Wiener Börse: Trump-Beruhigungspille sorgt für Erholung
Nach drei Tagen im Minus hat sich die Stimmung an der Wiener Börse heute überraschend aufgehellt. Ein versöhnlicher Ton aus Davos und das Ausbleiben neuer Handelsdrohungen wirkten wie eine Beruhigungspille für die nervösen Märkte. Der heimische Leitindex ATX schloss mit einem Plus von 0,73 Prozent bei 5.410 Punkten.
Trump in Davos: Keine Gewalt, (vorerst) keine neuen Zölle
Im Fokus der internationalen Händler stand heute eine Person: US-Präsident Donald Trump. Bei seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum überraschte er mit einer ungewöhnlichen Forderung – und einer entscheidenden Dämpfung. Trump forderte sofortige Verhandlungen über den Kauf Grönlands, versicherte aber, dafür „keine Gewalt anzuwenden“.
Diese klare Absage an militärische Optionen ließ die Risikobereitschaft der Anleger wieder steigen. Noch wichtiger für Europa: Der Präsident erneuerte seine jüngsten Zolldrohungen gegenüber der EU nicht. Diese doppelte Entwarnung zog die Aktienkurse weltweit nach oben. Ein klassischer Fall von „Bad News are good News“? Zumindest waren die Erwartungen an Trump wohl noch schlechter.
Wienerberger glänzt, SBO enttäuscht
Am heimischen Parkett sorgten heute Quartalszahlen für Bewegung. Die Papiere des Baustoffriesen Wienerberger gehörten zu den großen Gewinnern und legten kräftige 4,3 Prozent zu. Das Unternehmen machte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 zwar etwas mehr Umsatz, der operative Gewinn fiel jedoch. Analysten der Erste Group sahen die Zahlen dennoch im erwarteten Rahmen.
Ganz anders lief es für den niederösterreichischen Ölfeldausrüster SBO. Seine Aktien verloren 0,8 Prozent, nachdem das Unternehmen für 2025 einen deutlichen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis meldete. Die vorläufigen Zahlen lagen leicht unter den Erwartungen der Marktbeobachter.
Voestalpine und AT&S ziehen an, Versicherer schwächeln
Unter den Schwergewichten stach die Voestalpine mit einem Sprung von 3,1 Prozent positiv hervor. Auch im Technologiesektor ging es bergauf: AT&S kletterte um beachtliche 4,5 Prozent.
Auf der Verliererseite standen dagegen die Versicherer. Vienna Insurance gab 2,1 Prozent nach, UNIQA verlor 1,6 Prozent. Ein Grund zur Sorge? Nicht unbedingt – oft rotieren Anlegergelder einfach in konjunkturnahe Werte, wenn die Stimmung global aufhellt.
Die großen Banken zeigten ein gemischtes Bild:
* Raiffeisen Bank International: +0,4%
* Erste Group: +0,7%
* Bawag: unverändert
Auch beim Stromkonzern Verbund (+1,2%) gab es Neuigkeiten. Die Analysten der Berenberg Bank senkten zwar ihr Kursziel von 70 auf 65 Euro, bestätigten aber gleichzeitig ihr „Hold“-Votum. Ein klares Signal: Halten lohnt sich, große Sprünge erwartet hier aktuell aber niemand.
Fazit: Eine Atempause – mehr nicht?
Der heutige Tag brachte der Wiener Börse eine willkommene Verschnaufpause. Die Angst vor einer weiteren Eskalation im Handelsstreik hat sich vorerst gelegt. Doch wie lange hält die Ruhe an? Die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen wie SBO zeigen, dass die Herausforderungen real sind. Die Erholung basiert heute vor allem auf der Abwesenheit schlechter Nachrichten – ein wackliges Fundament für einen nachhaltigen Aufwärtstrend.








