa – darunter Brasilien, Chile, China, Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Australien und Neuseeland wurden hinzugefügt. In Europa erfolgten Rückrufe in mindestens 27 Märkten. Für die USA und Kanada wurde dagegen bislang kein Rückruf angeordnet.
Nestlé geht davon aus, dass die finanziellen Folgen überschaubar bleiben: Der Rückruf mache deutlich weniger als 0,5 Prozent des Jahresumsatzes aus. Doch Analysten warnen vor Reputationsschäden. Jefferies spricht von "hohen Umsatzverlusten", sollten sich die Bedenken der Konsumenten hinziehen. Konkurrenten wie Danone könnten profitieren. Auch Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy sieht Risiken – vor allem in der Kommunikation. Kritik kommt von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch: Nestlé und Behörden hätten teilweise wochenlang gewartet, bis sie informierten. Die Nestlé-Aktie zeigte sich am Donnerstag stabil, doch das Thema dürfte die neue Unternehmensführung unter CEO Philipp Navratil noch länger begleiten.
Evotec: US-Tochter erhält Gates-Förderung
Während Bayer und Nestlé mit unterschiedlichen Herausforderungen kämpfen, gibt es bei Evotec positive Nachrichten aus den USA. Die Tochtergesellschaft Just Biologics hat neue Fördermittel der Gates Foundation erhalten. Die Investition soll in den nächsten drei Jahren zehn neue Projekte mit der Moleküldesign-Suite J.MD zur KI-gestützten Entwicklung von Biotherapeutika ermöglichen. Im Fokus stehen weltweit relevante Gesundheitsindikationen. Die Technologie optimiert bereits in frühen Phasen die Herstellbarkeit, Stabilität und Wirksamkeit von Biologika – entscheidend, um Kosten zu senken und den globalen Zugang zu erweitern.
Die Evotec-Aktie legte auf Tradegate um 2,4 Prozent zu und knüpfte damit an ihren starken Lauf der vergangenen Tage an. Seit Dienstag summiert sich das Plus auf rund 17 Prozent. Rückenwind kam auch von der Amgen-Übernahme des britischen Biotechunternehmens Dark Blue Therapeutics, an dem Evotec mit 21 Prozent beteiligt ist. Der Deal könnte bis zu 840 Millionen Dollar schwer sein – und schürt Übernahmefantasien für Evotec selbst.
Ausblick: Jobdaten und geopolitische Spannungen
Am Freitag stehen die US-Arbeitsmarktdaten für Dezember an – ein Termin, der die Zinsfantasie weiter beeinflussen dürfte. Zuletzt zeigte der ISM-Service-Index eine robuste US-Wirtschaft, was die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen dämpfte. Gleichzeitig bleiben geopolitische Risiken präsent: Die US-Intervention in Venezuela und die diplomatischen Spannungen zwischen China und Japan sorgen für Unsicherheit. Peking hat Exportkontrollen gegen Tokio verhängt und eine Anti-Dumping-Untersuchung gegen japanische Chemieimporte eingeleitet – ein Schritt, der die Halbleiterindustrie treffen könnte. Japanische Chipwerte wie Advantest, Renesas und Tokyo Electron verloren am Donnerstag bis zu vier Prozent. Auch die SoftBank-Aktie sackte um 7,6 Prozent ab.
Für deutsche Anleger bleibt die Lage zweigeteilt: Während Bayer und Samsung Hoffnung machen und Rüstungswerte von politischem Rückenwind profitieren, mahnen Nestlé und die geopolitischen Spannungen zur Vorsicht. Der DAX markierte am Donnerstag ein weiteres Allzeithoch – getragen von Rheinmetall und stabilen Industriewerten. Doch die Frage bleibt: Wie lange hält die Konsolidierung, wenn die Zinsfantasie schwindet und die Unsicherheit zunimmt?
Einen aufmerksamen Donnerstag wünscht Ihnen
Andreas Sommer








