In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, anhaltender Inflation und volatiler Finanzmärkte lohnt sich der Blick auf alternative Investmentformen. Institutionelle Investoren, aber auch immer mehr Privatpersonen finden hier Anlagemöglichkeiten abseits klassischer Finanzprodukte wie Aktien oder Anleihen. Unternehmensbeteiligungen wie zum Beispiel Private Equity oder auch Immobilien oder Sachwerte können einen wichtigen Beitrag zur Gesamtrendite leisten.

Der Grundgedanke der Geldanlage, langfristig Kapital aufzubauen und gegen Marktschwankungen abzusichern, ist nach wie vor gültig. Ein stabiles, renditestarkes und diversifiziertes Portfolio soll schlussendlich zu diesem Ziel führen. Während früher Anleihen oder ein Portfolio aus Aktien und Anleihen ausreichend waren, um eine ansehnliche Rendite abzuwerfen, ist die Situation heute komplexer geworden. Auf der anderen Seite ist das Angebot innovativer Anlageprodukte in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.

 

Österreichs Investoren sind auch heute noch vergleichsweise konservativ, wie eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Online-Research-Instituts Marketagent eindrücklich zeigt: Die Mehrheit der Österreicher ist beim Thema Geldanlage zurückhaltend und risikoscheu. 68 Prozent bezeichnen sich als risikoavers, 57 Prozent halten sich in Geldfragen für „vorsichtig und sicher wie ein Sparfuchs“. Zugleich setzen 54 Prozent auf klassische Sparprodukte – auch wenn diese mitunter durch die Inflation unter dem Strich einen negativen Betrag einbringen können, nur 29 Prozent investieren in Aktien, Fonds oder Anleihen.

 

Hebel zur Portfolio-Diversifikation
Eine vielversprechenden Assetklasse ist in Österreich lange Zeit unter dem Radar geflogen: Private Equity, also Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Dabei bringt sie als Beimischung zum Portfolio einige Vorzüge mit sich, so Guido Küsters: „Private Equity bietet Investoren die Möglichkeit, direkt am Wachstumspotenzial vielversprechender Unternehmen teilzuhaben. Diese befinden sich oft noch in frühen Entwicklungsphasen mit großem Aufwärtspotential. Dabei sind die Renditechancen deutlich höher als bei traditionellen Anlageformen, wenn auch mit einem entsprechend höheren Risiko verbunden. Profunde Marktkenntnisse oder professionelle Beratung helfen bei der Auswahl und sind somit unumgänglich.“

 

Nachdem der europäische Private-Equity-Markt im Jahr 2024 nach längerer Pause deutlich wiedererstarkt ist, wurde im ersten Quartal 2025 ein deutlicher Rückgang in der Entwicklung verzeichnet. Gründe dafür waren geopolitische Spannungen sowie die anhaltende Unsicherheit rund um Zölle, Zinsen und Konjunktur. Die DACH-Region zeigte sich jedoch relativ stabil, wobei Österreich dank starker Aktivitäten in Technologie und Gesundheitswesen besonders robust blieb.

Für Institutionelle Investoren, Family Offices und zunehmend auch vermögende Privatanleger stellen Unternehmensbeteiligungen einen wirkungsvollen Hebel zur Portfolio-Diversifikation und zur Generierung nachhaltiger Renditen dar. „Private Equity kann eine wichtige Wachstumskomponente im Portfolio sein“, ergänzt Küsters. Anleger können zudem aktiv mithelfen, innovative europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu fördern.

 

Investments in alternative Sachwerte müssen wohlüberlegt sein

Neben Unternehmensbeteiligungen gewinnen aber auch alternative Sachwerte wie Wein, Oldtimer oder Kunstwerke an Attraktivität. „Diese Formen der Kapitalanlage bringen attraktive Wachstumschancen, jedoch auch erhebliche Herausforderungen mit sich, etwa in Bezug auf Werterhalt, Lagerung bzw. Versicherung. Wertgutachten und die Einbindung von Marktexperten sind in diesem Bereich als Orientierungshilfe essenziell“, unterstreicht Küsters. 

 

„Ein Leitsatz gilt für alle Anleger: Bei der Geldanlage sollte man niemals nur auf ein Pferd – sprich eine Assetklasse – setzen, sondern das Portfolio möglichst breit aufstellen. Alternative Investments können einen zusätzlichen Baustein – beispielsweise neben Investments in Aktien und Anleihen – darstellen, sollten aber nicht die einzige Investmentform sein“, sagt Küsters.

 

Wer fragt, gewinnt: Beratung statt Blindflug bei Investments
Die Frage, ob alternative Anlagen ins Portfolio passen, muss immer individuell geprüft werden. Gerade weil bei vielen dieser Investitionen Teil- oder Totalverluste möglich sind, ist professionelle Beratung unerlässlich, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Man sollte nur Kapital investieren, das langfristig entbehrlich ist. Am besten man setzt auf Finanzierungspläne, erstellt von erfahrenen Family-Office-Mitarbeitern und Private Bankern. Diese bestimmen unter anderem den passenden Anteil alternativer Anlagen. „Achten Sie auf Zertifizierungen. Finanzplaner mit dem Gütesiegel Certified Financial Planner CFP® verfügen über eine umfassende Ausbildung. Sie verpflichten sich zu laufender Weiterbildung. Außerdem halten sie einen strengen Ehrenkodex ein“, so Küsters. Finanzbildung bleibt jedoch der beste Konsumentenschutz – wer informiert ist, trifft fundiertere Entscheidungen.

Guido Küsters, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands Financial Planners