In Folge 74 des Podcasts „Von Bullen und Bären“ hatten wir Frank Weingarts zu Gast, Head of Private Investor Products bei der UniCredit. Und Harald Schartner, Leiter des Privatkundengeschäfts und des ­Kundenservice-Centers der DADAT Bank.

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Hier die redaktionelle Zusammenfassung

Harald Schartner und Frank Weingarts. Zwei seit Jahrzehnten im Anlagegeschäft tätige zu Gast im Podcast. Zwei, die rein von ihrer operativen Tätigkeit regelmäßig mit Privatanlegern zu tun haben; deren Fragen und Sorgen. Da bietet es sich natürlich an nachzufragen, wo denn in der Praxis der Schuh am öftesten drückt? Unter den Top-Anfragen bei der DADAT ist beispielsweise ein verloren gegangener Zugang fürs Online-Banking. Aber nicht nur... Weingarts räumt gleich mit einem Vorurteil auf: „die Kunden die anrufen, sind nicht immer unzufriedene Kunden”, es interessieren eher technische Fragen wie warum es bei einem Produkt keinen Briefkurs gibt (bspw. da ausverkauft) etc.. Für Weingarts jedenfalls sind solche Anfragen eine gute Gelegenheit, mit Kunden zu sprechen, sie abzuholen und dadurch die Produktwelt der Zertifikate näher zu bringen.

Die langjährige Erfahrung lädt auch zu einer kleinen Zeitreise ein. Wie hat sich der Kunde im Lauf der Jahre verändert hat, wie dessen Probleme und ist der Anleger im Jahr 2025 kapitalmarktgebildeter ist als der im vorigen Jahrtausend? Ein kurzes Fazit dazu: jünger, weiblicher und ein Ja zur Kapitalmarktbildung. Zurückgeführt wird das auf die neuen Möglichkeiten der Informationsgewinnung. Denn war man früher oft auf Informationen aus Tageszeitungen oder ähnliches angewiesen - und holte sich seine Kurse per Blick auf die Bankaushänge - ist heute Unternehmenszahlen, das Ergebnis jeder HV etc. binnen Sekunden öffentlich verfügbar. Dazu das Angebot an zumeist kostenlosen Webinaren bzw. Seminaren der Branche: „Das gibt dem Anleger ein wesentlich besseres Verständnis vom Kapitalmarkt”, sagt Schartner.

Apropos Kapitalmarkt. Wie verschlug es Schartner und Weingarts überhaupt an diesen? Die jeweiligen Elternhäuser legten dabei jedenfalls keine Steine in den Weg. Aus heutiger Sicht arbeiteten die beiden damals übrigens unter einem Konzerndach.

Eine weitere „Gemeinsamkeit” der beiden ist der Fußball: Schartner ist seit seiner Jugend Fan von Bayern München ... und damit Aktionär des Hauptsponsors Allianz. Und Weingarts erwarb sich seine ersten Sporen im Emissionsgeschäft mit der Lancierung der HVB Cordoba-Anleihe. Das Wunder von Cordoba sollte sich am Aktienmarkt wiederholen (der ATX den DAX schlagen).

Zurück in die Gegenwart. Da stellt UniCredit onemarkets (Bank Austria) aktuell die Region Japan mit in den Fokus. Und bietet beispielsweise die Bank Austria Bonus Garant Anleihe 09/2032 auf den Nikkei 225 (Price) Index als Emission zur Zeichnung an - siehe hier. Das Auszahlungsprofil nach der siebenjährigen Laufzeit: 100% der Nominale (wenn Japans Leitindex nichts tut oder verliert, 120% wenn der Index steigt und 140% wenn dieser mehr als 20 Prozent zulegt. Womit Weingarts ein Plädoyer für die entsprechende Diversifikation von Portfolios hält - und das Wort Dornröschenschlaf fällt. So hat der Nikkei zwar kürzlich ein Rekordhoch erzielt, brauchte dafür aber mehr als 30 Jahre. In dieser Zeit haben sich die US-Börsen verzehnfacht, Österreich verfünffacht. Gut möglich, dass im Land der aufgehenden Sonne Nachholpotenzial herrscht, was die Kursentwicklung betrifft.

Ein verstärktes Diversifikationsbestreben seiner (selbstentscheidenden) Kunden ortet auch Schartner und führt dies mit auf die aktuelle US-Politik zurück: „Man will nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn ein Pferd in die falsche Richtung läuft - das Risikobewusstsein ist größer als früher”. Und Schartner stellt ein deutlich steigendes Interesse an Krypto-Assets fest. Und an ESG-Veranlagungen.

Für Weingarts ein Punkt um darauf hinzuweisen, dass es hier noch immer keine einheitliche Regulatorik gibt: „Was für den einen Anbieter nachhaltig ist, muss es für den anderen nicht sein. Und für den Vertrieb erst recht nicht”. Die Verunsicherung der Anleger durch die US-Politik sieht er auch. Heißt: die Kunden sind bei US-Basiswerten zurückhaltender, fragen mehr europäische Titel nach.

Zum Christkind ist’s zwar noch hin, Wünsche sollen aber bereits erlaubt sein: „Ich würde mir wünschen, dass man Wertpapiere als langfristige Chance auf Kapitalmarktgewinne sieht, um diese möglichst frühzeitig, etwa über Sparpläne, mitzunehmen. Vor allem in Österreich ist man noch sehr zurückhaltend, was die Risikobereitschaft betrifft.”