Gerresheimer Aktie: Finanzwende oder Flucht nach vorn?

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer kämpft mit schwächelnden Geschäften und hat seine Prognose bereits zweimal kassiert – doch nun greift das Management zu einem überraschenden Schachzug. Mit 200 Millionen Euro frischem Kapital will der Konzern seine Strategie vorantreiben und gleichzeitig ganze Geschäftsbereiche abspalten. Ist das der Befreiungsschlag oder verzweifelte Flickschusterei?
Frisches Geld für neue Pläne
Gerresheimer sicherte sich gestern zwei Darlehen über insgesamt 200 Millionen Euro von der BayernLB und der Landesbank Hessen-Thüringen. Das Geld fließt direkt in die Ablösung der Brückenfinanzierung für die Übernahme von Bormioli Pharma – eine Akquisition, die das Unternehmen noch weiter in die Pharmaverpackung hineinmanövriert.
Gleichzeitig lockerte der Konzern die Bedingungen seiner bestehenden Kreditlinien über 675 Millionen Euro. CEO Dietmar Siemssen betont die "solide, langfristig planbare und flexible" Unternehmensfinanzierung. Doch warum braucht Gerresheimer so dringend mehr Handlungsspielraum?
Radikaler Umbau: Moulded Glass vor dem Aus
Die Antwort liegt in der strategischen Kehrtwende, die das Unternehmen vollzieht. Anfang August kündigte Gerresheimer an, das gesamte Moulded Glass-Geschäft abzuspalten und zu verkaufen. Ein drastischer Schritt für einen Konzern, der traditionell in verschiedenen Verpackungssegmenten aktiv war.
Die wichtigsten Fakten zur Transformation:
- Fokussierung auf System- und Lösungsanbieter für Pharma und Biotech
- Verkaufsprozess für Moulded Glass-Bereich läuft
- Personelle Neuaufstellung mit Achim Schalk als neuem Vorstand ab November
- Capital Markets Day am 15. Oktober mit Strategie-Update
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Prognose-Debakel belastet Vertrauen
Hinter der Finanzoffensive steht ein ernüchterndes operatives Bild. Gerresheimer musste bereits zweimal seine Jahresziele kappen – ein seltener Vorgang, der Anlegervertrauen kostet. Das organische Wachstum soll nun nur noch 1 bis 2 Prozent erreichen statt ursprünglich geplanter 3 bis 5 Prozent.
Besonders bitter: Die bereinigte EBITDA-Marge rutscht von erwarteten 22 Prozent auf rund 20 Prozent ab. Schuld sind schwächelnde Kosmetikmärkte und rückläufige Nachfrage bei Containment-Lösungen für orale Medikamente.
Zwischen Hoffnung und Realität
Die Frage bleibt: Kann Gerresheimer mit der neuen Finanzierung und dem radikalen Umbau die Kurve kriegen? Das Unternehmen setzt weiterhin auf das langfristige Wachstum bei Biologika und Drug-Delivery-Systemen – Bereiche mit attraktiven Margen, aber auch intensivem Wettbewerb.
Der Aktienkurs spiegelt die Unsicherheit wider: Mit einem dramatischen Minus von knapp 58 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten zeigt sich, wie skeptisch der Markt die Transformation beurteilt.
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