UBS, BYD & Kreditkarten-Zinsen: Wenn Regulatoren zuschlagen, Absätze schrumpfen und Trump eine ganze Branche aufschreckt
Liebe Leserinnen und Leser,
51,8 Prozent Minus seit dem Allzeithoch – so drastisch hat sich die UBS-Aktie vom Höchststand entfernt, während die Bank gegen Berns Kapitalauflagen kämpft. Doch die Schweizer Großbank ist nicht allein: In China ringt BYD mit schrumpfenden Verkaufszahlen, und in den USA versetzt Donald Trump mit einer simplen Forderung die gesamte Kreditkartenbranche in Aufruhr. Drei Schauplätze, drei regulatorische Eingriffe – und eine gemeinsame Botschaft: Wenn Staaten und Behörden eingreifen, geraten selbst Branchenriesen ins Straucheln. Was diese Woche an den Märkten geschah, zeigt einmal mehr, wie schnell politische Entscheidungen Milliarden an Marktkapitalisierung bewegen können.
UBS gegen Bern: Der Kampf um 23 Milliarden Dollar
Die UBS feuert aus allen Rohren gegen die geplanten Kapitalauflagen der Schweizer Regierung – und macht dabei eine bemerkenswerte Rechnung auf. 23 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital würde die Bank benötigen, sollten die Pläne aus Bern Realität werden. Das Pikante: Die UBS macht die regulatorische Unsicherheit direkt für ihre schwache Börsenperformance verantwortlich. Seit April 2024, als die Schweiz ankündigte, ihr "Too big to fail"-Regime zu verschärfen, sei die Marktbewertung um 27 Prozent hinter der Konkurrenz zurückgeblieben – ein Verlust von rund 30 Milliarden Franken für die Aktionäre.
Die Bank argumentiert, die vorgeschlagenen Anforderungen seien "unverhältnismäßig" und basierten auf "extremen Annahmen". Tatsächlich geht es um mehr als nur Zahlen: Es geht um die Frage, wie viel Sicherheitspuffer eine Bank braucht, die nach der Übernahme der Credit Suisse zur systemrelevantesten Institution der Schweiz geworden ist. Die Regierung will einen weiteren Kollaps verhindern und Steuerzahler schützen. Die UBS kontert, dass günstigere Alternativen – etwa AT1-Anleihen statt reinem Eigenkapital – nicht ausreichend geprüft wurden. Zum Wochenstart verlor die Aktie weitere 0,24 Prozent auf 38,06 Franken. Das Schweizer Parlament muss noch zustimmen, und eine Gruppe von Abgeordneten hat bereits Lockerungen vorgeschlagen. Der Ausgang bleibt offen – ebenso wie die Frage, ob die UBS ihr "erfolgreiches Geschäftsmodell" unter den neuen Bedingungen fortführen kann.
BYD: Wenn Chinas E-Auto-Champion ins Stolpern gerät
Der weltweit größte Elektrofahrzeughersteller kämpft mit ungewohnten Problemen. Im Dezember 2025 brach der Absatz von BYD um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein – der dritte rückläufige Monat in Folge. Die Produktion sank um fast 10 Prozent auf 420.000 Fahrzeuge. Was auf den ersten Blick nach einem temporären Rückschlag aussieht, könnte symptomatisch für tieferliegende Strukturprobleme sein: Überkapazitäten und brutaler Wettbewerb im chinesischen Heimatmarkt setzen dem Konzern zu.
Bloomberg prognostiziert, dass sich das globale E-Auto-Wachstum 2026 von 23 auf nur noch 12 Prozent halbieren wird. Gleichzeitig verliert BYD seinen technologischen Vorsprung. Neue Konkurrenten wie Xiaomi und Xpeng drängen mit innovativen Produkten und aggressiver Preisgestaltung in den Markt. BYD-Chef Chuanfu räumt offen ein, dass der Vorsprung schwindet. Die Antwort: eine umfassende Technologieoffensive. Parallel dazu gründete BYD mit "Linghui" eine neue Submarke speziell für den Fahrdienst-Markt – ein strategischer Schachzug, um das Markenimage der Hauptmarke zu schützen, während man im Niedrigpreissegment aktiv bleibt.
Trotz der Rückschläge legte die Aktie zum Wochenstart in Hongkong um 1,22 Prozent auf 95,70 HKD zu. Innerhalb der letzten drei Monate verlor sie allerdings rund 12 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 159,27 HKD im Mai ist BYD weit entfernt. Die zentrale Frage: Kann der Konzern seine Technologieführerschaft zurückerobern, bevor die neue Konkurrenz zu stark wird?
Trumps Zinsdekret: Kreditkartenbranche im Schockzustand
Eine simple Forderung, massive Auswirkungen: Donald Trump will Kreditkartenzinsen für ein Jahr auf 10 Prozent deckeln – etwa die Hälfte des aktuellen Durchschnittssatzes in den USA. Die Reaktion der Märkte war eindeutig: American Express sackte vorbörslich um 4,4 Prozent ab, Visa verlor 1,6 Prozent, Mastercard 1,8 Prozent. Selbst europäische Banken bekamen den Druck zu spüren – Barclays fiel um 3,1 Prozent, Santander und Société Générale verloren jeweils 1,7 Prozent.
Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown bringt es auf den Punkt: Eine solche Zinsobergrenze würde "die grundlegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche auf den Kopf stellen". Banken müssten ihr Risikomanagement und ihre Kreditvergabepolitik komplett überdenken. Die wahrscheinliche Folge: sinkende Kreditlimits, Schließung risikoreicherer Konten und Kürzung von Prämienprogrammen. Denn bei diesem Preisniveau könnten Verluste schlicht nicht mehr gedeckt werden.
Besonders hart träfe es karten-orientierte Unternehmen in den USA, aber auch große Universalbanken mit Kartensparten würden den Druck spüren. Trump beschuldigt die Branche, "gegen das Gesetz zu verstoßen", sollte sie seiner Forderung nicht nachkommen – eine ungewöhnlich scharfe Rhetorik, die zeigt, wie ernst es ihm ist. Ob die Obergrenze tatsächlich kommt, ist noch unklar. Sicher ist: Die Branche steht unter Beobachtung, und Anleger rechnen bereits mit Konsequenzen.
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Weitere Schlaglichter: Von Nestlés Babynahrung-Krise bis zu Amazons Comeback-Hoffnung
Nestlé gerät wegen seines Rückrufs von Babynahrung unter Beschuss. Foodwatch wirft dem Konzern vor, bereits Mitte Dezember von Verunreinigungen mit dem Toxin Cereulid gewusst zu haben – der offizielle Rückruf erfolgte jedoch erst am 5. Januar. Betroffen sind Produkte der Marken "Beba" und "Alfamino" aus 30 Ländern. Nestlé weist die Vorwürfe zurück und betont, dass keine Erkrankungen bestätigt wurden. Die Aktie notierte zum Wochenstart leicht im Plus bei 75,70 Franken.
Amazon hingegen könnte 2026 vor einer Trendwende stehen. Nach einem schwachen Börsenjahr 2025 mit nur 5,21 Prozent Plus – Schlusslicht unter den "Magnificent Seven" – sehen Analysten wie Jed Ellerbroek von Argent Capital Management nun Potenzial. Der Grund: AWS-Cloud und KI-Investitionen sollen beschleunigt wachsen, im Einzelhandel wird zweistelliges Wachstum erwartet. Goldman Sachs rät 46 von 47 Analysten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 294,55 Dollar – 19 Prozent über dem aktuellen Niveau. Vorbörslich verlor die Aktie allerdings 1,09 Prozent auf 244,68 Dollar.
In Deutschland sorgte winterliches Wetter für Chaos: Am Frankfurter Flughafen wurden 102 von 1.052 geplanten Flügen gestrichen. Fraport sprach von einem "angespannten Winterbetrieb" mit erheblichen Beeinträchtigungen. Die Aktie gab zeitweise um 0,2 Prozent auf 74,00 Euro nach.
Was diese Woche noch wichtig wird
Am Dienstag veröffentlichen die USA ihre Verbraucherpreisdaten für Dezember – eine der letzten wichtigen Kennzahlen vor der nächsten Fed-Sitzung Ende Januar. Am Mittwoch könnte das Supreme Court ein Urteil über die Rechtmäßigkeit von Trumps Notfall-Zöllen fällen. Und ab Donnerstag startet die US-Banken-Berichtssaison mit den Quartalszahlen der großen Institute – ein Gradmesser dafür, wie robust die Finanzbranche trotz regulatorischer Unsicherheiten aufgestellt ist.
Die Börsen navigieren durch ein Spannungsfeld aus politischen Eingriffen, strukturellen Verschiebungen und technologischen Umbrüchen. Wer jetzt investiert, sollte nicht nur auf Quartalszahlen schauen, sondern auch auf die regulatorischen Rahmenbedingungen – denn die können schneller zum Kursrisiko werden, als mancher denkt.
Einen erfolgreichen Start in die Woche wünscht Ihnen
Andreas Sommer








