Allianz, Adobe & Bitcoin: Während Krieg die Märkte lähmt, schreiben Konzerne Geschichte
Liebe Leserinnen und Leser,
knapp zwei Wochen nach Kriegsausbruch im Iran läuft an den Börsen ein Experiment in Echtzeit: Wie lange hält die Nerven, wer noch investiert ist? Der DAX verliert heute weitere rund ein halbes Prozent, Brent-Öl pendelt hartnäckig um die 100-Dollar-Marke – und trotzdem liefern einige Unternehmen Nachrichten, die in ruhigeren Zeiten die Schlagzeilen dominieren würden. Die Allianz glänzt mit Rekordzahlen, Adobe erlebt einen Führungswechsel, der eine Ära beendet, und Bitcoin hält sich bei rund 71.000 Dollar überraschend stabil. Heute blicken wir auf das große Bild – und auf die Einzelstorys, die darin nicht untergehen sollten.
Der Ölpreis als Taktgeber: Was Stagflation für dein Portfolio bedeutet
Brent-Öl bei 101 Dollar das Barrel. Noch vor zwei Wochen kostete es rund 70 Dollar. Das ist kein normaler Preisanstieg – das ist ein Schock, der sich durch die gesamte Wirtschaft frisst.
Die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öltransporte laufen, ist faktisch blockiert. Der neue iranische Oberste Führer Mojtaba Khamenei hat erklärt, die Meerenge bleibe geschlossen, solange gekämpft wird. Tanker werden attackiert, Versicherungen für Durchfahrten werden kaum noch angeboten.
Was das für Anleger konkret bedeutet, beschreibt Barclays-Aktienstratege Emmanuel Cau mit einem einzigen Wort: Stagflation. Wirtschaft stagniert, Inflation steigt – das schlimmste Szenario für Aktien, das es gibt. Typische Verlierer in diesem Umfeld sind laut Cau Banken, Rohstoff- und Konsumwerte. Kein Wunder, dass Deutsche Bank und Commerzbank heute erneut bis zu 1,5 Prozent nachgeben.
Die gute Nachricht: Viele Anleger glauben noch an den sogenannten „Trump-Put" – die Annahme, dass US-Präsident Trump eingreift, bevor die Märkte wirklich einbrechen. Washington versucht bereits gegenzusteuern: Länder dürfen bis zum 11. April ausnahmsweise russisches Öl kaufen, das sich bereits auf See befindet. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg.
Gewinner in der Krise: Wer jetzt profitiert
Nicht alle Aktien leiden. Die Krise sortiert das Feld – und wer die richtigen Sektoren hält, schaut dieser Tage deutlich entspannter auf den Bildschirm.
Shell legt in London heute 1,2 Prozent zu, BP sogar 1,7 Prozent, TotalEnergies in Paris 1,5 Prozent. Der Mechanismus dahinter ist simpel: Höhere Rohölpreise verbessern die Erlösperspektiven der Energiekonzerne direkt. TotalEnergies hat zwar Produktionen in Katar, dem Irak und vor den Emiraten eingestellt – teilte aber gleichzeitig mit, dass der gestiegene Ölpreis diesen Ausfall mehr als ausgleicht. Das nennt man einen komfortablen Puffer.
Noch interessanter ist der Blick auf K+S. Der Düngemittelhersteller setzt seine Rally heute mit einem Plus von rund drei Prozent fort und erreicht den höchsten Stand seit August 2023. Der Grund: 20 Prozent des weltweiten Ammoniakhandels und 50 Prozent des Schwefelhandels laufen durch die Straße von Hormus. Fällt diese Versorgung weg, werden Düngemittel weltweit knapper – und teurer. K+S sitzt an der richtigen Stelle der Lieferkette.
Auch Rüstungsaktien wie Rheinmetall sind seit Mittwoch wieder gefragt, und der bevorstehende Börsengang des Rüstungszulieferers Vincorion am 20. März – zu 17 Euro je Aktie, Marktkapitalisierung 850 Millionen Euro – zeigt: Das Interesse an der Branche bleibt ungebrochen.
Anzeige: Das führt uns zu einer entscheidenden Frage für Anleger: Wie erkennt man solche Sektorbewegungen frühzeitig genug, um wirklich davon zu profitieren – und nicht erst, wenn die großen Kursgewinne bereits gelaufen sind? Genau das ist der Ansatz der sogenannten „Cash-Rallye": Ein Trading-System, das zweimal pro Woche konkrete Kauf- und Verkaufssignale liefert – quer durch alle Sektoren, von Rüstung über Energie bis hin zu Kryptos und Rohstoffen. Die bisherigen Beispiel-Trades des Systems zeigen, wie frühe Signale bei Rheinmetall (+136,5 %) oder Siemens Energy (+96,9 %) aussehen konnten – also genau bei den Werten, die heute wieder im Fokus stehen. Die Methode kombiniert technische Ausbruchssignale, Volumenanalyse und fundamentale Auslöser zu einem dreistufigen Filter, der gewöhnliche Kursbewegungen von wirklich relevanten Chancen trennt. Wer sich jetzt für einen kostenlosen Einstieg registriert, erhält den ersten Trade-Signal sowie einen Sektor-Report zu vier Märkten mit erhöhtem Gewinnpotenzial gratis. Zum kostenlosen ersten Cash-Trade und Sektor-Report
Allianz: Rekord im Sturm
Während die Märkte schwanken, veröffentlicht die Allianz heute ihren Geschäftsbericht – und der hat es in sich. Das operative Ergebnis stieg 2025 um gut acht Prozent auf knapp 17,4 Milliarden Euro. Unter dem Strich verblieben für Aktionäre fast 10,8 Milliarden Euro Gewinn. Die Dividende soll um elf Prozent auf 17,10 Euro je Aktie steigen, dazu kommt ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2,5 Milliarden Euro.
Dass der Versicherer in einem Jahr mit weniger Katastrophenschäden glänzt, ist keine Überraschung. Aber die Zahlen unterstreichen, warum Allianz in einem Stagflationsumfeld zu den stabileren Werten zählt – Cau von Barclays nennt Versicherer ausdrücklich als potenzielle Profiteure.
Gleichzeitig ordnet der Konzern seinen Vorstand neu: Tomas Kunzmann übernimmt ab Januar 2027 die Verantwortung für die Region Asien-Pazifik, Renate Wagner bekommt Deutschland, die Schweiz sowie Zentral- und Osteuropa. Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre wurde vorzeitig um fünf Jahre bis Ende 2031 verlängert. Kontinuität als Signal in unsicheren Zeiten.
Adobe: Das Ende einer Ära – und die Frage, die alle stellen
18 Jahre. So lange hat Shantanu Narayen Adobe geführt. Unter ihm wuchs der Jahresumsatz von 3,6 auf fast 24 Milliarden Dollar. Er erfand das Abo-Modell für Software neu – und machte Adobe zu einem der wertvollsten Softwarekonzerne der Welt.
Jetzt tritt er zurück, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Die Reaktion der Märkte ist eindeutig: Die Aktie verliert heute vorbörslich rund acht Prozent, droht auf den tiefsten Stand seit 2019 zu fallen. Dabei waren die Quartalszahlen eigentlich gut – Umsatz plus zwölf Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar, bereinigter Gewinn je Aktie bei 6,06 Dollar, deutlich über den Erwartungen.
Das Problem ist nicht die Vergangenheit. Es ist die Zukunft. Adobe gehört zu jenen Software-Unternehmen, denen Investoren zunehmend misstrauen, weil neue KI-Anbieter das Kerngeschäft mit kreativer Software herausfordern. Die Frage lautet: Wer führt Adobe in die KI-Ära – und wie lange dauert es, bis diese Person gefunden und eingearbeitet ist? Barclays-Analyst Saket Kalia tritt deshalb „an die Seitenlinie" und stuft die Aktie von „Overweight" auf „Equal-weight" zurück. Monatelange Führungsunsicherheit bei einem Jahresumsatz von über 25 Milliarden Dollar – das ist kein ideales Umfeld für mutige Wetten.
Bitcoin bei 71.000 Dollar: Konsolidierung oder Bodenbildung?
Während Aktien unter dem Ölpreisschock leiden, hält sich Bitcoin bemerkenswert stabil. Heute steigt die Kryptowährung zeitweise um knapp drei Prozent auf rund 71.700 Dollar. Auf Wochensicht liegt das Minus bei nur 1,7 Prozent, auf Monatssicht steht sogar ein Plus von vier Prozent.
Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, was gerade alles auf die Märkte einprasselt: Iran-Krieg, Ölpreisschock, neue US-Handelszoll-Untersuchungen gegen die EU und andere Handelspartner, wackelnde Zinssenkungserwartungen. Bitcoin zeigt sich davon wenig beeindruckt – was Analysten als Zeichen institutioneller Festigung werten. Die großen Investoren halten, anstatt zu verkaufen.
Gleichzeitig sollte man die mittelfristige Perspektive nicht aus dem Blick verlieren. Bitcoin liegt noch rund 44 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.000 Dollar aus dem Oktober 2025. VanEck-Chef Jan van Eck sprach Anfang März davon, dass 2026 das „vierte Jahr" im Vier-Jahres-Zyklus sei – historisch eine schwache Phase. Analysehaus CryptoQuant sieht den wahrscheinlichsten Zeitraum für ein zyklisches Tief zwischen September und November 2026.
Die entscheidende charttechnische Marke liegt bei rund 72.000 Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte neuen Aufwärtsdruck entfachen. Darunter bleibt die Lage fragil.
Lufthansa und Mercedes: Zwei deutsche Ikonen unter Druck
Zwei DAX-Konzerne verdienen heute einen kurzen, aber ernüchternden Blick.
Lufthansa kämpft gleichzeitig gegen hohe Kerosinpreise und den zweiten Pilotenstreik innerhalb weniger Wochen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit setzt den Ausstand fort – über 600 Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München fallen heute aus. Der Tarifkonflikt dreht sich um Betriebsrenten von rund 4.800 Piloten. Die Aktie gibt heute rund 2,4 Prozent nach.
Mercedes wiederum kämpft mit dem Ende seiner Luxusstrategie. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug sank 2025 auf 68.100 Euro, nach dem Höchststand von 74.200 Euro im Jahr 2023. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt nicht, dass die Kennzahl in den nächsten Jahren wieder über 70.000 Euro steigt. Dazu kommt ein Gewinneinbruch 2025 um fast die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro. Zölle, Wechselkurseffekte, Wettbewerbsdruck aus China – die Gleichung für den Stuttgarter Autobauer ist derzeit keine einfache.
Der Ausblick: Eine Woche voller Weichenstellungen
Die kommende Woche wird turbulent. Gleich fünf Zentralbanken tagen: Fed, EZB, Bank of England, Schweizer Nationalbank und die australische Notenbank. Zinssenkungen werden kaum erwartet – zu hoch ist der Inflationsdruck durch den Ölpreisschock. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr überhaupt noch senkt, ist laut FedWatch-Tool inzwischen auf nur noch 57 Prozent gesunken – vor einem Monat lag sie noch bei 95 Prozent.
Dazu kommt der große Verfalltermin an den Terminbörsen – in Zeiten des Iran-Krieges dürfte der für zusätzliche Volatilität sorgen. Und am Dienstag gibt der ZEW-Index Auskunft darüber, wie die deutschen Konjunkturerwartungen die Krise verarbeiten. Die Prognosen sind bereits gesenkt worden, von ifo und IfW gleichermaßen.
Mein persönlicher Eindruck nach dieser Woche: Die Märkte haben den Schock noch nicht vollständig verdaut – sie warten. Auf ein Ende des Krieges, auf ein Signal der Notenbanken, auf irgendetwas, das Orientierung gibt. Bis dahin gilt: Selektiv denken, nicht pauschal reagieren. Energie, Versorger, Gesundheit – das sind die Sektoren, die in diesem Umfeld Rückenwind haben. Banken, Konsumwerte, zyklische Titel – dort ist Vorsicht angebracht.
Einen ruhigen Start ins Wochenende,
Andreas Sommer
Freitag, 13. März 2026








