K+S, Bitcoin & Chips: Wohin das Geld in einer gespaltenen Börsenwoche fließt
Liebe Leserinnen und Leser,
21 Prozent Plus in einer einzigen Woche – das schafft K+S, ein Düngemittelproduzent aus Kassel, der vor wenigen Monaten noch kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlockte. Kein Zufall: Die Schließung der Straße von Hormus hat die Welt daran erinnert, wie fragil globale Lieferketten sind – und Rohstoffaktien schießen in die Höhe, während anderswo die Kurse bröckeln. Der Kryptomarkt dreht derweil ebenfalls nach oben, und im Chip-Sektor verdichten sich die Signale für eine neue Infrastruktur-Ära. Diese Ausgabe ordnet ein, was hinter den Bewegungen steckt.
K+S und die Düngemittel-Rally: Wenn Geopolitik Rohstoffe befeuert
K+S legte in der vergangenen Woche 21 Prozent zu – stärker als jede andere Aktie im MDAX. Wacker Chemie folgte mit fast 20 Prozent. Beide Unternehmen profitieren indirekt von einer Entwicklung, die an den Rohstoffmärkten gerade Wellen schlägt: Die Blockade der Straße von Hormus treibt nicht nur den Ölpreis, sondern verunsichert auch die Versorgung mit Düngemitteln und Vorprodukten. Investoren fliehen in Substanzwerte mit realem Angebot – und Kali ist knapp.
Das ist kein isoliertes Phänomen. US-Düngemittelkonzerne wie CF Industries, Mosaic und Nutrien legten in der vergangenen Woche zwischen zehn und 17 Prozent zu. Das Muster ist eindeutig: Wer physische Güter produziert, die nicht einfach umgeleitet werden können, steht gerade hoch im Kurs.
Für deutsche Anleger ist das eine interessante Beobachtung. Während Technologiewerte unter Druck stehen, findet Kapital seinen Weg in klassische Industrie- und Rohstoffaktien. HENSOLDT legte ebenfalls fast sechs Prozent zu – der Rüstungssektor bleibt ein weiterer Nutznießer der geopolitischen Lage.
MDAX unter Druck: Thyssenkrupp, Immobilien, Lufthansa
Auf der anderen Seite des Spektrums sieht es düster aus. Thyssenkrupp verlor fast 15 Prozent, Aroundtown und TAG Immobilien je rund 13 bis 14 Prozent, Lufthansa über sechs Prozent. Das sind keine Zufallsbewegungen.
Thyssenkrupp kämpft mit strukturellen Problemen, die durch hohe Energiepreise noch verschärft werden. Immobilienunternehmen leiden unter dem Zinsumfeld – und wenn die Inflation durch den Ölpreisschock weiter steigt, werden Zinssenkungen noch weiter in die Ferne rücken. BCA Research hat die Rezessionswahrscheinlichkeit für Europa bereits auf 50 Prozent angehoben. Das klingt abstrakt, trifft aber sehr konkret: Wer Immobilienaktien hält oder auf baldige Zinssenkungen setzt, sollte die Prämissen seines Investments gerade überprüfen.
Lufthansa leidet gleich doppelt – steigende Kerosinkosten und eine Nachfrage, die bei anhaltender Unsicherheit nicht wächst. Das Unternehmen ist damit ein Paradebeispiel für die Verlierer eines anhaltenden Ölpreisschocks.
Krypto erholt sich – aber nicht alle gleich
Bitcoin legte in der vergangenen Woche rund neun Prozent zu. Ethereum sogar über zehn Prozent. Und dann gibt es SHIBA INU mit fast 15 Prozent – das Muster kennt man: Wenn die Stimmung dreht, laufen die spekulativeren Assets überproportional.
Was steckt dahinter? Teilweise ist es schlicht technische Erholung nach den Verlusten der Vorwochen. Aber es gibt auch eine inhaltliche Dimension: In Zeiten, in denen Währungen wie Yen und Won unter Druck geraten – Japan und Südkorea haben heute gemeinsam vor übermäßiger Wechselkursvolatilität gewarnt – gewinnen alternative Wertaufbewahrungsmittel zumindest symbolisch an Attraktivität.
Der Yen nähert sich der 160er-Marke zum Dollar, die viele als Interventionsschwelle betrachten. Der Won durchbrach erstmals seit 2009 die 1.500er-Marke. Das sind keine Randnotizen – schwache asiatische Währungen erhöhen den Importkostendruck in Ländern, die stark auf Öl angewiesen sind, und könnten die globale Inflationsdynamik weiter anheizen.
Chips, KI und die nächste Infrastrukturwelle
Microsoft hat diese Woche als erstes Cloud-Unternehmen weltweit damit begonnen, NVIDIAs neue Vera Rubin NVL72-Systeme zu validieren. Was sich technisch anhört, hat handfeste Implikationen: Die neue Plattform liefert bis zu 3,6 Exaflops Rechenleistung – fünfmal mehr als die Vorgängergeneration. Satya Nadella hat das Meilenstein persönlich kommuniziert.
UBS-Analyst Timothy Arcuri sieht bei NVIDIA ein Kursziel von 245 Dollar – rund 34 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem Stand von Mitte der Woche. Für Micron hat die Bank das Ziel auf 475 Dollar angehoben, getrieben von strukturellen Engpässen bei Speicherchips, die laut UBS bis 2027 oder 2028 anhalten könnten. AMD sieht der Analyst ab der zweiten Jahreshälfte als interessanter an, wenn größere Lieferungen neuer Chipgenerationen anlaufen.
Gleichzeitig hat das US-Handelsministerium eine geplante Verschärfung der KI-Chip-Exportregeln still und ohne Begründung zurückgezogen. Für NVIDIA und AMD ist das kurzfristig eine Entlastung – langfristig bleibt offen, ob ein überarbeiteter Regelvorschlag folgt. Regulatorische Unsicherheit bleibt ein strukturelles Risiko für den Sektor.
Anzeige: Die Frage, welche Aktie nach NVIDIA den nächsten großen Schritt machen könnte, beschäftigt derzeit viele Anleger im Chip-Sektor. Börsenexperte Bernd Wünsche analysiert in seiner Sondersendung, wie der Chip-Krieg zwischen USA und China einen konkreten Profiteur hervorbringt – ein Unternehmen mit über 40 Milliarden Dollar Jahresumsatz, das er als strategisch ideal für die nächste KI-Infrastrukturwelle einordnet. Er legt dabei offen, welche Rolle staatliche Förderprogramme wie der 280-Milliarden-Dollar-CHIPS-Act für die Kursentwicklung spielen könnten. Analyse von Bernd Wünsche: Der nächste Chip-Profiteur
Goldman Sachs warnt: Software steht vor einer Zäsur
Während Hardware-Aktien Fantasie wecken, stellt Goldman Sachs in einem neuen Report die unbequeme Frage: Was passiert mit klassischen Softwareunternehmen, wenn KI-Systeme Software selbst entwickeln können? Die Antwort ist differenziert – aber nicht beruhigend.
Etablierte Anbieter haben Vorteile: tiefe Integration in Unternehmensworkflows, proprietäre Datensätze, gewachsene Kundenbeziehungen. Goldman-Analystin Gabriela Borges nennt das „Burggraben\". Aber Rick Sherlund bringt es auf den Punkt: Burggraben kaufen Zeit – sie verhindern Disruption nicht. Die entscheidende Frage ist, wie radikal die Transformation sein muss, die Unternehmen wie Salesforce, SAP oder Oracle durchlaufen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Salesforce hat diese Woche mit seinem Umsatzausblick enttäuscht – trotz besserer Quartalszahlen. Das Muster zeigt sich auch bei anderen: Gute Ergebnisse reichen nicht mehr, wenn der Markt strukturelle Fragen stellt. Für Anleger bedeutet das: Selectivität ist das Gebot der Stunde. Wer in Software investiert, sollte prüfen, ob das jeweilige Unternehmen eine glaubwürdige KI-Strategie hat – oder nur auf Zeit spielt.
Palantir und der 20-Milliarden-Dollar-Rückenwind
Eine der interessanteren Meldungen der Woche kam nicht von einem börsennotierten Unternehmen: Anduril Industries – privat, aber eng mit Palantir verbandelt – hat einen 10-Jahres-Vertrag mit der US-Armee im Wert von 20 Milliarden Dollar gewonnen. Das Projekt integriert KI-Systeme für militärische Entscheidungsprozesse.
Palantir profitiert indirekt: Die beiden Unternehmen betreiben seit Ende 2024 ein strategisches Konsortium, bei dem Anduril taktische Echtzeit-Daten liefert und Palantirs AIP-Plattform die übergeordnete Analyse übernimmt. Institutionelle Anleger sehen darin ein positives Signal für Palantirs Verteidigungsgeschäft. Die Aktie hat im Februar erstmals die Milliarden-Umsatzschwelle geknackt – der Anduril-Deal könnte weiteres Wachstum zementieren.
Ausblick: Was die kommenden Tage bringen
Am 18. März legt Micron Technology seine Quartalszahlen vor – angesichts der UBS-Analyse und der Engpässe bei Speicherchips dürfte das einer der wichtigsten Termine der kommenden Woche sein. Am 20. März folgt Xpeng mit Zahlen aus dem chinesischen E-Auto-Markt.
Makroökonomisch bleibt die Lage angespannt. BCA Research sieht die US-Rezessionswahrscheinlichkeit bei 40 Prozent, für Europa und Japan sogar bei je 50 Prozent. JPMorgan empfiehlt Investment-Grade-Anleihen als Puffer – mit deutlich geringerer Volatilität als der Aktienmarkt und historisch bewährtem Schutz in Tech-Korrekturen.
Die Woche hat gezeigt: Der Markt ist tief gespalten. Rohstoffe, Rüstung und Chips laufen – Immobilien, Reise und klassische Software stehen unter Druck. Wer sein Portfolio noch nicht auf diese Bifurkation ausgerichtet hat, sollte das zumindest gedanklich tun.
Bis zur nächsten Ausgabe,
Andreas Sommer








