Nach dem kurzen Rücksetzer der vergangenen Tage nimmt Silber wieder Fahrt auf. Nach historischen Höchstständen im Dezember kam es zu Gewinnmitnahmen, doch die grundlegenden Treiber haben sich nicht geändert. Im Gegenteil: Eine deutlich erhöhte Preisprognose von HSBC und anhaltende Angebotsengpässe untermauern die starke Entwicklung des Edelmetalls.

Erholung nach Gewinnmitnahmen

Zu Wochenmitte stand der Silberpreis unter Druck, als er zeitweise mehr als 5 Prozent unter die Marke von 80 US-Dollar fiel. Auslöser waren vor allem Gewinnmitnahmen in der Nähe des Rekordhochs von 83,62 US-Dollar, das im Dezember 2025 erreicht wurde. Ein festerer US-Dollar im Vorfeld wichtiger US-Konjunkturdaten verstärkte den Abwärtsimpuls.

Am Mittwoch schloss Silber bei 79,34 US-Dollar je Unze und liegt damit nur rund 3 Prozent unter seinem 52‑Wochen-Hoch von 81,66 US-Dollar. Die jüngste Rally zeigt sich damit erstaunlich robust: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von knapp 30 Prozent, seit Jahresanfang ein Zuwachs von gut 9 Prozent zu Buche.

Wesentliche Kennzahlen unterstreichen das Momentum:

  • Performance 7 Tage: +11,79 %
  • Performance 30 Tage: +29,73 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch: -2,83 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Tief: +69,20 %
  • RSI (14 Tage): 62,0 (keine extreme Überhitzung)
  • Volatilität (30 Tage, annualisiert): 63,50 %

Im Jahr 2025 kletterte Silber insgesamt um rund 159 Prozent – deutlich stärker als Gold, das im gleichen Zeitraum um 64 Prozent zulegte. Nach einem solchen Anstieg wirken punktuelle Gewinnmitnahmen eher wie Zwischenstopps in einem übergeordneten Aufwärtstrend.

HSBC mit deutlich höherem Preisziel

Für zusätzlichen Rückenwind sorgt eine kräftige Anhebung der Silberprognose durch HSBC. Die Großbank erhöhte ihre durchschnittliche Preisprognose für 2026 von 44,50 auf 68,25 US-Dollar pro Unze – ein Sprung von mehr als 50 Prozent gegenüber der alten Erwartung.

Begründet wird die optimistischere Sicht vor allem mit vier Faktoren:

  • anhaltender physischer Knappheit am Londoner Markt
  • ausgeprägter Backwardation bei CME-Futures (Spotpreise über längeren Laufzeiten)
  • starker Investorennachfrage über Silber-ETFs
  • Aufnahme von Silber auf die US-Liste kritischer Mineralien

HSBC rechnet für 2026 mit einer breiten Handelsspanne zwischen 58 und 88 US-Dollar je Unze. Gleichzeitig soll sich das globale Angebotsdefizit zwar von rund 230 Millionen Unzen im Jahr 2025 auf etwa 140 Millionen Unzen im Jahr 2026 verringern, aber weiterhin klar im negativen Bereich bleiben. Damit bleibt Silber aus Sicht der Bank ein knapper Rohstoff – mit entsprechendem Preispotenzial, aber auch hoher Schwankungsbreite.

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Industrienachfrage als struktureller Motor

Ein wesentlicher Unterschied zu Gold ist die starke industrielle Komponente der Silbernachfrage. Mittlerweile entfällt mehr als die Hälfte des weltweiten Verbrauchs auf industrielle Anwendungen. Besonders wichtig sind:

  • Solarmodule und Photovoltaik
  • Elektrofahrzeuge und Halbleiter
  • 5G-Infrastruktur
  • Medizintechnik und Elektronik

Diese breite, technologische Basis schafft eine robuste Grundnachfrage. Während Gold primär als Schmuck- und Anlageprodukt genutzt wird, hängt der Silberbedarf zunehmend an Zukunftsbranchen wie erneuerbaren Energien und Elektromobilität. Das macht den Markt weniger eindimensional abhängig von reiner Anlagefantasie.

Zinsen, Geopolitik und Safe-Haven-Funktion

Neben dem industriellen Rückenwind profitiert Silber weiterhin von seinem Status als Edelmetall. An den Terminmärkten sind derzeit mindestens zwei Zinssenkungen der US-Notenbank für 2026 eingepreist. Fed-Gouverneur Stephen Miran hat angedeutet, dass bei Bedarf auch aggressivere Schritte möglich wären, um das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Sinkende Zinsen senken die Opportunitätskosten für das Halten von nicht-verzinslichen Edelmetallen wie Silber und Gold. Das unterstützt typischerweise die Nachfrage. Kurzfristig rechnen Marktteilnehmer allerdings mit einer Zinspause: Für die nächste Fed-Sitzung liegt die implizite Wahrscheinlichkeit für unveränderte Leitzinsen bei über 80 Prozent.

Zusätzlich spielen geopolitische Risiken eine Rolle. Die US-Intervention in Venezuela und anhaltende Spannungen zwischen China und Japan stützen die Nachfrage nach „sicheren Häfen“. Silber profitiert dabei als Mischform aus Krisenmetall und Industriestoff, auch wenn Gold in klassischen Stressphasen meist an erster Stelle steht.

Gold-Silber-Ratio und knappe Lagerbestände

Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Gold-Silber-Ratio, also das Verhältnis der Preise beider Edelmetalle. Diese Kennzahl ist von extrem hohen Niveaus deutlich zurückgekommen. Das signalisiert eine relative Stärke von Silber gegenüber Gold. Marktbeobachter sehen darin einen Rotationseffekt im Edelmetallsektor: Anleger, die zusätzliches Potenzial suchen, schichten von Gold in das im Verhältnis günstigere Silber um.

Parallel dazu bleiben die physischen Lagerbestände angespannt. Vor allem China begrenzt Exporte, um den eigenen Industriebedarf zu sichern. Diese Politik verschärft die Knappheit auf wichtigen Handelsplätzen wie London. Nach Einschätzung von HSBC könnte sich diese Situation erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 spürbar entspannen.

Fazit: Starker Trend mit hoher Schwankungsbreite

Silber präsentiert sich nach der Rally und dem kurzen Rücksetzer weiter in einer klaren Aufwärtsbewegung. Die Kombination aus struktureller Industrienachfrage, begrenztem Angebot, einer deutlich angehobenen HSBC-Prognose und einem geldpolitischen Umfeld, das perspektivisch niedrigere Zinsen begünstigt, spricht für anhaltende Unterstützung.

Kurzfristig bleibt der Markt aber anfällig für stärkere Ausschläge, wie die hohe 30‑Tage-Volatilität von über 60 Prozent zeigt. Solange das Angebotsdefizit hoch bleibt und die Gold-Silber-Ratio die relative Stärke von Silber bestätigt, dürfte das Edelmetall ein zentraler Taktgeber im Rohstoffsektor bleiben.

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