Eine angehobene Prognose bei einem US-Wettbewerber sorgt plötzlich für neuen Schwung im europäischen Halbleitersektor – und Infineon steht mitten im Zentrum dieser Bewegung. Zugleich meldet das Unternehmen selbst Fortschritte bei strategisch wichtigen Mikrocontrollern für KI-Anwendungen am Rand des Netzes. Wie stabil ist dieser Mix aus kurzfristigem Rückenwind und langfristiger Story?

Sektor-Signal aus den USA

Den Auslöser lieferte am Dienstagnachmittag Microchip Technology. Der US-Spezialist für Mikrocontroller und analoge Chips erhöhte seine Umsatzprognose für das im Dezember abgeschlossene dritte Geschäftsquartal deutlich: Statt der zuvor erwarteten Spanne von 1,109 bis 1,149 Milliarden US-Dollar peilt Microchip nun rund 1,185 Milliarden US-Dollar an.

CEO Steve Sanghi sprach von einer „breiten Erholung“ in den meisten Endmärkten und einer starken Auftragslage. Besonders wichtig: Der Abbau der Lagerbestände bei Kunden scheint schneller voranzukommen als bisher angenommen. Genau diese vollen Lager hatten den gesamten Industrie- und Auto-Halbleitermarkt in den vergangenen Quartalen gebremst.

Citi-Analysten werteten die Microchip-Prognose daher als klares Positivsignal („Read-across“) für europäische Anbieter wie Infineon und STMicroelectronics. Sie sehen darin einen Hinweis auf eine beginnende Bodenbildung bei der Nachfrage nach analogen Chips und Mikrocontrollern – einem Kernsegment auch für Infineon.

Infineon im Aufwind

Vor diesem Hintergrund legte die Infineon-Aktie spürbar zu und schloss gestern bei 41,83 Euro. Damit notiert der Titel nur rund 1 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 42,35 Euro, das am 24. Dezember 2025 markiert wurde. Seit dem 52‑Wochen-Tief vom 8. April 2025 bei 24,09 Euro hat sich der Kurs damit deutlich erholt.

Wichtige Kennzahlen zur Kursentwicklung:

  • 7‑Tage-Performance: +10,85 %
  • 12‑Monats-Performance: +24,07 %
  • Abstand zum 50‑Tage-Durchschnitt (36,00 Euro): ca. +16 %
  • Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt (34,35 Euro): ca. +22 %

Charttechnisch fällt der Sprung über die Marke von 41 Euro ins Gewicht. Der Kurs liegt klar über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, was die laufende Aufwärtsbewegung unterstreicht. Der RSI auf 14‑Tage-Basis von 46,3 signalisiert dabei kein extremes Überkaufniveau – die Rally wirkt aus technischer Sicht noch nicht überzogen, trotz der beachtlichen Erholung seit dem Frühjahr.

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Produktnews stützen die Langfriststory

Neben dem Rückenwind aus den USA gab es auch operative Neuigkeiten. Der Distributor Mouser Electronics startet ab sofort mit der Auslieferung der neuen PSOC™ Edge-Mikrocontroller von Infineon. Diese Bausteine sind für Edge-AI-Anwendungen in Smart-Home- und Industrieumgebungen konzipiert.

Die Chips sollen Rechenleistung und KI-Funktionalität direkt ins Endgerät bringen – also „am Rand“ des Netzwerks, ohne Umweg über zentrale Rechenzentren. Das ist ein Baustein in Infineons Strategie, den Halbleitergehalt in Industrie- und IoT-Geräten durch zusätzliche Intelligenz zu erhöhen und so strukturelles Wachstum zu sichern.

Kurzfristig wird die aktuelle Kursbewegung vor allem vom Microchip-Impuls dominiert. Die PSOC-Edge-Produkte stützen aber die Erzählung, dass Infineon in wachstumsstarken Zukunftsfeldern wie Leistungselektronik, Elektromobilität und KI am Edge gut positioniert ist.

Bewertung und Branchenkontext

Die jüngste Bewegung ist Teil einer breiteren Erholung im Halbleitersektor. Parallel zum Anstieg bei Infineon legte auch Wettbewerber STMicroelectronics an den Börsen in Paris und Mailand um rund 2,5 bis 3,4 % zu. Der Markt setzt zunehmend darauf, dass die durch hohe Lagerbestände ausgelöste Schwächephase in der Industrie- und Autoelektronik sich dem Ende nähert.

Spannend ist in diesem Umfeld die relative Bewertung: Nach einer Analyse von Oddo BHF wird Infineon für das Jahr 2026 mit einem EV/EBITDA-Multiple von etwa 12,5 bewertet, während STMicroelectronics bei rund 7,4 liegt. Der Aufschlag spiegelt das hohe Vertrauen in Infineons Position in Bereichen wie Leistungselektronik und Elektromobilität wider.

Zusätzliche Unterstützung kommt von der Zinsseite: Sinkende Inflationsraten in der Eurozone nähren die Hoffnung auf Leitzinssenkungen der EZB. Das wirkt vor allem auf kapitalintensive Tech-Unternehmen positiv, da niedrigere Finanzierungskosten und höhere Bewertungsmultiples wahrscheinlicher werden.

Ausblick: Februar rückt in den Fokus

Kurzfristig richtet sich der Blick nun auf die vollständigen Quartalszahlen von Microchip, die am 05. Februar 2026 anstehen. Bestätigen sich dort die Signale zur Lagerräumung und zur Belebung der Auftragslage, würde das die aktuell eingepreiste Erholung im Sektor untermauern und die Prognosesicherheit für Infineons eigene Zahlen erhöhen.

Auf technischer Seite bleibt die 41‑Euro-Zone eine wichtige Marke. Solange der Kurs oberhalb dieses Bereichs und deutlich über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 36 Euro bleibt, spricht vieles für eine fortgesetzte Trendphase. Ein Bruch dieser Zone würde dagegen anzeigen, dass der jüngste Impuls aus dem Sektor vorerst an Kraft verliert.

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