Kurz vor den Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal 2026 trifft Procter & Gamble auf ein angespanntes Umfeld. Der Kurs zeigt zwar nur leichte Verluste, gleichzeitig mehren sich aber Hinweise, dass die jüngste Stabilisierung nicht auf klaren operativen Fortschritten beruht. Analysten verweisen auf strukturelle Risiken und gedämpfte Erwartungen an die anstehenden Ergebnisse.

„Flight to Safety“ und Bewertungsrisiken

Barclays-Analystin Lauren Lieberman hat ihr Kursziel für die Aktie von 151 auf 155 US‑Dollar angehoben, die Einstufung aber bei „Equal Weight“ belassen. Sie beschreibt das jüngste Interesse an dem Konsumgüterwert als „flight to safety“ – also als Flucht in defensive Titel.

Anleger greifen demnach zu, weil sie Sicherheit suchen, nicht wegen überzeugender Fundamentaldaten. Barclays warnt, dass der daraus entstandene Bewertungsaufschlag anfällig ist. Für 2026 sieht die Bank konkrete Belastungen durch steigende Ölpreise und Währungsschwankungen.

Über die vergangenen zwölf Monate hat die Aktie rund 11 % an Wert verloren, was den anhaltenden Vorbehalt vieler Marktteilnehmer widerspiegelt.

Verhaltener Blick auf Q2

Procter & Gamble legt die Zahlen für das zweite Geschäftsquartal am Donnerstag vor Börsenbeginn vor. Die Konsensschätzungen fallen vorsichtig aus.

Der Markt rechnet mit:

  • Gewinn je Aktie (EPS, Konsens): 1,87 US‑Dollar (–0,5 % zum Vorjahr)
  • Umsatz: rund 22,23 Mrd. US‑Dollar (+1,6 % zum Vorjahr)

UBS liegt unter diesen Erwartungen. Die Schweizer Bank kalkuliert nur mit einem EPS von 1,84 US‑Dollar und geht von einem Rückgang der Absatzmengen um 1,1 % aus. Ein besonderer Belastungsfaktor war der US‑Government Shutdown im Oktober und November 2025. Verzögerte SNAP‑Zahlungen (staatliche Lebensmittelunterstützung) drückten in diesem Zeitraum die Volumina spürbar.

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Bei der organischen Entwicklung liegt UBS ebenfalls unter dem Konsens:
- UBS: unveränderte Entwicklung (0,0 %)
- Konsens: +1,0 % bis +1,6 %

Auf der Kostenseite belasten laut Einschätzungen vor allem Zölle und höhere Rohstoffpreise. Die Effekte der Zölle werden auf rund 400 Mio. US‑Dollar geschätzt.

Zentrale Eckdaten der anstehenden Quartalszahlen:

  • EPS-Erwartung: 1,87 US‑Dollar (UBS 1,84 US‑Dollar)
  • Umsatzschätzung: ca. 22,23 Mrd. US‑Dollar
  • Organisches Wachstum: UBS 0,0 %, Konsens +1,0 % bis +1,6 %
  • Kostentreiber: Zölle (~400 Mio. US‑Dollar) und Rohstoffpreise

Zacks mit Verkaufssignal

Zacks Investment Research stuft die Aktie derzeit mit „Sell“ (Rank #4) ein. Der Earnings ESP (Expected Surprise Prediction) ist negativ und signalisiert damit eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Procter & Gamble die Analystenschätzungen verfehlt.

Zacks verweist insbesondere auf hohe Rohstoffkosten. Diese sollen das Ergebnis im Geschäftsjahr 2026 vor Steuern um etwa 100 Mio. US‑Dollar belasten.

Dividende und Mini-Tender-Angebot

Trotz des Gegenwinds hält das Unternehmen an seiner Dividendenpolitik fest. Der Verwaltungsrat hat am 13. Januar eine Quartalsdividende von 1,0568 US‑Dollar je Aktie beschlossen. Auf Jahresbasis entspricht das einer Rendite von rund 3 %. Die Ausschüttung erfolgt am 17. Februar an Aktionäre, die am 23. Januar im Aktienregister eingetragen sind.

Parallel dazu warnt das Management vor einem unaufgeforderten „Mini-Tender Offer“ von Potemkin Limited. Das Unternehmen bietet an, bis zu 50.000 Aktien zu einem Preis von 100,00 US‑Dollar je Stück zu erwerben. Dieser Preis liegt etwa 31 % unter dem maßgeblichen Schlusskurs von 145,52 US‑Dollar. Procter & Gamble rät den Aktionären ausdrücklich davon ab, auf dieses Angebot einzugehen, da es deutlich unter dem aktuellen Marktwert liegt.

Aktuelle Marktlage und Ausblick

Heute notiert die Aktie auf Tradegate etwa 0,47 % im Minus bei 123,16 Euro. Da die US‑Börsen gestern wegen des Martin Luther King Jr. Day geschlossen waren, werden die nächsten Impulse aus New York erst am Nachmittag erwartet. Aus den aktuellen Indikationen ergibt sich ein impliziter US‑Preis von rund 146 US‑Dollar.

Kurzfristig bleibt die Stimmung durch die anstehenden Quartalszahlen und die Hinweise von Barclays auf fehlende fundamentale Unterstützung für die jüngste Kursstabilisierung belastet. Entscheidend wird nun, ob Procter & Gamble am Donnerstag bei Umsatz, Margen und Ausblick die vorsichtigen Erwartungen erreichen oder übertreffen kann.

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