Adobe Aktie: KI-Sorge wächst
Adobe steht so stark unter Druck wie seit Jahren nicht mehr. Während die operativen Zahlen solide ausfallen, dominiert an der Börse ein anderes Thema: die Angst, dass neue KI-Agenten das klassische Kreativsoftware-Geschäft angreifen könnten. Auslöser der jüngsten Verkaufswelle ist ein neues Konkurrenzprodukt – und eine spürbar kältere Haltung institutioneller Investoren gegenüber Softwarewerten.
KI-Agenten als neues Risiko
Am 12. Januar 2026 hat das KI-Start-up Anthropic das Kollaborationstool „Claude Cowork“ vorgestellt. Seitdem hat sich die Stimmung gegenüber Software-as-a-Service-Anbietern deutlich eingetrübt. Viele institutionelle Anleger fürchten, dass generative KI-Agenten etablierte Workflows nicht nur ergänzen, sondern teilweise ersetzen könnten.
Diese Sorgen treffen auf einen Markt, der ohnehin schwach ins Jahr gestartet ist. Softwarewerte verzeichnen laut Marktangaben den schlechtesten Jahresauftakt seit 2022, mit Rückgängen im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Adobe gehört dabei zu den klaren Verlierern und handelt deutlich unter früheren Hochs. Der Titel notierte am Freitag bei 296,12 US‑Dollar und liegt damit rund ein Drittel unter dem 52‑Wochen-Hoch von 445,25 US‑Dollar.
Der Markt preist damit explizit das Risiko ein, dass KI-Agenten einen Teil der Wertschöpfungskette von Kreativsoftware übernehmen. Das geschieht, obwohl Adobe selbst intensiv KI-Funktionen in seine Produkte integriert und die eigene Strategie als evolutionär statt disruptiv positioniert.
Institutionelle ziehen Kapital ab
Zusätzlichen Druck bringt der schrittweise Rückzug institutioneller Investoren. Neue Meldeunterlagen zum dritten Quartal 2025 zeigen, dass mehrere größere Adressen ihre Engagements bei Adobe bereits vor der aktuellen Korrektur deutlich reduziert haben:
- First National Advisers LLC verkaufte 73,8 % ihrer Position und trennte sich von 8.524 Aktien.
- Campbell & CO Investment Adviser LLC senkte den Bestand um 54,9 %.
- Meitav Investment House Ltd. baute ihr Engagement um knapp 8 % ab.
Diese deutlichen Reduzierungen signalisieren eine zunehmende Vorsicht großer Investoren gegenüber der Bewertung von Adobe. Der jetzt sichtbare Kursrückgang knüpft damit an eine Umschichtung an, die schon 2025 begonnen hat und nun in geringerem Kaufinteresse und dünnerer Liquidität resultiert.
Analysten drehen den Daumen
Parallel dazu passen Investmentbanken ihre Einschätzungen an die schwächere Kursentwicklung an. Goldman Sachs hat die Aktie neu mit „Sell“ eingestuft und ein Kursziel von 290 US‑Dollar gesetzt. Ausgehend vom aktuellen Niveau sehen die Analysten damit weiteres Abwärtspotenzial.
Jefferies war bereits am 5. Januar einen Schritt zurückgegangen und hat von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft. Das Kursziel wurde von 500 auf 400 US‑Dollar gesenkt. Im Konsens liegt die durchschnittliche Zielmarke laut den vorliegenden Daten weiterhin bei 402,85 US‑Dollar, was deutlich über dem aktuellen Kurs liegt. Der Abstand zwischen diesen Modellen und der tatsächlich bezahlten Bewertung zeigt, wie stark sich die Marktsicht seit Jahresbeginn verschoben hat.
Fundamentaldaten geraten in den Hintergrund
Bemerkenswert ist, dass die Schwächephase nicht von operativen Problemen ausgelöst wurde. Im vierten Quartal 2025 übertraf Adobe die Erwartungen der Analysten:
- Gewinn je Aktie (EPS): 5,50 US‑Dollar (Prognose: 5,40 US‑Dollar)
- Umsatz: 6,19 Milliarden US‑Dollar (Prognose: 6,11 Milliarden US‑Dollar)
- Umsatzwachstum: +10,5 % gegenüber dem Vorjahr
- Nettomarge: 30 %
Für das Geschäftsjahr 2026 stellt das Management einen Gewinn je Aktie von 23,30 bis 23,50 US‑Dollar in Aussicht. Operativ sendet das Unternehmen damit stabile bis positive Signale. Dennoch steht der Kurs unter Druck, weil der Markt derzeit eher strukturelle KI-Risiken einpreist als kurzfristige Ertragsstärke honoriert.
Dieses Muster zeigt sich auch im weiteren Sektor: Der von Morgan Stanley beobachtete Softwarekorb notiert mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 auf einem Rekordtief. Anleger sind offenbar kaum bereit, für Softwaregewinne einen Bewertungsaufschlag zu zahlen, solange die Auswirkungen neuer KI-Werkzeuge auf die Geschäftsmodelle schwer einschätzbar bleiben.
Technisches Bild und Ausblick
Charttechnisch befindet sich die Aktie in einem klaren Abwärtstrend. Über die letzten zwölf Monate hat der Titel mehr als ein Viertel an Wert verloren, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf über 11 %. Mit einem Kurs leicht oberhalb des neuen Goldman-Sachs-Ziels von 290 US‑Dollar werden Unterstützungszonen im Bereich früherer Tiefstände immer stärker getestet.
Kommentatoren wie Jim Cramer verweisen darauf, dass Enterprise-Software-Werte „deutlich unter Beschuss“ stehen und möchten aktuell keinen Boden ausrufen. Für die kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob Adobe glaubhaft zeigen kann, dass die eigene KI-Strategie bestehende Produkte stärkt und Marktanteile schützt. Gelingt dies, könnten sich die aktuell sehr gedrückten Bewertungsniveaus im Softwaresektor als überzogen erweisen; bleibt die Skepsis bestehen, ist weitere Bewertungsanpassung im ersten Quartal 2026 nicht ausgeschlossen.
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